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Region Bern – Oberland Die Zeit der ersten Modell-Fernsteuerungen

von Armin Röthlisberger
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Im folgenden Bericht soll versucht werden, die Geschichte um die erste Fernsteuerung der Modellfluggruppe Thun aufzuzeigen. Es geht um die Beschaffung und die Technik von Sender und Empfänger, den Bau eines Modells sowie die ersten Flüge.


Der Zweite Weltkrieg war vorbei, das Balsaholz nun auch bei uns erhältlich, und mit dem Segel- und Motorfreiflug sowie dem Kreisflug ging es zügig voran. Nun war aber auch bei uns die Kunde angekommen, dass man Flugmodelle mittels Radiowellen steuern könne.

In Amerika hatten schon 1937 die Good Brothers, beide waren Funk-Amateure, ein Motor-Modell erfolgreich ferngesteuert.

Bei uns erfolgten die ersten Versuche durch Zürcher Modellflieger. In unserer Gruppe hatte es auch einige, die sich für diese damals für uns fast unglaubliche Möglichkeit interessierten, Modelle im Flug mit dem Seitenruder zu steuern. Nachdem unser Mitglied Walter Kunz als Amateurfunker schon tiefere Kenntnisse über Sender und Empfänger hatte,

konnte er uns mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unser damaliger Obmann Paul Schmitter liess sich schliesslich davon überzeugen, dass wir da auch dabei sein mussten.

Das im Bericht erwähnte Segelflugmodell für die neue Fernsteuerung hatte ich nach Anlehnung an Freiflugmodelle von Paul Schmitter konstruiert. Er baute die Flügel und ich den Rumpf. Das war mein Gebiet, denn hier sollte dann der Radio-Empfänger eingebaut werden.


Fernsteuerung als «Wunderkasten»

Nun noch einige Details zu unserer neuen Steuerung. Der



englische «Wunderkasten», unser neuer ECC-Sender, war in einem blauen Metallgehäuse eingebaut, das am ehesten einem Nähmaschinenkoffer ähnlich war. Es gab einen Steckanschluss, um mittels Verlängerungskabel den Taster anzuschliessen. Da war aber noch das Wichtigste: die fast 3 m lange Antenne, die immer kompliziert zusammengesetzt und montiert werden musste. Damals gab es nur eine einzige bewilligte Frequenz, nämlich 27,12 MHz, und in dieser «Gegend» sollte unser quartzloser Sender schwingen und nicht mehr als 5 Watt abstrahlen. Es wurde nur ein Träger auf dieser Frequenz ausgestrahlt und die Hochfrequenz wurde mittels des erwähnten Tasters ein- und ausgeschaltet. Am meisten Probleme bereitete uns die Beschaffung der 110-V-Anodenbatterie. Ohne Armeezeughaus hätten wir nicht lange senden können. Natürlich war für den Sender eine Konzession notwendig, die von der damaligen PTT ausgestellt wurde und ähnlich aussah wie ein heutiger Fahrzeugausweis.

Aber da war ja auch noch der ECC-Empfänger. Es war ein

Röhrenempfänger ohne Quarz und ohne Gehäuse. Hier war die Beschaffung der Batterien für Heizstrom und Anodenspannung für uns eine rechte Herausforderung. Zum Glück arbeiteten die damaligen Hörgeräte vielfach auch mit den gesuchten 45-V-Batterien.

Am Schluss der Empfänger-schaltung befand sich ein Relais, über welches der im Rumpf montierte Gummimotor betriebene Schaltstern angesteuert wurde. Durch einen langen Stahldraht mit einer angeformten Kurbel wurde schliesslich durch Vierteldrehungen unser Seitenruder bewegt.

Mit der Skizze auf der nächsten Seite soll versucht werden, diese einfache Art der Steuerung des Seitenruders verständlich zu machen.

Gesteuert wurde nun mit dem Taster. Einmal drücken links, zweimal drücken rechts oder umgekehrt – und warten, was passiert. Das vergisst man nie, auch wenn man eine moderne Fernsteuerung in den Händen hält. Das Modell flog recht gut; aber alle, die es versuchten, hatten beim Steuern mit dem «Lütiknopf» mehr oder weniger Mühe. →


Im Jahresbericht von 1951 ist zu lesen:

Im Laufe des Sommers wurde unter den Mitgliedern der Sektion Berner Oberland des Ae.C.S. Geld gesammelt, um es der MG Thun zu ermöglichen, auf dem neuen Gebiet des Modellfluges, der Fernsteuerungen, mitzumachen. Auch die Sektion spendete den schönen Betrag von Fr. 50.–. Allen Spendern sei nochmals der beste Dank ausgesprochen.

Mit dem Zustupf eines Mitgliedes der MG Thun und aus deren Kasse reichte es dann so weit, eine ECC-Steuerung zu bestellen. Im Spätherbst erhielten wir von der Firma Streil in Zürich den «Wunderkasten». Leider wurde das Modell bis zum Beginn der Winterstürme nicht fertig, sodass wir uns auf den Frühling vertrösten müssen.

