Geschichte

5. Internationaler Militky-Cup 1978

von Emil Ch. Giezendanner
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Elektroflug etabliert


Hatte der Elektroflug noch vor wenigen Jahren bei den einen nur ein mitleidiges Lächeln und bei den andern ungläubige Gesichter hervorgerufen, so kann heute der Elektroflug als vollwertige Modellflugkategorie sowohl für den Sonntagsflieger als auch für den Wettbewerbspiloten problemlos neben allen andern Sparten existieren. Leider wird noch zu oft der Fehler begangen, den Elektroflug als Ersatz für irgend etwas anderes zu betrachten. Als Ersatz z. B. für den Verbrennungsmotor oder etwa die Hochstartschnur. Elektroflug ist etwas Neues und etwas ganz anderes – nicht aber eine Ersatzlösung. Niemals kann der Elektromotor punkto Leistung mit dem Verbrennungsmotor konkurrieren oder punkto Preis mit der Hochstartschnur. Die Stärken des Elektroantriebes wurden schon vielfach zitiert und brauchen hier nicht mehr besonders erwähnt zu werden. Wer lieber Motorsegler nach altbewährtem Muster betreibt, soll dies weiterhin tun – eine Konkurrenzierung wird hier nicht stattfinden. Wer lieber etwas Neues anpackt und die speziellen Vorteile des Elektroflugs ausnutzen möchte, der tut dies eben, da braucht er weder Motörler noch F3B-Spezialisten zu konsultieren. Die Vielfalt des Modellflugs bringt nicht nur die Qual der Wahl mit sich, sondern auch die Freiheit, dass jeder nach seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten eben das betreibt, was ihn am meisten interessiert und fesselt. Ich bin überzeugt, dass der Elektroflug etwas ist, worauf viele gewartet haben.



Was hat uns Pfäffikon dieses Jahr gezeigt?

Leistungsmässig ist innerhalb eines Jahres viel erreicht worden. Auch die Modellbauindustrie hat in der Zwischenzeit nicht geschlafen. Firmen wie Graupner, Carrera, Multiplex, H. Keller, F. Geist und Robbe haben ihr Angebot nicht nur qualitativ verbessert, sondern auch vereinfacht. Man erhält also heute für dasselbe Geld besser entwickeltes und einfacher zu bedienendes Material. Daneben bleibt aber ein breiter Spielraum für Bastler und Experimentierer. Man darf jetzt nicht den Fehler begehen und glauben, die Leistungsverbesserung sei allein auf verbesserte Motoren und Batterien zurückzuführen. Auf diesem Gebiet dürfte in nächster Zukunft nicht mehr allzuviel erwartet werden. Eine Erweiterung des Angebotes auf dem Motorensektor bestimmt – nicht aber eine wesentliche Leistungssteigerung. Nein, worauf es ankommt, ist die Abstimmung, d.h. das Zusammenwirken von Modell (Grösse, Gewicht, Geschwindigkeit, Profil usw.), Motor und Propeller. Hier ist das ganze Geheimnis. Auf dem Gebiete der Propeller z.B. müssen wir noch viel lernen. Bei den Verbrennungsmotoren war das Propellerproblem infolge überschüssiger Leistung nie in den Vordergrund gerückt – höchstens etwas in jüngster Zeit in Zusammenhang mit Lärmbekämpfung oder mit grösseren Motoren. Es geht also darum, mit einem möglichst passenden Propeller möglichst viel Motorleistung in Fahrt bzw. Auftrieb umzusetzen, wobei die Tendenz zu kleineren, schneller drehenden Propellern unverkennbar ist und damit verbunden der Verzicht auf ein Untersetzungsgetriebe. Für Höchstleistungen im Segelflug wird das Getriebe und die grosse Klappschraube vorläufig jedoch kaum zu verdrängen sein, wie das für den Nichtwettbewerbsflieger zum Teil bereits geschehen ist (z. B. Graupner «Elektro-Fly»).



