Titelstory

Boeing 747-400 – das ästhetisch schönste Flugzeug der Welt

von Emil Ch. Giezendanner
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Der Bassersdorfer Modellflieger Arnold Meier stand vor 40 Jahren auf der Zuschauerterrasse des Flughafens Kloten oder am Pistenende und bewunderte die startenden und landenden Flugzeuge. Der Jumbo, den er als König der Lüfte bezeichnet, hatte es ihm angetan. 1997 entschloss er sich, dieses Flugzeug als flugtüchtiges Modell zu bauen.



Wir haben nie ausgelernt

Arnold Meier- oder Noldi, wie er unter Modellfliegern genannt wird – hat das Modellfliegen erst mit 60 gelernt. Erfreulicherweise steigen immer wieder auch ältere Semester in den Modellflug ein. Das Motto heisst «Besser spät als nie»! Noldi hat auch da nichts dem Zufall überlassen und sich das Rüstzeug an einer Modellflugschule geholt. Der Beitritt zur Modellfluggruppe Bassersdorf hat dann geholfen, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und zu perfektionieren. Erfahrungsaustausch und erfolgreiche Flüge unter verschiedensten Bedingungen sind dazu bekanntlich die wichtigsten Mittel. Liebe Senioren, merkt euch das und sagt eurem gleichaltrigen Freund, «auch du kannst Modellfliegen lernen – Noldi hats bewiesen».


Grösse allein bringt nicht

Flugmodellbau grösserer Kategorien stellt die Konstrukteure vor ganz besondere Probleme. Neben Statik, Ruderbefestigungen und Anlenkungen sind Transport und nicht zuletzt die geeigneten Flugplätze wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen. Geht mir bei



dieser Gelegenheit die alte Anekdote vom Kollegen durch den Kopf, der nach dem erfolgreichen Bau seines Flugzeugs in der Stube feststellen musste, dass dieses weder durch die Tür noch durch das Fenster nach draussen zu schaffen war ... Bei motorisierten und mit Fahrwerken versehenen Modellen sind eine Menge zusätzliche und entscheidende konstruktive Lösungen zu finden, die oft nicht auf Anhieb zum Erfolg führen. All dies gehörte für Noldi zur Projektierungsarbeit. Aufgrund der Transportmöglichkeiten entschied er sich für die Baugrösse im Massstab 1:20 und damit verbunden für einen zweiteiligen Rumpf und ebenso geteilten Flügel. Als wohl schwierigsten Knackpunkt nennt Noldi das Hauptfahrwerk. Der gelernte Feinmechaniker und Unternehmer in der Werkzeugmaschinenbranche, Arnold Meier, hat auch dieses Problem souverän gelöst. Das Fahrwerk hielt bei einem Fluggewicht von rund 25 kg das Aufsetzen auf Rasen einwandfrei aus.


Grosse Projekte brauchen Abwechslung

Wer mit längeren Flugmodellbauprojekten beschäftigt ist, tut gut daran, zwischendurch kleinere, wenn auch an- spruchsvolle Pläne zu realisieren. Sie machen Herz, Kopf und Hände – wie Pestalozzi sagen würde – frei und ergänzen das Erfahrungspotenzial. Manche Arbeit, von der wir glauben, dass sie in der Sackgasse stecke, kann bei der Beschäftigung in ganz anderen Bereichen ganz plötzlich neue und Erfolg versprechende Inputs erhalten. Dieses Phänomen machte sich auch Arnold Meier, unser Jumbo-Bauer, zunutze, indem er parallel zu seiner Boeing 747-400 einen Learjet sowie eine PC-21 baute. Beim Bauen und Fliegen des Learjet hat ihm insbesondere der Umgang mit Elektroturbinen (oder Impeller) wertvolle Grundlagen – zum Beispiel zur Gestaltung der Triebwerksgondeln – geliefert.


