SMV / FSAM

WILLKOMMEN, NEUES MITGLIED!

von Andrea Bolliger
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Unter dem Dach des SMV sind rund 8000 Mitglieder vereint – aber es werden immer weniger – mehr als 100 pro Jahr. Der Modellflug verträgt also Nachwuchs. Aber wie holt man ihn ab und was versteht man eigentlich unter Willkommenskultur?

Einem Verein tritt man bei, weil man ein Interesse an einer bestimmten Sache vertiefen möchte und um eine Tätigkeit mit Gleichgesinnten auszuüben. Der Verein wiederum hat im Normalfall Interesse an Neumitgliedern, die sich am Vereinsleben betätigen, im Verein bleiben und je nach Kompetenz und Kapazität später auch eine Funktion im Vorstand oder Verband übernehmen wollen. Somit muss die Willkommenskultur weit über die erste Vorstellungsrunde hinausgehen.

Der SMV erwartet von den Vereinen, dass sie eine aktive Rolle bei der Nachwuchssuche übernehmen, etwa mit der Durchführung von Ferienpass-Veranstaltungen und Jugendtagen. Wünschenswert wären auch Öffentlichkeitsarbeit und gute Kontakte zu Schulen. «Der Verein muss auch einen Plan haben, was er den Jugendlichen nach den Ferienpässen weiter anbieten will und kann. Es braucht Mitglieder in Form eines «Junioren- oder Nachwuchsverantwortlichen», die sich des Nachwuchses annehmen. Am besten sind sie im Vorstand des Vereins eingebunden, damit die Informationen fließen und die Jugendlichen sich auch wahrgenommen und vollwertig fühlen», sagt Martin Schneebeli stellvertretend für den SMV-Vorstand. Wie schwierig es ist, Jugendprojekte erfolgreich und nachhaltig umzusetzen, zeigt sich in der Praxis.


Setzt man auf zu jungen Nachwuchs?

Es sind meist Jugendliche, die sich zum Baukurs des Modellflugvereins Staffelbach anmelden. In den Wintermonaten bauen sie während 10 bis 12 Abenden unter der fachkundigen Anleitung von Adrian Hunziker und anderen Helfern des Vereins ein Modell. Viel Nachwuchs für die Gruppe, könnte man meinen, doch Hunziker, der in der Gruppe auch Jugendbeauftragter ist, relativiert: «Die meisten Teilnehmer kommen noch zum Einfliegen, danach hört man von vielen nichts mehr, trotz Angeboten wie begleitem Fliegen.» Nicht einmal die Aussicht auf die Teilnahme am internen Segelflugwettbewerb bringt sie auf den Flugplatz. Für Hunziker ist dies umso erstaunlicher, weil Modell und Zubehör mit rund 500 Franken zu Buche schlagen und so viele Abende investiert wurden. Ähnliche Erfahrungen machte man über die letzten Jahre auch beim Young-Silent-Wings-Workshop (siehe Beitrag letzte Ausgabe).

Die Unterstützung durch die Eltern hat einen grossen Einfluss, wenn es darum geht, ob Jugendliche nach solchen Projekten weitermachen. «Die Flugplätze sind nicht um die Ecke, und das ganze Material zu transportieren erfordert auch eine gewisse Logistik mit Eltern oder anderen Hilfspersonen», sagt Schneebeli. Kommt hinzu, dass Jugendliche oder ihre Eltern andere Engagements haben, deren Termine sich mit den Trainings überschneiden. Es ist keine neue Erscheinung, dass sich die Interessen von jungen Menschen rasch verschieben und sie den Modellflug wieder aufgeben. Dennoch setzt der Verband auf die Jugend, wenn es um Nachwuchsförderung geht. «Es ist sehr sinnvoll, die Jugend bereits früh abzuholen und sie mit dem Modellflug zu «impfen». Viele verschlägt es später an einen anderen Ort oder sie machen eine Karriere in einer anderen Sparte der Luftfahrt. In dieser Phase des Lebens haben Beruf, die Familie oder andere Hobbys Priorität. Später, wenn man wieder mehr Zeit hat, erinnert man sich an den Modellflug und man beginnt wieder», so Martin Schneebeli.


Nicht ins Rayon gepasst: Abgelehnt!

