Nach 35 Jahren wieder in der Luft
Die Super Sabre F-100 von Valentino Fry
Lange ist es her, als Lehrling konstruierte und baute ich die Super Sabre komplett aus Holz. Zu dieser Zeit kannte man noch keine Elektro Impellers und noch keine Turbinen. Die Maschinen wurden ausschliesslich mit leistungsstarken 10-ccm-Motoren angetrieben.
Erstaunlich gut flogen die propellergetriebenen Jets, trotz ihrem Gewicht von mehr als 6 kg und einer Grösse von 1,8 m Länge und 1,5 m Spannweite. Ende der 70er-Jahre waren diese Modelle so das Verrückteste, was es gab.
Ich hatte zu dieser Zeit viele solcher Jets gebaut und geflogen wie die Crusader, Mirage, Hunter und wie sie alle heissen, doch die F-100 war das Beste aller damaligen Jets,
war ja auch mein Eigenbau. Sie flog trotz dem von mir entwickelten, dünnen und spitzen Flügelprofil enorm gutmütig, sie war sauschnell und das Flugbild war einmalig. Nach 3 Jahren Flugbetrieb hing ich die Sabre dann aber nach einigen Blessuren endgültig an den Nagel in meiner Werkstatt. Das war 1979. Bis zum letzten Herbst war sie auch dort, bis ich die glorreiche Idee hatte, die Super-Sabre wieder flügge zu machen. →

Völlig verstaubt nahm ich das zerbrechliche Flugzeug von der Wand und musste schnell feststellen, dass meine Idee nicht so einfach zu verwirklichen war. Alles war in einem sehr desolaten Zustand. Das Balsa-holz war trocken und brüchig und im vorderen Teil klebte so viel eingetrocknetes Rizinus-Öl, welches das Holz noch einigermassen zusammenhielt. Schläuche und Tank verbröselten und Umlenkhebel knickten einfach zusammen. Ich befreite zuerst mal alles, was nicht mehr wirklich flugtauglich war. Nach der Überarbeitung der Zelle verpasste ich dem Flugzeug ein neues Jet A1-Fahrwerk, einen neuen leistungsstarken OS-FX61 Motor mit Reso Rohr und eine neue Tankanlage. Ebenso ersetzte ich alle Steuerorgane. Bedingung war jedoch, das Äussere so zu lassen, wie es war. Kampfspuren und Patina von damals liess ich erhalten und das Resultat war einfach mal was anderes. Nach einigen Wochen stand dann die

Super-Sabre F-100 in flugtüchtigem Zustand da.
Im Dezember 2011 wagte ich mich zum Erstflug, also mehr als 30 Jahre nach dem letzten Flug der Sabre. Es war ein sau-
kalter Tag, aber es war total windstill und ich startete die Super Sabre vom Modellflugplatz Reichenburg aus zur Wiederbelebung. Der Platz schien anfänglich sehr knapp, aber schon nach ¾ der Piste hob ich die Maschine sanft von der Pis-
te ab. Erstaunlich gut war der Steigflug und nach dem Einfahren von Fahrwerk und Klappen beschleunigte die F-100 zunehmend.
Ich genoss den Flug so richtig, denn es kamen all die alten Erinnerungen wieder hervor,

welche ich als junger Modellflieger mit dem F-100 erleben konnte.
Einfach toll, wie die Maschine liegt und sie ist schnell, wirklich schnell und gutmütig dazu. Ich spürte den gleichen Stolz wie damals, als ich 1977 das erste Mal mit der Super Sabre flog.
Nach ca. 10 Minuten bereitete ich mich auf die Landung vor: Windcheck, Fahrwerk und Klappen raus und kurz danach setzte ich die Maschine auf der kurzen Piste in Reichenburg auf. Bis heute habe ich schon einige problemlose Flüge erlebt aber der letzte leider mit einem kleinen Zwischenfall, der an einem
richtigen Jet mit Turbine nicht passiert wäre. Eine Hand im Propeller tut immer weh und für mich wieder eine grosse Lehre, wie man es eben nicht machen sollte. Ein alter Hase wie ich sollte es ja wissen. Zeitgleich wurde an der Obmännerkonferenz ein Bild von einem Modellflugzeug gezeigt, welches einen Propellerschutz hatte wie ein Tischventilator ... Zufall?
Ich hoffe nun, dass meine Hand bald wieder fit für weitere schöne Füge mit der F-100 ist und ich hoffe an einem oder anderen Flugtag damit fliegen zu dürfen. ■
Valentino Fry
Fotos Reto Diethelm


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