22. F3B-Weltmeisterschaft 2019 in Jesenik, Tschechien
Gold: Andreas Böhlen, Bronze: Thomas Kübler, Gold: Teamwertung
Bei F3B, der ältesten von vier FAI-Segelflugklassen, müssen mit dem gleichen Modell drei verschiedene Flugaufgaben gemeistert werden, dabei ist nur Ballastzugabe erlaubt. Der Hochstart wird mit Elektrowinde mit 200 m Abstand von einer Umlenkrolle durchgeführt. Dieser Start allein hat es schon in sich, versucht doch jeder mit guten Modelleinstellungen eine möglichst grosse Höhe zu erreichen (200–330 m je nach Wetterlage). Allein 5 m Höhenunterschied zum Mitkonkurrenten machen mindestens eine Länge beim Streckenflug aus. Danach sind pro Durchgang entweder ein 10-Minuten-Dauerflug mit Ziellandung, ein Distanzflug zwischen zwei Visieren in einem Abstand von 150 m oder der Speedflug mit vier Längen, wieder möglichst schnell zwischen diesen Visieren hindurch zu fliegen. Diese abwechlsungsreichen Aufgaben machen das Wettbewerbsfliegen dieser Kategorie anspruchsvoll, aber auch spannend.
Tschechien hat zum vierten Mal eine F3B-WM übernommen. Es wird wegen des organisatorischen Aufwands einer F3B-WM immer schwieriger, einen Ausrichter zu finden. Mit Jan Stonavsky stand ein erfahrener F3B-Pilot als Organisator und Wettbewerbsleiter zur Verfügung. Auf dem Grosssegel-Flugplatz Mikulovice hatten wir ein perfektes, aber thermisch anspruchsvolles Fluggelände. Am Sonntagabend nach dem Vorwettbewerb wurde mit einer schlichten Zeremonie die WM mit 45 Piloten aus 16 Nationen eröffnet. Aus dem Vorwettbewerb starteten die deutschen und österreichischen Mannschaften als Favorit.
An einer WM gibt es erwartungsgemäss Hochs und Tiefschläge und es braucht auch ein Quäntchen Glück zum Erfolg. Auch wir mussten unten durch, Niklaus fasste im 1. Durchgang eine Nullerlandung wegen Helferberührung. Resu verlor durch einen Zusammenstoss im Hochstart beim 2. Streckenflug sein Modell Device, aber ab dann lief es nicht schlecht. Auch das deutsche Team erlebte seinen Skandal. Zwei Teammitglieder haben den Widerstand an Martin Weberschocks Winde ohne sein Wissen reduziert, mit der Absicht, noch einige Meter Hochstarthöhe zu gewinnen. Das gab für Martin 1000 Punkte Strafe, er musste eine Top-Platzierung vergessen. Die Spannung blieb bis zum 7. und letzten Durchgang. Nachfolgend ein Auszug aus dem WM-Tagesbericht von der letzten Speed-Runde 7, man spürt die grosse Spannung:
Nach dem Mittag begann die entscheidende Speed-Runde in umgekehrter Reihenfolge der Rangliste. Die Ausgangslage war immer noch gleich wie am Vortag, bei der Einzelwertung lag Resu mit ca. 130 Punkten vor Thomas Frank (D) und in der Mannschaft führten wir auch mit 180 Punkten. Resu hat den Streicher mit 16.7 aus Runde 4, Niklaus den Verwender aus Runde 6.
Wir verfolgten gespannt die Flüge der Mitkonkurrenten, da unsere drei Piloten erst in den letzten 20 fliegen mussten. Die Bestzeit bis dahin lag bei 14.57 vom Japaner. Wir rechneten, wenn Thomas Frank eine 14.0 fliegt würde, muss eine 16.0 zum Titel für Resu reichen, bei einem Verwender würde die 16.7, bis jetzt als Streicher, zum 2. Platz reichen. Die Spannung stieg. Niklaus als Erster von uns war an der Reihe, er flog eine 16.41 auf sicher, evtl. hatte er auch noch den Verwender aus Runde 6 im Kopf. Danach flog Gerhard Flixeder (A) eine 15.28, wir waren weiter in der Mannschaft knapp auf WM-Kurs. Kurz danach flog Hans Rossmann (A) eine 15.29, unser Mannschaftstitel war weg. Nun kam unser Thomas an die Reihe und zauberte eine 13.91 über den Parcours, super, wir führten wieder in der Mannschaftwertung. Jetzt kamen noch vier Piloten, auch Resu. Bernhard Flixeder (A), Ex-Weltmeister 2017, schaffte eine 14.66, somit war Thomas Kübler Dritter in der Einzelwertung, er konnte es kaum glauben, als ich ihm das sagte. Thomas Frank (D) knallte eine 13.74 in
| Piloten: | Andreas Böhlen, Niklaus Huggler, Thomas Kübler |
| Teamhelfer: | Angi Böhlen, Käti Böhlen, Paul Böhlen, Fredy Bühlmann, Hänne Lüthi |
| Teammanager: | Hansruedi Zwingli |

die Bahn, das war bis anhin die Bestzeit, die Deutschen jubelten an der A-Linie. Als Letzter startete Resu, angestachelt vom Jubel der deutschen Mannschaft, flog er «volle Kanne», alles oder nichts, eine neue Bestzeit mit 13.05 kam raus. Jubel im Schweizer Team: Andreas Böhlen nach 2003 und 2005 zum dritten Mal F3B-Weltmeister 2019, Thomas Kübler, er hatte vor lauter Emotionen sogar Tränen in den Augen, Super-Dritter, Bronzemedaille, Niklaus Huggler wurde mit Pech 19.
Materialmässig gibt es nichts Neues, alle setzten auf bewährte Modelle wie Device, Pike 2 Precision, Freestyler 5 und Pitbull.
Ein perfektes Set-up ist am wichtigsten und erfordert enorm viel Einstellzeit, zudem sind die Verbesserungen bei Neukonstruktionen zu den jetzigen Modellen sehr klein.
Bei allen, die uns unterstützt haben, möchten wir uns herzlich bedanken.
*Hansruedi Zwingli*
<https://www.f3b.de/sites/default/files/2019-08/Jesenik-WCh-2019.pdf>
<http://www.f3b-wc-2019.com/data/Jesenik-WCh-2019.pdf>


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