N.P. (Name der Redaktion bekannt) entdeckte den Modellflug im Kindesalter durch eine befreundete Familie, die ihn mit ihrem Sohn auf den Flugplatz mitnahm. Als es um die Aufnahme in den dortigen Verein ging, lehnte dieser ab, weil N.P. in einem anderen Kanton wohnhaft war. «Es ist lange her, aber die Thematik bestand schon damals. Dann ist der Nachwuchs da und man nimmt ihn nicht.» Dies stimmt den heute erwachsenen Mann nachdenklich. «Es war auch nicht so, dass sie an ihre Kapazitätsgrenzen gestossen wären.» Andere Kinder und Jugendliche hätten den Wunsch, mit dem Modellfliegen anzufangen, an dieser Stelle vielleicht aufgegeben. Doch sein Vater schaute sich nach anderen Vereinen um. Schliesslich wurden sie in einer anderen Gruppe – ebenfalls ausserhalb des Wohnkantons – aufgenommen. Auch dort habe es von einzelnen Mitgliedern Widerstand gegen die Aufnahme gegeben, erinnert er sich. Inzwischen ist N. P. in mehreren Vereinen Mitglied. Was die Aufnahme und Integration in den Verein betrifft, so gebe es Unterschiede, sagt N.P. «Als ich noch jünger war, verhielten sich einige Mitglieder mir gegenüber abweisend und verschlossen.» Fragen wie «Was macht der da? Kann er das?» lösten bei ihm Unbehagen aus. «Dann gibt es das Gegenteil, dass die anderen Mitglieder auf einen zukommen, mit einem sprechen und Fragen stellen. So fühlt man sich von Anfang an wohl!» Willkommenskultur ist für N.P., wenn Mitglieder ohne Vorurteile auf den Neuling zukommen und ihn aufnehmen, ohne dass er sich erst beweisen muss. Mehr brauche es nicht. Ihm ist der soziale Austausch wichtig. Dazu kann es auch gehören, nach dem Fliegen noch zusammen zu essen oder etwas zu trinken.


Die, die kommen, nicht vergrämen

Viele pflegen eine Willkommenskultur, ohne sich dessen bewusst zu sein, weil es auf natürliche Weise passiert. Als Adrian Hunziker beim Fliegen von einem Buben beobachtet wurde, fragte er ihn, ob er auch etwas «Ferngesteuertes» zu Hause habe. «Autos», entgegnete der Junge. Hunziker erkundigte sich nach seinem Interesse an Flugmodellen. Der Junge bejahte die Frage und fügte an, dass er dafür nicht das Geld habe. Hunziker offerierte, einmal ein Modell mit Doppelsteuer auf den Platz zu bringen und ihn probieren zu lassen. «Ich gab ihm meine E-Mail-Adresse. Kaum zu Hause, hatte ich bereits eine Nachricht von ihm in meinem Postfach. Er konnte es jeweils kaum erwarten, sich mit mir auf dem Flugplatz zu treffen, und war einer von denen, die bis Ende des Jahres alleine fliegen konnten», sagt Hunziker. «Er besuchte den Baukurs und war lange Zeit im Verein aktiv. Inzwischen ist er mit meinem Sohn befreundet. Für den Moment hat er das Fliegen aufgegeben. Die Jungen sind nun in der Ausbildung und haben andere Interessen.»

Aus dem Rücklauf vom Baukurs zieht Hunziker Konsequenzen: «Wir kehren das System um und veranstalten im Herbst ein Plauschfliegen, bei dem jeder das Fliegen am Doppelsteuer ausprobieren kann. Die Idee ist, jene, die Ihr Interesse und Talent für den Modellflug entdecken, auf den Baukurs im Winter aufmerksam zu machen. Bis zum Kurs können sie vier bis fünf Mal bei uns fliegen. Das sollte ein Ansporn sein, mit dem selbst gebauten Modell weiterzufliegen. Hunziker hat weitere Ideen, wie er Junge für den Modellflug und das Vereinsleben begeistern könnte. «Man könnte mit den Jungen einen Benzinmotor auseinander- und wieder zusammenbauen, diesen anschliessend in ein Modell einbauen und einstellen. Löten ist im Modellbau fast Alltag. Auch das könnte man den Jungen zeigen. Ebenso wertvoll wäre es, Themen im Bereich Elektronik und Akkuspannung zu behandeln.» Denkbar wären auch Ausflüge, etwa zur Modellbaumesse Friedrichshafen. Wie einfach es sein kann, einen Schnuppertag zu organisieren, zeigte der MFV Wettingen. Er verteilte in der näheren Umgebung Flyer. Daraus resultierten um die 20 Anmeldungen. Und auch wenn nur ein Bruchteil dieser Schnuppernden den Modellflug als neues Hobby entdeckt, so hat der Verein für ein positives Erlebnis bei einigen Nachbarn gesorgt. Willkommenskultur ist also weder aufwendig noch eine Wissenschaft, sondern schlicht das Gegenteil von Ablehnung. Offen sein für Interessierte, willens sein, sein Hobby zu erklären und sein Wissen zu teilen. ■

*Andrea Bolliger*


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