Soweit der Originaltext aus dem Protokoll.



Im Jahresbericht von 1952 ist zu lesen:

Dank der tatkräftigen Unterstützung von Passivmitglied Walter Kunz war es möglich, am 6. Oberländischen das ferngesteuerte Segelmodell vorzufliegen.


Es war also geschafft!

In den folgenden Jahren wurde die Anlage verbessert und umgebaut. So wurde bald einmal an Stelle des Tasters ein mechanischer Impulsgeber gebaut. Damit war die legendäre Flattersteuerung geboren. Nun war es möglich, dem Seitenruder proportionale Wirkung zu geben.

Empfängerseitig wurden im Eigenbau grosse Fortschritte gemacht. So bauten wir nun auch Empfänger mit einer Transistor-Verstärkerstufe. Spä-

ter kam die hochempfindliche Gastriode XFG1 aus England, und so konnten wir unsere Empfänger weiter verbessern. In den nächsten Jahren gab es dann Mitglieder der MG, die einen eigenen Sender anschaffen konnten. Paul Schmitter zog sich von den Aktivitäten der Fernsteuerung zurück, und so war es an mir, als jüngstem «Radiöler», den Gruppensender zu gebrauchen, aber auch zu unterhalten, was für mich wegen der Batteriebeschaffung nicht einfach war.

Im Jahr 1957 hatte der Sender dann einen seiner letzten grossen Auftritte. Ende Juni sollte in Zürich der Nationale Wettbewerb für radiogesteuerte Flugmodelle stattfinden. Angemeldet waren 3 Thuner Radio-Modellflieger und gemeinsam 6 Personen zum

Übernachten in der Kaserne. Am Samstagmorgen ging es los mit meiner Frau Edith, dem Gruppensegler und dem Wunderkasten im Renault Heck.


Wir und die gestrenge PTT

Auf der Wollishofen-Allmend angekommen, mussten zuerst alle Sender kontrolliert werden.

Bei uns im Bernerland hatte man immer davon gesprochen, dass von der PTT strenge Kontrollen durchgeführt würden; aber geschehen war nie etwas. Aber jetzt hier in Zürich war der PTT-Messwagen vorgefahren. Mit seinen vielen Antennen machte er uns grossen Eindruck. Sender um Sender wurde von den beiden Messtechnikern kontrolliert. Wir hatten die Köpfe jeweils am Fenster des Messwagens, um zu sehen, was die Instrumente anzeigten, auch wenn wir nichts davon verstanden. Als der Gruppensender gemessen wurde, verwarfen die Techniker die Hände, denn die Zeiger der Messinstrumente waren alle am Anschlag. Wir wurden aufgefordert, unseren Sender sofort auszuschalten. In heftigen Diskussionen wurden uns Sanktionen von Startverbot bis Senderkonfiszierung angedroht. Ich hatte wohl nicht ohne Folgen vorher eine neue Anodenbatterie angeschafft. Mit 150 Volt montiert. Es wurde dann lange diskutiert und verschiedene Möglichkeiten

vorgeschlagen wie: Neu abstimmen, Antenne drastisch kürzen und vieles mehr. Zum Glück war unser Amateurfunker Walter Kunz auch da, und er konnte sich mit den PTT-Leuten auf einen Versuch einigen.

Es wurden von einem nahen Schafstall Holzbretter herbeigeschafft und unter den Sender gelegt. Es wurde wieder gemessen; aber die Techniker schüttelten wieder den Kopf. Also, zusätzlich Holzspalten anschleppen und unter die Bretter legen. Mit dieser zusätzlichen Isolation war nun die Erdung des Senders so schlecht, dass er mit der nun stark reduzierten Ausgangsleistung bei der erneuten Kontrolle Gnade fand und angenommen wurde.

Was die Frequenzabweichung anbelangte, legten unsere Zürcher Modellflugkollegen für uns ein gutes Wort ein, und alle Augen wurden zugedrückt.

Die nächste Überraschung, nicht elektronischer Art, kam dann am Abend auf uns zu. Man teilte uns mit, die Frauen dürften nicht in der Kaserne übernachten. Die neue Lage wurde beraten und wir kamen zur Lösung: Die zwei Frauen Marlis und Edith müssen die Nacht in einem kleinen Zelt auf der Allmend verbringen. Es war ja eine so laue Sommernacht!

Am Sonntagmorgen ging es mit Fliegen weiter. Es war ein sehr heisser Tag und die Segelmodelle stiegen in der Thermik so hoch, dass man Mühe hatte, ein Programm zu fliegen.

Trotzdem funktionierte die Steuerung bei allen Flügen problemlos. Der Wunderkasten hatte also immer noch genügend Ausgangsleistung. Mit diesem fast legendären Einsatz hatte der ECC-Gruppensender seinen Ruhestand verdient.

Er stand noch lange in der alten Baracke herum. Nach dem Umzug ins neue Clubhaus war er endgültig verschwunden.



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