Auf die Dauer hilft nur Power

Bei Projektstart 1997 steckte der elektrische Turbinenantrieb noch weitgehend in den Kinderschuhen. Die damals gebräuchlichen Akkus waren Nickel-Metall-Hydrid(NiMH-)Zellen. Für den Antrieb seines Jumbos hätte Noldi mehr als 8 kg davon in das Modell packen müssen. Das heutige Akku-Gewicht mit LiPos beträgt noch rund 3 kg. Auch der Wirkungsgrad der käuflichen Elektro-Turbinen wurde seither laufend verbessert. Zu diesen grossen Fortschritten haben auch zahlreiche Schweizer Elektrojet-Pioniere wie Ueli Amacher, Hans Bühr, Benedikt von Arx und andere einen wichtigen Beitrag geleistet. Noldi hat die Triebwerke anhand einer grossen Menge an Versuchen, Änderungen und Messungen nochmals optimiert und ist dabei auf erstaunliche Schubwerte gekommen.


... und der Beweis ist der Flug

Besuch eines Freundes an Weihnachten in meiner Werkstatt: «Diese Teile (eines entstehenden Flugzeuges) kommen mir bekannt vor. Ich habe diese schon an- letzten Weihnachten gesehen ...» Solche und noch weit zynischere Bemerkungen bekommt jeder zu hören – und dies nicht nur aus der Schaumfraktion –, wenn er an längeren Projekten wirkt. Schon deshalb ist der Tatbeweis der Modellbauer der Flug, selbst dann, wenn dieser nur grad knapp eine Fotosekunde dauern sollte. Dies stellt jedoch nur einen unbedeutenden Nebenschauplatz dar. Das Allerwichtigste ist der Flug deshalb, weil er Krönung und gleichzeitig Abschluss einer langen und sicher nicht immer lustvollen Projektarbeit darstellt. Die grosse damit verbundene Befriedigung besteht nicht allein in der Gewissheit, dass die Messresultate und Berechnungen stimmen, sondern vor allem im unbeschreiblichen Gefühl, einen langen Wunsch erfolgreich und aus eigener Kraft realisiert zu haben. Am 28. September 2010 war es für Noldi so weit. Im Rahmen des Rollouts auf dem Flugplatz der MG Bassersdorf führte er zur Überprüfung von Schwerpunktlage und Schubleistung einen ersten Test durch, bei dem das Flugzeug kurzzeitig einen Meter abhob. Ein Tag später folgte dann der eigentliche Jungfernflug mit dem erfahrenen Jetpiloten Julius Jezerniczky (siehe Kasten). Nachdem beide Flüge auf dem Flugplatz der MG Bassersdorf problemlos verliefen, konnte die Boeing 747-400 im Rahmen des Fluktages Hausen 2010 als Königin der Lüfte definitiv gekrönt werden. Dem Erbauer und all seinen Helfern kann ich dazu nur gratulieren und weiterhin viele spannende Flüge wünschen.

Weitere Infos: www.mg-bassersdorf.ch



Ich flog Noldis Jumbo-Jet

Obwohl ich Arnold Meiers Jumbo seit ein paar Jahren immer wieder an Fluktages und Ausstellungen im «Static Display» bewundern durfte, war ich doch sehr überrascht, als Noldi mich Ende September telefonisch kontaktierte und mich verzweifelt bat, den Vogel baldmöglichst einzufliegen. Noldi war sehr im Stress, weil er sich mit dem Jumbo für den Fluktage in Hausen am Albis angemeldet hatte und auch wollte, dass jemand sein Meisterwerk dort vorfliegt.



