Titelstory

POLIKARPOV I 16 – Der Jäger, der aus der Kälte kam

von Cédric Pettavel und Jérôme Hugentobler
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Als das Flugzeug beim Überfliegen des Roten Platzes anlässlich des Festes der Arbeit am 1. Mai 1935 zum ersten Mal in Erscheinung trat, war die Polikarpov I 16 das modernste Eindecker-Jagdflugzeug der Welt: es war schnell, leistungstark und mit einem einziehbaren Fahrwerk ausgerüstet.


Als ich eine solche Maschine zum ersten Mal sah, war es die von Cédric an einem Tag während des Meetings GAM Aigle, aber er war mit dem Gerät nicht glücklich. Dann, beim Meeting Warbird Tattoo 2003 in Sierre, war es Beat Frei, der mich mit seinem Virus infizierte: er fliegt eine I 16 mit zwei Metern, die fantastisch fliegt. In dem Moment trafen wir eine Entscheidung, die uns viel zu schaffen machen würde: eine I 16 bauen, o.k., aber mit einziehbarem Modell-Fahrwerk, pyramidenförmig mit Seilantrieb, wie beim richtigen ...


Zeichnungen

Eine Woche später machte ich mich an die Arbeit, wobei ich vergeblich versuchte, eine gerade Linie in diesem Flugzeug zu finden. Abgesehen von der Vorderseite der Motorabdeckhaube sind alle geraden Linien krumm! Eine wahre Freude für einen Modellbauer, wenn man keine Bezugspunkte im Raum findet. Einen Monat Entwurf und Berechnungen, später war die Planung bis auf ein Detail fertig: das einziehbare Fahrwerk! Aber wie haben sie das mit den «Rouscoff» gemacht? Hier musste ich Cédric gestehen, dass das nicht einfach sei.

Nachdem ich mit Studieren von Fotos das einziehbare Fahrwerks neu erfunden und Zeichnungen mit vereinfachter Kinetik hergestellt hatte, dachte ich, dass das Schwierigste geschafft sei. Aber ich hatte mich schwer getäuscht. Als Cédric die Zeichnung anschaute, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Als er jedoch die Kinematik des Fahrwerks sah, sagte er mir rundweg, dass es unmöglich funktionieren könne! Ich musste ihm einen Aufbau aus Hölzchen und Klebepapier bauen, um ihm zu beweisen, dass meine Konstruktion sehr wohl fundiert sei. (Wie haben wir an diesem Abend gelacht). Tatsächlich war er aber noch immer nicht überzeugt!



Bauweise

Die Aufgaben wurden entsprechend unserer jeweiligen beruflichen Fähigkeiten verteilt: das Fahrwerk an Cédric, den Mechaniker; die Struktur an mich als Schreiner, das Ganze in Zusammenarbeit.

Weil ich Holz liebe, den weissen Leim und krumme Flugzeuge, konnte ich es kaum erwarten, mit dem Bau zu beginnen.

Die Vorgehensweise ist vielfältig: Flügel, Stabilisator und Leitwerk sind mit Oratex beschichtete Strukturen; der Rumpf und die Tragflächenwurzeln aus Faser-Balsabeplankung. Die Spanten des Rumpfs und einige der Flügel bestehen aus Birkensperrholz von 3 und 4 mm, Luftfahrtqualität. Die Rippen der Flügel, Seitenruder und Stabilisator sind aus Balsaholz, teilweise auf beiden Seiten mit 0,4 mm Sperrholz verstärkt. Die Motorabdeckung besteht aus Glasfaser. Die Rippen der Flügelwurzeln kreuzen die Rumpfspanten und bilden so eine leichte und sehr stabile Kammer, in die die Platinen des einziehbaren Fahrwerks und der Servomotoren eingebaut sind.



Die Motorabdeckung

Zunächst machten wir uns an die Motorabdeckung. Da weder Cédric noch ich je Gussformen aus Glasfaser hergestellt hatten, war das Problem riesig. Der Master besteht aus kreuzweise verlegtem Holz und Balsa. Er enthält die Abdeckung für die Maschinengewehre, deren Auslass, die Anbringung der Auspufföffnungen und Lufteinlass sowie den Abgang der Flügelprofile am Rumpf. Das Teil sah gut aus und war letztendlich einfach herzustellen, obwohl es konisch war. Die richtigen Zweifel kamen jetzt: Wie stellen wir eine Form her und wie dann verwertbare Hauben herausbringen?



