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Die Drohnenstory

von Emil Giezendanner
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Die KZD-85-Kleinzielfdrohne war für das Training der Fliegerabwehrtruppen entwickelt worden. Die Produktion belief sich auf nicht weniger als 60 Stück bei Farner Aviation Switzerland und in den Eidgenössischen Flugzeugwerken Emmen. 2022 wurde der Einsatz dieser Fluggeräte nach fast 40 erfolgreichen Jahren eingestellt. Das Ganze erscheint heute für schweizerische Verhältnisse wie ein kleines Wunder. Zum grossen Erfolg hatten insbesondere aktive Modellflieger verholfen.


Treffen der Drohnenpiloten im Fliegermuseum Oberaargau

Im Februar dieses Jahres trafen sich die «pensionierten» Drohnenlenker. Startrampe und ein gut erhaltenes Flugzeug samt Zubehör wurden durch die älteren Herren liebevoll begutachtet – das waren noch Zeiten! Neben der eindrucksvollen Installation der gesamten Zielfdrohnenrüstung war natürlich auch das Museum eine Augenweide.


Die Schweiz in den 80er-Jahren

Die Jugendunruhen 1980 standen am Anfang dieser Dekade und waren nicht die einzigen politischen und gesellschaftlichen Probleme der Schweiz. Dafür standen im Sport immer wieder unsere Skifahrerinnen und Skifahrer – im Gegensatz etwa zu den Fussballern – im Rampenlicht als siegreiche Eidgenossen. Sie räumten 1987 an den Weltmeisterschaften in grosser Zahl die Medaillen ab. 1984 wählte die Bundesversammlung mit Elisabeth Kopp erstmals eine Frau in den Bun-

Installation der Zielfdrohne im Fliegermuseum Oberaargau bei der Firma Daetwyler. ►



Technische Daten:
Spannweite:2,48 m
Rumpflänge:2,17 m
Abfluggewicht:27,64 kg


**Motor 1 Zylinder Husquarna, 2-Takt mit ca. 11 kp Schub, gestartet mit einem Elektro-Anlasser.**

desrat. Im selben Jahr landet Papst Johannes Paul II. auf dem Flughafen Sion zu einem Besuch. Die Landesverteidigung geriet in diesen Jahren zusehends unter Druck. Mit der Initiative zur Abschaffung der Armee (1989), die mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 64,4% abgelehnt wurde, war ein vorläufiger Höhepunkt er-

reicht – von weiteren endlosen Streitereien – zum Beispiel zu Flugzeugbeschaffungen – einmal abgesehen.


Drohnenbeschaffung in «militärkritischen» Zeiten

Die ganze Geschichte rund um die Drohnen liest sich für mich heute wie ein politisches Märchen, und dies nicht nur wegen der relativ günstigen Beschaffungskosten. Eine kleine, 17-köpfige Truppe von Drohnenlenkern des Bundeamtes für Militärflugplätze (BAMF) wurde ohne Medienspektakel ausgebildet und diente der Fliegerabwehrtruppe bei jedem Wetter, sofern die Sichtbedingungen dies zuließen. Im Juni dieses Jahres werden es genau 40 Jahre her sein, dass die KZD-85-Drohnen und ihre Einsatzmöglichkeiten in Saanen erstmals öffentlich vorge-

führt wurden. Insgesamt sind 7350 Flüge mit einer Gesamtflugzeit von 3350 Stunden absolviert worden.


