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Die Köhler-Story

von Ludwig Retzbach
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Gerne zeigt er auf die Fotowand aus guten alten Tagen, als Hobby und Beruf für die drei Köhler-Brüder, denen die Modellflieger die famose Idee des Aussenläufer-Motors verdanken, noch fliessend ineinandergingen.


Er, der Älteste, Frank Köhler (41), betrieb zu dieser Zeit schon ein Ingenieurbüro. Die Jüngeren beiden, Jochen und Reto, studierten damals noch. Der Elektroflug hatte es ihnen angetan, als sie alle noch bei den Eltern im süddeutschen Pfullingen wohnten, zu Beginn der 1990er-Jahre. Gemeinsam ging man in freien Stunden auf den Modellflugplatz und flog Elektrosegler, aber auch schon elektrisch angetriebene Motormaschinen, soweit dies mit den japanischen Mabuchi-Motoren eben möglich war. Das Glück spielte ihnen frühzeitig einen AVEOX-Motor in die Hände, die damalige Top-Neuheit aus den USA. Frank Köhler erinnert sich, dass sie sich ärgerten, wie wenig Drehmoment man damit be-



kam für so viele Dollars (die selbst damals noch richtig teuer waren).

Von da an begann es in den Köpfen der Brüder zu arbeiten. Man sollte, nein, müsste einfach den Luftspalt dieses Motors weiter nach aussen verlegen ...? Am besten, indem man das ganze einfach rumdrehte. Inside out, wie die Amis gesagt hätten. Der erste Aussenläufer war dann so was wie ein Mabuchi mit abgeschnittenem Kollektor, bei dem man einfach das Gehäuse rotieren liess. Die ersten Mes-

sungen freilich waren ernüchternd. Von den 90% Wirkungsgrad, die man sich erträumt hatte, war man noch ein gutes Stück weit entfernt. Doch war es genau dieses prozentuale Fernziel, das den Gesprächen am Mittagstisch ihren Drive gab. Irgendwann erschienen die Köhler-Brüder dann auf einem süddeutschen Elektromeeting mit einem Elektroschlepper, dessen grosser Propeller den angehängten Segler erstaunlich behände auf Höhe brachte, obwohl nichts von einem Getriebe



zu hören war. Einer der ersten grossen Auftritte des NEWTOR genannten, un(an)fassbaren 4-poligen Powermotors, der allerdings noch teilweise auf Serienteilen (z. B. käuflichen, zwölfnutigen Statorblechen) beruhte. 1995 folgte dann der erste, viel beachtete Messeauftritt in Stuttgart.

Die Köhlers dachten weiter, entwarfen neue, eigene Blechschnitte und präsentierten schliesslich um das Jahr 2000 den 8-poligen ACTRO. Ein Jahr zuvor hatte man sich mit der ortsnahen Firma Aeronaut zusammengetan, die von da an den administrativen «Schriftkram» und sukzessive auch den Vertrieb der Köhler-Motoren übernahm. Man wollte sich künftig aufs Erfinden konzentrieren. Natürlich kam es anders! Ende 2000 beispielsweise erschien die Bauanleitung für den LRK-Motor. Plötzlich waren die Aussenläufer in aller Munde. Die darauf einsetzende Selbstbauweise beflügelte die gesamte Elektroflugszene. Denn nicht jeder, der so ein ambitioniertes Selbstbauprojekt angefangen hatte, brachte es auch wirklich zu Ende. Die Motorennachfrage stieg beträchtlich, ganz zu schweigen von dem plötzlichen Bedarf an Brushless-Controllern. Man entwickelte den ACTRO-C (compact), die hauseigene Antwort auf das Multipol-Fieber. Leider wurde es bald zunehmend schwierig mit der bislang so erfolgreichen brüderlichen Zusammenarbeit, denn Jochen und auch Reto mussten nach abgeschlossenem Studium der



beruflichen Mobilität Tribut zollen. Frank Köhler, immer noch Betreiber eines Ingenieurbüros in der Nähe von Stuttgart, spielt inzwischen solo. Er freut sich über die gute Nachfrage der Heli-Kunden an den zuletzt entwickelten 24- und 32-ACTRO-Typen und arbeitet derzeit an einer Heli-Modifikation für den grossen 40er. Auch dass die 60er-Serie, mit der man zwischenzeitlich das einstige 90-Prozent-Wirkungsgrad-Traumziel erreichte, bei den Kunstfliegern gut ankommt, geniesst er gleichermassen.

Gleichwohl muss auch er einräumen, dass die China-Welle

ihn als deutschen Hersteller (selbst gewickelt wird im eigenen Hause) nur noch in der Premium-Nische überleben lässt. So arbeitet man mit Nachdruck daran, den Qualitätslevel zu erhalten und den Effizienzvorsprung, den die ACTROs vor allem bei hubschraubertypischem «Teilgas»-Betrieb offensbaren, auszubauen. Auch Industrieaufträge sichern den Fortbestand der Firma.

Und wie oft reicht es noch zum Modellfliegen? Wieder einmal zeigt Frank Köhler auf die Fotowand in seinem Büro. Nun, auffällig viele Neuaufnahmen scheinen nicht dabei zu sein.




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