Auskunft über Internet bei Daniel Meylan, sehr aufschlussreiche Empfehlung auf Website (was ich allen Modellbauern empfehle), und dann der Start der Fertigung einer Form in drei Teilen, was uns einige Aufregung beim Entformen jedes einzelnen Teils bescherte. Da die Motorabdeckung keine besonderen Probleme machte, entschieden wir uns, auch den Propellerkegel abzuformen, auch die Abdeckungen der Maschinengewehre und die Auspufföffnungen, um den Motor abzudecken.



Der Rumpf

Zum Montieren des Flugzeugs unter Gewährleistung seiner Geometrie lege ich Aluminiumprofile rechtwinklig zum Arbeitstisch, die über ihn hinausragen. Ich verschraube die Spante des Rumpfs, was sofort das Flugzeug bildet. Die Spanten werden miteinander mit Leisten an ihren vorgesehenen Stellen verklebt. Die beiden Flugzeuge werden gleichzeitig montiert. Wir können dann schon die Leitwerke montieren, die Bremsklappen, die aus zwei Schichten c.t.p. 0,4 mm bestehen, die Platinen für die Servomotoren, die Fahrwerke, und sogar Tests durchführen, wenn wir das wollen.

Nachdem alles funktioniert, beginnen wir, die Struktur mit Balsaplanken 3 mm zu belegen. Da es noch immer keine geraden Linien gibt, überlasse ich es Ihnen, sich die mühsame Arbeit vorzustellen!

Weil die Spante Karman-Profile enthalten, sind diese hohl und formen sich von selbst, sodass wir uns bei der Verlegung der Verplankung nicht den Kopf zerbrechen mussten.



Bis zum Abschluss dieser Arbeiten war mehr als ein Jahr vergangen. Nun kam der schicksalhafte Moment der Trennung der Flugzeuge von ihrem Gestell und der Anpassung der Motorabdeckung an den Rumpf. In der Nacht vorher hatte ich schlecht geschlafen: Würde sie auf den Rumpf passen? Waren die Flügelwurzeln auf der richtigen Höhe?

An diesem Abend haben wir die Abdeckungen auf den Rumpf aufgesetzt, waren glücklich und tranken ein Bier, um zu feiern! Danach mussten wir erst einmal alles neu überdenken.



Das einziehbare Fahrwerk

Das Fahrwerk hat die Form einer Pyramide. Es wird wie im echten Flugzeug von Seilen angetrieben, die von einem Servozug gezogen werden. Die Sperung in der Position «Ausgefahren» geschieht über einen Federzug, der die Räder im Fall eines Seilrisses ausführt. Dieses Fahrwerk wurde vollständig von Cédric hergestellt.


Die Leitwerke

Wie auch die Flügel bestehen die Leitwerke aus einer Balsastruktur und sind direkt an den Rumpf angebaut, deren letzter Spant ihre Holme einbezieht.



Die Flügel

Die Flügel wurden auf einem Gestell mit 1° negativer Verdrillung montiert. Die Querruder sind während der Montage fest mit dem Flügel verbunden und werden danach getrennt. Die Rippen, die die Flügelverriegelung enthalten, wurden mit 0,4 mm c.t.p. verstärkt.



Die Kabinenhaube

Die Form der Kabinenhaube besteht aus 0,4 mm Sperrholz, aufgeklebt auf eine Grundplatte von 4 mm. Dies ergab eine Art Schale, die wir mit Gips füllten. Nach mehreren Aufträgen von sehr fein geschmirgeltem Schreinerlack erhielten wir eine glatte und strukturfreie Oberfläche, sodass wir mit der Formung der Kabinenhaube beginnen konnten. Um die Plastikfolie abziehen, klemme ich diese zwischen zwei Aluminiumwinkel auf jeder Seite der Platte ein und benutze einen Industrieföhn, um das Material zu erwärmen. Zu zweit ist dies an einem so kleinen Teil ein Kinderspiel.


