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Firmenporträt Kontronik

von Ludwig Retzbach
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Einmal anders

Neue Ideen werden gewöhnlich erst mal belächelt ... und schließlich für ganz selbstverständlich gehalten. Das konnte Harald Konrath 1994 erfahren, als er einen neuartigen Drehzahlsteller auf den Markt brachte, der keine Abgleich-Trimmpotis mehr hatte. Stattdessen: Knüppel auf «Vollgas«, Motorpieps abwarten, dann Knüppel in andere Richtung ... Heute ist diese werkzeuglose Einstellprozedur jedermann bekannt und das Selbstverständlichste von der Modellwelt. Doch der junge Diplomingenieur sollte sich in dieser Zeit noch anderen Herausforderungen stellen dürfen: Er hängt den bis dahin sicheren Job bei einer Stuttgarter Automobilfirma an den Nagel und macht sich mit der Gründung der Kontronik GmbH selbstständig, denn die Nachfrage nach den kleinen, feinen Drehzahlstellern im typisch roten Schrumpfkleid hatte rasch Dimensionen angenommen, die sich mit einen Feierabendjob nicht mehr recht vereinbaren liessen. Bald erweist es sich als sinnvoll, zu den «Reglern» auch gleich die passenden Motoren anzubieten. Die wenig später einsetzende Brushless-Euphorie kommt wie gerufen: Neue Motoren und Controller braucht das Land. Anfangs kauft Kontronik die büstenlosen Wunderdinge zu, doch bald schon zeigt sich eigenes Profil.


Ein Tänzchen wagen

Mit der Entwicklung des neuen Motorkonzepts «Tango» wagt sich Harald Konrath wieder mal weit hinaus aufs Eis und ... bricht tief ein! Nicht des neuartigen Motors wegen, der sich später als geniale Idee und als Verkaufsrenner erweisen sollte, sondern, weil der dazu benötigte schnelltaktende Motorcontroller nicht geliefert werden kann. Die sogenannte «Bauteilekrise» um die Jahrtausendwende der Schrecken aller Elektronikproduzenten, trifft ihn ziemlich unvorbereitet. Es werden schwierige Jahre, sie führen über interne Umstrukturierungen, aber letztlich doch zur Konsolidierung. Der Tango kann bei den Helifliegern punkten, überzeugt bald auch die Impellerfans, und der dazu entwickelte Jazz- Motorreg-



ler ist zwischenzeitlich für viele das Mass der Dinge.

Doch beständig ist allein der Wandel. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts spricht man in der Modellwelt anscheinend nur noch vom Aussenläufer. Eine Weile hält sich Kontronik heraus, dann siegt der Kundenwunsch, erst mit der aus Fernost zugekauften Dancer-Serie, dann mit Eigenentwicklungen wie dem Kora, später dem vergrösserten Koratopp, der LRK-Aussenläufer, welcher auch in spitze Seglernasen passt. Auch hier bewegt man sich bei Entwurf und Design jenseits ausgetretener Pfade. Und natürlich bleibt auch der klassische Zweipol-Innenläufer, meist mit Getriebe kombiniert, im Programm. Kompromisslose Kundenorientierung ist unerlässlich geworden in diesem hart umkämpften Markt, dessen Preise seit Jahren schon aus Fernost unter Druck geraten sind.


Die Realitäten der globalen Wirtschaft

Apropos China, längst kein Furchtbegriff mehr in der Mo-



dellbaubranche. Bei Kontronik bedient man sich gezielt der Lieferungen aus diesem Teil der Welt. Platinenmaterial, soweit lohnintensiv in der Herstellung kommt beispielsweise aus dem Reich der Mitte. Auch bei Kontronik versucht man damit die Arbeitsplätze für 25 Angestellte zu sichern, die derzeit in der Firma arbeiten. Mehrfach schon musste der Produktionsstandort im süddeutschen Rottenburg-Hailfingen erweitert und Nachbargebäude hinzugenommen werden.

Seit 2004 kümmert sich der diplomierte Betriebswirt Dirk Krickmeyer um die kaufmännischen Belange der Firma, besorgt den Einkauf, macht sich Gedanken um die Rentabilität neuer Investitionen. Michael Franz alias MotorMike widmet sich seit Anbeginn mit Verve dem nicht immer pflegeleichten Kundenkreis Modellflieger. Service, auch in der Modelltechnik ein nicht immer leicht zu beackerndes Feld.

Industrieaufträge in fachverwandten Bereichen der elektrischen Antriebstechnik bilden seit langem ein zusätzliches Standbein, das zuweilen gänz-

lich andersartige Herausforderungen bereithält. Auch hier geniessen Lösungen jener ganz unkonventionellen Art, wie sie eben das kreative Denken der

Modellbauer kennzeichnen, grosse Wertschätzung, wenngleich das Arbeiten durch vielerlei zu erfüllendes Regelwerk oftmals völlig anderen Charakter hat.

Der 1962 geborene Harald Konrath ist trotz aller Wechselfälle des Unternehmerlebens immer noch begeisterter Modellflieger und versprüht weiter jenen Drang, Neues zu erschaffen, der seine Produkte aus der Masse der weltweiten Angebotspalette heraushebt. Und wenn der Arbeitstag zu Ende ist, dann lässt er auch schon mal den Hubschrauber im Regal stehen, schwingt sich gerne mal auf sein Rennrad. Denn neue Ideen, für die ihn Branchenkenner schon längst nicht mehr belächeln, kommen nicht nur am Schreibtisch.

*Ludwig Retzbach*




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