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Freiflugmodell HS 100 von H.F.A. Schelhasse

von Hermann Mettler
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An einem Sonntagmorgen traf ich ein ganz besonderes Modell auf unserem Flugplatz. Es war eine HS 100, eine Konstruktion aus dem Jahre 1940 und damals als Benzinmotor-Flugmodell ausgelegt.


Nicht vom Ladentisch

Da Motoren in jener Zeit kaum ab dem Regal gekauft werden konnten, gab es dazu auch einen Bauplan für den Motor. Dieser wurde mittels einer Unterbrecherkontakt-Zündung betrieben. Dafür musste im Modell eine recht schwere Batterie mitgeführt werden. Das Modell wurde aus Sperrholz und Kiefernleisten aufgebaut. Es war für den Freiflug entworfen und konnte auch für Wettbewerbe verwendet werden. Dabei gab es offenbar in Deutschland die Auflage, beim Bau kein Balsaholz zu verwenden. Dieses kam aus dem Ausland und war darum unter dem zu jener Zeit herrschenden Regime verpönt.


Originalpläne für Sammler und Erbauer

Die HS 100 wurde von H.F.A. Schelhasse entworfen. Den Bauplan mit einer Bauanleitung druckte der Verlag C.J.E Volckmann Nachf. E. Wette, Berlin Charlottenburg. Neben einem Plan im Massstab 1:1 gab es auch eine Anleitung mit Detailzeichnungen und Skizzen in Schwarz-weiss. Ein solcher Originalplan wird derzeit übrigens im Internet für einen Betrag um 100 Fr. gehandelt. Mit dem Originalaufbau hatte das Modell ein Fluggewicht um 3,5 kg bei einer Spannweite von 162 cm. Es wurde entweder mit Seide oder Spannpapier überzogen und danach mehrfach lackiert.


Nachbau in Balsa

Die abgebildete HS 100 wurde dagegen mit Balsaholz gebaut und mit Folie bebügelt. Ein flüsterleiser Elektroantrieb ersetzt den Benzinmotor. So konnte ein günstiges Fluggewicht von weniger als 2 kg erreicht werden, und dank dieser Motorisierung kann jetzt auch an einem Sonntag damit geflogen werden.


Gelungener Erstflug

Unter einem herrlichen Frühlingshimmel fand am letzten



Sonntagmorgen der Erstflug auf unserem Platz statt. Trotz kräftiger Windböen wagten die beiden sehr erfahrenen Modellbauer einen Start auf der Piste. Das Modell landete dort auch wieder völlig unversehrt, was vermutlich neben einer gekonnten Steuerung dem robust gebauten Fahrwerk zu verdanken ist. Danach durfte auch noch ein kleiner gelber Hochdecker kurz in die Luft. Doch bald trieb der Wind mit ihm ein ziemlich unsanftes Spiel. So wurde er kurzerhand zwischen zwei Böen wieder auf die Piste abgesetzt und danach wohlbehalten für den Heimweg verpackt. Nach der gelungenen Vorführung erlaubte ich mir, die beiden erfolgreichen Modellbauer noch kurz zu interviewen. Walter Juen hatte die HS 100 im letzten Winter im hohen Alter von 83 Jahren ab Plan selbst erbaut. Da er unter den vorherrschenden Flugbe-dingungen mit dem grellen Sonnenlicht nichts riskieren wollte, übertrug er die Steuerung kurzerhand seinem Sohn Roland.


Neu erlebte Jugendjahre

Auch wenn Walter bei diesen anspruchsvollen Flugverhältnissen nicht mehr selbst steuern mag, empfinde ich den kompletten Bau eines solchen Modells als absolut bewundernswert. Dass er auch noch eine Konstruktion aus seiner Jugendzeit nochmals gebaut hat, ist für mich eine ganz tolle Leistung. Er gehört zu den ganz wenigen Mitgliedern der MG Dübendorf, die den Modellflug schon in den Dreissiger- und Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts selbst erlebt haben und darüber auch noch sehr kompetent Auskunft geben können.


Text und Bild:
Hermann Mettler



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