Oberflächenbearbeitung

Alle Teile der Struktur werden gespannt, und die Vollteile werden mit Fasermaterial 25 gm² beschichtet. Da ich dies noch nie gemacht hatte, hatte ich ein wenig Angst vor dieser Arbeit, aber letztendlich war es nicht schwieriger als die Bespannung, auch nicht viel mehr Mühe, wenn es gut gemacht ist. Nochmals galt es, viel zu schleifen für den Endanstrich entsprechend dem gewählten Modell: metallic grau für

Cédric, der eines der Flugzeuge des Sammlers Tim Wallis nachbaut, das in Russland neu gebaut wird und in Neuseeland fliegt; dunkelweiss für meines, das einem Flugzeug zur Verteidigung der Leningrad Route nachgebaut wird und 1942 von Kapitän Tsokolayev geflogen wurde.

Ich verwende Acrylfarbe, die den Vorteil hat, eine genaue Farbgebung zu erhalten und nicht gar zu schlecht riecht. Diese wird mit einem Zweikomponentenlack mit Mattpaste beschichtet. Die Dekorationen für das Flugzeug von Cédric sind selbstklebend, meine sind aufgemalt.

Jetzt mussten wir nur noch den Tank und den Motor montieren, die Kabel des einziehbaren Fahrwerks mit allen Steuerungen verlegen und Lösungen für all die Kleinigkeiten finden, die sich während der Montage eines solchen Modells in Erinnerung brachten.



Der Flug

Der so sehr gefürchtete Moment ist am 12. November 2005 gekommen. Wird es fliegen, wird es nicht fliegen? Einstellen der Motoren und Tests des Arbeitsbereichs des Funkgeräts. Probleme mit Störsignalen wurden schnell beseitigt, und die beiden Flugzeuge waren endlich für den Erstflug flugbereit.

Hier muss ich etwas anmerken. Ich habe immer Teile «A» und Teile «B» hergestellt, was zu Flugzeugen «A» und «B» führte. Für mich habe ich Flugzeug «B» gewählt, aus dem einfachen Grund, «A fliegt zuerst», weil Cédric ein besserer Pilot ist als ich.

Also präsentierte sich Cédric zuerst (Danke, Cédric) am Ende der Piste in Aigle.

Allmähliches Gasgeben, sehr hohe Beschleunigung des Flugzeugs, das so lange wie möglich auf dem Boden gehalten wurde, und Abheben. Zur allgemeinen Verblüffung, sofortiges Einziehen des Fahrwerks. Der kurze Rumpf macht die Rudertiefe sehr effizient, das bestätigt sich beim Flug. Wir hatten viel zu viel Spielraum, aber Cédric hatte das mit feinfühliger Steuerung voll unter Kontrolle. Das Flugzeug schien in Ordnung, jedoch sehr sensibel.

Die Landung ohne Bremsklappen ist auf Grund der zu effizienten Rudertiefe schwierig, aber für einen ersten Flug sehr korrekt, und vor allem ohne Bruch. Es lebe die Geschwindigkeit!

Nachdem ich den Weg des Höhenruders reduziert hatte, machte ich mich etwas angespannt an meinen Auftritt. Start ohne Problem. Mit meinen Einstellungen war der Flug wesentlich ruhiger, jedoch musste ich darauf achten, die Geschwindigkeit zu halten. Ich testete das Fahrwerk. Die Landung verläuft ohne Probleme, abgesehen von einem zu hohen Leerlauf, was dazu führte, dass ich die ganze Länge der Piste brauchte. Das heisst, sie kommt sehr schnell an. Im Flug ist dieses so spezielle Gerät wirklich wunderbar.

Für mich war das ein grosser Moment, denn wenn man ein ganzes Flugzeug baut, gibt es zahlreiche Unbekannte, es ist dann eine Erlösung, wenn man sieht, dass alles funktioniert.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es eine schöne Erfahrung war, wovon ich Anfängern dringend abrate, weil es immer noch ein sehr sensibles Flugzeug bleibt.


Technische Daten/*Données techniques***
Polikarpov I 16 Typ 24 / Polikarpov I 16 type 24
Original/OriginalModell/Modèle
Spannweite/Envergure9,004 m2 m
Motor/MoteurShvestov M-63Titan-45-Benzin
Titan 45 essence
Gewicht/Poids1882 kg10,5 kg
Baujahr/Année de construction19392003–2005
Profil/Profilunbekannt/inconnuNACA 2412


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