Meine erste Reaktion war für Noldi nicht sehr erfreulich. Angesichts der vielen Jahre und der doch erheblichen Kosten, die er in dieses Projekt investierte hatte, riss ich mich nicht darum – ich denke, auch sonst niemand in der Szene –, diese Verantwortung zu übernehmen! Trotzdem versprach ich, bei ihm vorbeizuschauen. Ein paar Tage später stand ich in seiner Werkstatt. Noldi erklärte mir alle technischen Details der Maschine. Wir diskutierten lange und machten Funktionstests. Als ich den dicken Ordner mit den technischen Unterlagen durchsehen durfte, war mir klar, dass Noldi alles sehr gewissenhaft geplant, berechnet und gebaut hat. Mittlerweile war auch der Vereinskollege, Assistent, 1. Offizier und Powerchief Executive (Akkuchef) Eugen Bohnenblust eingetroffen. Ich kam nun wirklich ins Grübeln und als ich dann in die hoffnungsvollen Augen der beiden Herren sah, begaben wir uns – ohne Jumbo – auf den nahegelegenen Flugplatz Gerstenacher der MG Bassersdorf. Ich flog zwar schon ein paar Mal anlässlich der Bassersdorfer Fluktage mit meinen Jets dort und kannte die Platzverhältnisse einigermaßen. Allerdings sind meine Jets doch ein Stück wendiger und kleiner. So kam es, dass ich an diesem Nachmittag doch noch drei Eingewöhnungsflüge mit meiner Wild Hornet machte. Anschliessend sahen mich die beiden erwartungsvoll an und als ich dann für den kommenden Tag meine Zusage für den Jumbo-Jungfernflug gab, strahlte Noldi wie ein Weihnachtstern!

Mein Eintreffen am nächsten Morgen wurde sehnlichst erwartet und ich musste etwas schmunkeln, als ich fast den halben Verein auf dem Gelände antraf! Wir machten nochmals ausgiebige Checks, und als dann noch die A-380 im selben Kleid von Kloten aus an uns vorbeikurzte, wusste ich, jetzt gibt es kein Zurück! Gas rein – aber der Vogel wollte nicht so recht beschleunigen und ich musste den Start kurz vor dem Pistenende abbrechen. Nochmals alles aufgebockt, und siehe da, eine Schraube hatte sich in Radnähe gelöst und zwei Felgen des Hauptfahrwerkes blockiert. Beim zweiten Versuch ging dann alles glatt und die Maschine hob zuerst langsam die Nase und nach weiteren Metern ging auch das Hauptfahrwerk in die Luft und der Vogel flog, als hätte er dies schon viel früher machen wollen! Zuerst ging es auf Sicherheitshöhe und ich bemerkte schnell, dass die Ruder relativ träge wirkten. Da rundherum überall Wald war, musste sehr grossräumig und vorausschauend geflogen werden. Etwas ungewohnt war für mich auch der Umstand, dass ich seit eh und je ein Handsender-Pilot bin und Noldi mit Pultsender fliegt.

Ich flog mit dem Jumbo ein paar Achten und liess aus Sicherheitsgründen das Gas ordentlich stehen. Da wir nach rund drei Minuten schon langsam an das Landen denken mussten, liess ich für den Erstflug das Fahrwerk draussen. Nach einem gedrosselten tiefen Überflug setzte ich im zweiten Versuch mit halb gesetzten Klappen den Jumbo schön sanft auf den Boden. Natürlich waren wir alle sehr erleichtert, dass alles so gut und problemlos vonstatten ging. Wir beschlossen deshalb, gleich alle Akkus nochmals zu laden und den Vogel ein zweites Mal in die Luft zu schicken. Auch dieser Flug verlief problemlos und ich traute mir in der Folge zu, Noldis Jumbo auch in Hausen, wo der Flugraum und die Pistenverhältnisse wesentlich besser sind, vorzufliegen.

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass ich vor Noldis modellbauerischer Leistung den Hut ziehe! Der Jumbo liegt schön in der Luft und hat ein atemberaubendes Flugbild, welches vom Original kaum zu unterscheiden ist! In den nächsten Wochen werden wir weitere Tests bezüglich Langsamflugeigenschaften machen. Schliesslich muss Noldi sein Lebenswerk demnächst selber fliegen ...



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