Flugtraining mit Modellflugzeugen

Die Anforderungen an die Drohnenpiloten für einer realistische Zieldarstellung waren sehr hoch. Eine ganz besondere Herausforderung war die grosse Flugdistanz von bis zu 2100 Metern. Diese Distanzen waren für die Richtflüge der 35-mm-Flab-Kanonen erforderlich. Während der 30 Minuten dauernden Einsätze war höchste Konzentration angesagt. Geflogen wurde bei Regen, Schnee und Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Verhältnisse, bei denen manntaugende Zielflugzeuge oftmals nicht zum Einsatz kommen konnten. Dass solche Operationen nicht ohne gründliche Schulung mit ferngesteuerten Modellflugzeugen kaum zum Erfolg geführt hätten, war schnell einmal klar. Der für die (Grund-)Ausbildung zuständige und versierte Modellflieger Ernst Dällenbach konnte bereits ab 1983 mit der Schulung beginnen. Ihm standen in einer ersten Phase ein gutes Dutzend Marabu-Trainer zur Verfügung und später weitere, schnellere Kunstflugmodelle. Die Ausbildung wurde mit dem KZD-85-Brevet abgeschlossen. Bereits für die Selektion mussten einfache, aber sichere Start- und Landeverfahren durchgeführt werden. Die Drohnenlenker waren Angestellte des Bundesamtes für Militärflugplätze und mit einer Ausnahme alles Modellflieger. Im Verlaufe der Ausbildung wurden auch anspruchsvollere F3A-Kunstflugfiguren geübt. Kunstflugtraining hat bekanntlich schon aus mancher brenzligen Situation gerettet. Die Drohnen-truppe war auf verschiedenen Plätzen in der ganzen Schweiz während vieler Wochen fernab vom Wohnort im Einsatz. Ein Kriterium, das zahlreiche Interessenten von einem Engagement abgehalten hat. →



**Drohnenstartrampe im Rahmen eines Flab-Schiessens der Fliegerabwehrtruppe.**
**Die Startrampe ist auf einem Materialtransporter faltbar montiert. Der Wagen enthält alles wichtige (Ersatz-)Material für den Einsatz auf verschiedenen Plätzen.**



**Nicht alle Landungen sind geglückt.**



**KZD-85 im Gebirge. ►**



**Auch nicht alle Fallschirmlandungen.**



**Ernst Dällenbach – während eines Wintereinsatzes – war für die Ausbildung zuständig.**



Fröhliches Lernen ist wichtig. Unser Bild zeigt den zweifachen F3A-Weltmeister Bruno Giezendanner mit Schülern.


Modellflieger kaum erwähnt

In verschiedenen Medien wie «Aero Revue», «SkyNews» und internen Berichten des Militärs wurde wohl über Modellflugzeuge geschrieben: Das Wort «Modellflieger» ist hingegen kaum zu finden. Ohne die grosse Erfahrung jedoch und deren oft sehr idealistischen Einsatz wäre die ganze Sache nie zum Tragen gekommen. Etwas nachdenklich ist für mich der Bericht in der «Aero Revue 3/1985» zum Modellflug «Drohnen im Dienste der Landesverteidigung» mit etlichen technischen Ausführungen bis hin zu den Marschflugkörpern. Über die Leistungen der Modellflieger, die schon damals zum

AeCS gehörten, als wohl wichtigsten Beitrag zur KZD-85-Story habe ich nichts finden können. Fast könnte man glauben, dass sich die grossen Aviatiker über die Minipiloten ein wenig schämten. Deshalb bin ich sicher nicht allein, der den damaligen Drohnenpiloten für ihren wichtigen Beitrag zur Landesverteidigung meine Hochachtung und meinen Dank aussprechen möchte. Gerade im heutigen Zeitalter der Bürokratie wären Nachahmungen gesucht.

Fotos: Ueli Müller, Ernst Dällenbach und weitere
Quellen: «SkyNews», «Aero Revue» und weitere, nicht identifizierte Produkte


Weiter als die EASA-Juristen

Die Juristen der EASA (European Union Aviation Safety Agency), und mit ihr die meisten Länder und – leider – auch Modellflugverbände, konnten keine technischen Unterschiede zwischen Modellflugzeugen und Drohnen ausmachen – ist ja eigentlich logisch. Das Einfachste ist, man wirft alle in denselben Kessel. Die Zuständigen des Bundesamtes für Militärflugplätze benannten ihre Fluggeräte KZD-85 vor 40 Jahren bereits Drohnen. Die einzige korrekte Antwort auf die Gretchenfrage: Nicht die Technik der Fluggeräte entscheidet – sondern deren Einsatz, die Operation.

Am Anfang wurde der legendäre Marabu-Trainer als Übungsflugzeug eingesetzt.



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