Vielseitige Bildungswege in der Aviatik
Rund zwei Drittel unserer Berufsleute haben ihre berufliche Grundbildung in einer Lehre absolviert, und viele von ihnen sind – zusätzlich zu einer vertieften Praxis – über eine spätere Weiterbildung in anspruchsvollste Tätigkeiten hineingewachsen.
Die jungen Berufsleute sehen sich heute mit fast unendlich vielen Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung konfrontiert. Ganz besonders die Angebote der sogenannten höheren Berufsbildung sind oftmals nur gerade den Insidern bekannt. Zur Höheren Berufsbildung gehören die eidgenössi- schen Diplome – eidgenössischer Fachausweis – sowie die höheren Fachschulen HF. Letzteres Bildungsangebot finden fliegerisch Interessierte am Flughafen Zürich.
Neben den Fachhochschulen FH, die für das Studium eine Berufsmaturität voraussetzen, haben die höheren Fachschulen HF in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Praktisch in allen Wirtschaftszweigen sind Absolventinnen und Absolventen eines HF-Studiums anzutreffen. Der Bogen umfasst pflegende, betreuende und therapierende Berufe, über

Handel, Betriebswirtschaft, Verkehr und Tourismus bis hin zur Technik. Die meisten HF-Studien sind berufsbegleitend organisiert und ermöglichen so den Studentinnen und Studenten, theoretische Erkenntnisse laufend in der Praxis zu überprüfen und anzuwenden sowie auch für den Lebensunterhalt selber aufzukommen. Die berufsbegleitenden Studien dauern drei, die Vollstudien zwei Jahre, wobei Letztere nicht alle Richtungen abdecken. Das enorme Potenzial, das in diesem Ausbil-
Berufliche Aus- und Weiterbildung in der Luft- und Raumfahrt (stark vereinfacht)

dungsmodell steckt, wird leider zu Unrecht – insbesondere im Ausland – unterschätzt.
Die Studenten der FTS betreten bereits beim Zutritt in die Räumlichkeiten des SR Technics Bildungszentrums die Welt des Flughafens. Um die Gebäude innerhalb der Sicherheitszone des Flughafens zu betreten, passieren sie beim Eingang die Sicherheitskontrollen. Anschliessend begegnen sie auf dem Weg zu ihren Klassenzimmern auf Schritt und Tritt dem unbeschönigten Berufsalltag der Flugzeugtechnik. In zahlreichen Werkstätten werden einzelne Komponenten überholt, in den Hallen stehen die Flugzeuge zur Wartung und Überholung und in den Büros wird berechnet, konstruiert und geplant, organisiert, kommuniziert und verkauft.
Willy Sonderer leitet die Flugzeug-Technikerschule, die sich in den schier endlosen Räumlichkeiten der SR Technics auf dem Flughafen Kloten befindet. Gleichzeitig ist er Chef der beruflichen Grundbildung (früher Berufslehre) bei SR Technics. «Obwohl die Flugzeug-Technikerschule klein ist», meint Willy Sonderer, «hat sie
den grossen Vorteil der Praxisnähe. Werden zum Beispiel die Triebwerke behandelt, wird das Klassenzimmer kurzerhand in die Motorenwerkstatt verlegt und die Studenten können das Gelernte in der Praxis überprüfen.»
Das Studium an der FTS setzt, wie alle Höheren Fachschulen, eine abgeschlossene berufliche Grundbildung – kurz Berufslehre – voraus. Wer in die Welt der Flugzeugtechnik einsteigen möchte, bringt eine technische Grundbildung mit und grosses Interesse an der Welt der Aviatik. Viele Studenten haben bereits ihre berufliche Grundbildung in der Flugzeugindustrie absolviert oder nehmen dort schon jetzt verantwortungsvolle Aufgaben wahr. Wer sich für diese Ausbildung entscheidet, muss wissen, dass er – neben dem Unterricht an der Schule – ein hohes Mass an Freizeitstunden investieren muss.
Wie auf allen Ebenen der Berufsbildung ist der Bund auch für die Ausbildungen an den Höheren Fachschulen zustän- dig. Das heisst, das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT erlässt Richtlinien für die Aufnahme ins Studium, die Dauer, die Kosten usw. Die Ausbildung zum/zur Dipl. Flugzeugtechniker/in an der FTS in Kloten erfolgt berufsbegleitend und startet einmal jährlich im Herbst. In den zwei ersten Semestern des insgesamt 6-semestrigen Studiums werden insbesondere Grundlagen wie Mathematik, Physik, Deutsch und Englisch sowie Prozessmanagement und Betriebswirtschaft aufgefrischt und vertieft. Die eigentlichen anspruchsvollen auf Aviatik bezogenen Fächer wie Konstruktions- und Festigkeitslehre, Materialkunde, Strömungslehre, Thermodynamik, Struktur und Triebwerke folgen. Die Semesterzeugnisse entscheiden über die Zulassung ins nächste Semester und die beiden späteren Vordiplomprüfungen über die Zulassung zu den Diplomprüfungen.
Dipl. Techniker HF, Fachrichtung Flugzeugtechnik, sind für die

