Wir bauen ein Saalflugmodell
Ich möchte kurz daran erinnern, dass letztes Jahr eine Schweizermannschaft an den Weltmeisterschaften in Lakehurst/USA teilnahm. Der Erfolg war bescheiden; denn auch in dieser Kategorie ist aller Anfang schwer.
Da in der Schweiz wenig Erfahrungen auf diesem Gebiet vorhanden sind, versuche ich hier eine ausführliche Baubeschreibung wiederzugeben.
Freundlicherweise stellte mir der Weltmeister 1974 Ryszard Czechowski, Polen, den Plan seines Modells zur Veröffentlichung zur Verfügung.
Balsaholz-Auswahl. Sehr wichtig, leichteste aber nicht zu schwammige Brettchen 1 mm dick. Gespiegelter Schnitt. In den USA erhält man spezielles Balsaholz unter der Bezeichnung «Micro-Dyne» oder «Micro-X». Alle mir bekannten Saalflieger bauen mit dieser Qualität.
Kleben. Es gibt verschiedene Klebemöglichkeiten: 1. Spannlack, der mit einer Stecknadel aufgetragen wird. 2. Verdünnter Weissleim (z. B. Uhu-Colle), der mit einem dünn geschnittenen Balsastäbchen aufgetragen wird. 3. Spezialleim von Micro-X, der in eine med. Spritze abgefüllt wird (keine Plastik-Spritzen) — Schraubdeckel über Nadel. Die Leimverbindungen können nach der letzten Methode genauestens dosiert werden. Nadeldicke ca. 0,8 mm.
Leistenschneider. Diesen kann man selbst anfertigen. Ein Grundplättchen ca. 30 x 40 mm aus Sperrholz 4 mm. Eine Rasierklinge wird mit zwei Flügelschrauben schräg eingespannt. Zwischen Rasierklinge und Sperrholzplättchen werden entsprechend den zu schneidenden Leisten dicken Aluminiumplättchen eingeklemmt. Das ganze kann nun mit Leichtigkeit am Rande des Brettchens geführt werden.
Gewichte wägen. Zu diesem Zwecke braucht es keine chemische Waage. Wir können uns mit Leichtigkeit eine Waage selber herstellen. In einer Apotheke lassen wir ein Stück Stahldraht 0,8 mm genau 1 Gramm abwägen (Zange nicht vergessen) Länge ca. 26 cm. Den abgewogenen Draht halbieren wir und anschliessend wird eine Hälfte genau in 5 Stücke geteilt. Ein solches Stück ist nun genau 1/10 g. Als Grundbrett nehmen wir eine Sperrholzplatte 4 mm, aus der wir die angegebene Form schneiden. Als Ständer dient ein Holzklotz mit eingelassenem Schlitz für das Grundbrett. Ein Stahldraht 0,3 mm wird nach abgebildetem Foto gebogen und im Grundbrett mit Araldit eingeleimt. Nun
können wir mit der Einteilung der Skala beginnen. Die Skala verläuft auf keinen Fall symmetrisch (Vorspannung des Drahtes) wir müssen also Gewicht um Gewicht auf die Halterung legen beim jeweiligen Stillstand eine Nadel leicht einstecken und den Querstrich ziehen. Ist dies gemacht, können wir 1/10 g Stahldraht 0,1 mm Ø mit unserer eigenen Waage abwägen und die Hälfte wieder in 5 gleiche Teile schneiden, somit können wir auch 1/100 g einzeichnen. In der Regel sollte man 2 Waagen bauen, von 0,01—ca. 0,6 g und 0—2,5 g. Lange Teile senkrecht und ohne Durchzug wägen. Alle Gewichte werden aufgeschrieben.
Mikrofilm (Bespannung). Es gibt verschiedene Mischungen, wovon ich hier eine bewährte herausgreife. 83% Nitrolack C-1106, 15% Amylazetat, 2% Eukalyptusöl und 5 Tropfen Rizinusöl auf 200 g. Alles unter Angabe des Verwendungszweckes in Apotheken erhältlich. Die Mischung 3 Tage altern lassen, damit sie kompakt wird. Nach dem Herstellen des Filmes etwa 3 Wochen an einem staubfreien Ort trocknen lassen. Die Farben des Filmes sollen am besten blau bis blaugrün oder rot sein. Goldfarbige Filme sind zwar leichter, haben aber zu kleine Festigkeit (für Transport besser dickere Filme).
Gummi. Am Gummi «hängt» der ganze Erfolg. Qualität prüfen auf Elastizität und Drehmoment. Beste Prüfung vollaufgezogene Gummi in Rahmen mit gleichem Hakenabstand wie Modell. Der Vollaufzug wird erst beim fünften bis sechsten Mal erreicht — jeden Tag nur einmal aufziehen!
Beispiel: Mit einem Gummiquerschnitt 2 mm2 und einer Gummischlaufe von 380 mm sollen 2000 Umdrehungen erreicht werden. Steigerung: 1700 - 1800 - 1850 - 1900 - 1950 - 2000, je 5 Minuten in gespanntem Zustand verharren lassen. Als zur Zeit bester Gummi eignet sich Pirelli geschnitten in Fäden 1 x 1 mm; d. h. je nach Modellgewicht kann man auch 1 x 1,2 - 1 x 1,4 - 1 x 1,6 mm schneiden. Wer Gummi schneiden muss, verständigt sich am besten mit Hans Reifler, Affoltern. Wer sich selber eine Gummischneidemaschine anschaffen will (ca. Fr. 150.—) schreibt an Silvester Kujava, Polen.
Eine etwas schnellere Gummibehandlung funktioniert wie folgt: Gummi zweimal mit Shampoo waschen, trocknen lassen und mit Rizinusöl einmassieren. Vor dem Start aufziehen auf 1000 - 1500 - 1700—1800 und für den Flug auf die theoretisch max. Aufdrehzahl. Dies alles ausserhalb des Modells.
Eine ausführliche Baubeschreibung, sowie genaue Zeichnungen, Tips für das Einfliegen etc. folgen im nächsten Heft MFS 1/76.

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