Aus- und Weiterbildung bei SR Technics
Zitat aus dem Webauftritt: «SR Technics ist einer der weltweit führenden, unabhängigen Anbieter von technischen Dienstleistungen in der zivilen Luftfahrt. Die Gruppe bietet Fluggesellschaften umfassende, massgeschneiderte Lösungen für die technische Betreuung von Flugzeugflotten, Flugzeugkomponenten und Triebwerken an sowie VIP Completion Services. Sie hat ihren Hauptsitz am Flughafen Zürich.»
SR Technics ist nicht nur der grösste Industriebetrieb im Zürcher Unterland, sondern gehört auch als Anbieter in der beruflichen Grundbildung für ein Dutzend Berufe und mit über 160 Lernenden zu den führenden Unternehmen in der Berufsbildung im Kanton Zürich und wohl auch schweizweit. Im Weiteren bildet das Ausbildungszentrum der SR Technics auch Lernende anderer aviatischer Betriebe wie JET Aviation oder Swiss aus oder bietet Fachkurse für die Berufsprüfung und Lizenzierung (EASA Part-66) zum Flugzeugmechaniker an. Das Führen einer Flugzeugtechnikerschule ist die logische Konsequenz der ausbildungsorientierten Geschäftsstrategie.

Er ist 27-jährig und hat eine Polymechanikerlehre absolviert. Er arbeitet seit 2004 als lizenzierter (B1) Flugzeugmechaniker bei SR Technics. Sein Teilpensum von 80% Schichtarbeit ermöglicht ihm genügend Zeit, in das Studium zu investieren. Er sieht seine Zukunft in den Bereichen Engineering und Planung.
Übernahme von Führungsverantwortung ausgebildet. Da das Flugzeug-Engineering zu den vielseitigsten Arbeitsgebieten in der Aviatik überhaupt gehört, eröffnen sich dem gut ausgebildeten Fachmann eine fast unbegrenzte Zahl an Fachgebieten, die sich von den Triebwerken über avionische Flugzeugsysteme, Hydraulik bis hin zur Flugzeugstruktur erstrecken. Dazu kommen Einsatzmöglichkeiten in der Konstruktion, Qualitätssicherung oder als Instruktor, zum Beispiel in der Pilotenausbildung usw.

Er ist 27-jährig und arbeitet bei gelernter Elektromonteur in den Pilatus Werken. Als ehemaliger Durchdiener bei der Luftwaffe in Payerne hat er seine Berufslaufbahn ganz auf die Aviatik ausgerichtet. Sein Arbeitsbereich ist einerseits die Produktion des PC-12 und andererseits der Unterhalt für die ganze Flotte. Sein Arbeitspensum beträgt 80%. Er möchte später ins Projektmanagement einsteigen.

Der gelernte Galvaniker ist 30-jährig und arbeitet bei der SR Technics in der Reparaturentwicklung von Triebwerken. Bis zum Diplom 2013 arbeitet er teilzeitlich zu 90%. Er schätzt die Kameradschaft in seiner Klasse. Man helfe sich gegenseitig.
Die Höheren Fachschulen HF verfügen über ein riesiges Angebot an Nachdiplomstudien NDS, zum Beispiel in Betriebswirtschaft, Marketing, Controlling usw. Wer bereit ist, noch länger die Schulbank zu drücken, hat die Möglichkeit, prüfungsfrei ins 1. Semester des Aviatik-Studiums an der ZHAW Winterthur, www.engineering.zhaw.ch/studium/bachelor/aviatik, einzutreten und dort das Studium zum Bachelor in Aviatik zu absolvieren. ■
E. Giezendanner

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