In der Segelflugkategorie bewährte sich einmal mehr das ausgesprochene Wettbewerbsmodell «E-MOS II» der Münchener Gruppe Helmut Kermess, das übrigens anlässlich des Militky-Cups 1976 den Preis für die «interessanteste technische Lösung» gewann. Sie sehen, dass damals das Preisgericht eine feine Nase gehabt hat. Zwei Jahre später belegt dieses Modell die Plätze drei, sechs und vierzehn. Sehr gut bewährt haben sich auch die Modelle «Optimus» und «Primus» von Carrera, nicht zu vergessen der bewährte «Mosquito» (Graupner), der immerhin die Ränge fünf, zwölf und dreizehn belegt hat und somit einigen Supervögeln davongeflogen ist. Ebenfalls gut zu bewähren schienen sich das etwas eigenwillige Segelmodell «Elektra» von F. Geist (4. Rang). Die F3B-Spezialisten mögen mir verzeihen, wenn ich meiner Freude Ausdruck gebe, dass relativ einfache Modelle (grossflächig, Leichtbauweise usw.) dieses Jahr durchaus mithalten konnten, während


Hier hat der Graupner Elektro-Max seinen ersten Wettbewerb gewonnen – sicher wird er in wenigen Monaten die Herzen vieler begeisterter Modellflieger gewinnen. Das Modell hat bemerkenswerte Flugeigenschaften und setzt – ähnlich wie vor Jahren der Mosquito – neue Massstäbe. Der Elektro-Max ist ein für jedermann erschwingliches Modell. Motor plus Akku max. SFr. 150.—.

Ernst Tscheulin mit seinem eleganten LS-E letztes Jahr die Konkurrenz souverän schlug. Das schwierige Wetter mag dieses Jahr den Leistungsseglern einen Streich gespielt haben. Thermik sehr spärlich – meistens ging's abwärts. Modelle mit geringer Sinkgeschwindigkeit waren da leicht im Vorteil. Eine weitere erfreuliche Tatsache war der zweite Rang von Hansjörg Häfliger, MG Rapperswil. Häfliger ist kein Starpilot, aber ein grosser Bastler und Entwickler. Dass solche Konkurrenten eine gute Chance haben, mit der europäischen Elite mitzuhalten, verdient Beachtung.


Betrachtet man die Leistungen im «Kleinen» Kunstflugprogramm (Kat. A), muss ich sagen, dass diese mit wenigen Ausnahmen noch eher bescheiden sind. Eine neue Aera der kleinen, schnellen und wendigen Sportmodelle demonstrierte Wolfgang Schwarze mit dem «Elektro-max» von Graupner. Ich glaube, dass dieses Modell – ähnlich wie vor Jahren der «Mosquito» – neue Massstäbe setzt. Als Figurenprogramm wurde das neue Programm der RC-FAKO des AeCS mit der Bezeichnung F3A-Regional verwendet, das sich auch in Zukunft für diese Kategorie «Sportmodelle» recht gut bewähren wird. Da keine Hartbelagpiste vorhanden war, musste auf den Bodenstart verzichtet werden, was dazu geführt hat, dass einige Konkurrenten mit Erfolg ihre Segelmodelle durch das Programm bemühten. Dies war an sich interessant, zeigt aber auch gleichzeitig das doch eher bescheidene Leistungsniveau, wenn man, wie gesagt, von den sauberen Vorführungen Schwarzes absieht. Auch das von Jeske verwendete Sportmodell «Rasant» (Robbe) machte einen guten Eindruck. Ich glaube, dass in dieser Kategorie die Entwicklung erst beginnt. Besonders erwähnenswert ist der bescheidene bauliche und finanzielle Aufwand, den diese Kategorie erfordert und die damit erreichten ehrlich erstaunlichen Leistungen, die, falls sie von den künftig erhältlichen Baukastenmodellen nur annähernd erreicht werden, dem Modellflieger etwas völlig Neues in die Hände geben. Kommen wir schliesslich zum «Grossen» Kunstflugprogramm (Kat. B): Hier sind wir mit dem Verlangten ganz bewusst an die Grenze des Möglichen gegangen. Die Beteiligung war denn auch entsprechend gering, und es hat nicht an Kritik gefehlt. Für den Sport aber, für die technische Entwicklung braucht es eben Kategorien, wo die Grenze des Machbaren berührt wird. Daneben sollen jedoch «Volkskategorien» geschaffen werden. Wer das ganze Programm fliegen wollte, musste mit seiner zur Verfügung stehenden Energie recht sparsam umgehen. Kurze Ein- und Ausflüge, möglichst rasch steigen. Eine nicht ganz volle Batterie konnte bereits dazu führen, dass die letzten Figuren nicht mehr geflogen werden konnten. Als eigentliche «Kraftakte» wurden diesmal ein Zylinder und ein quadratischer Looping ins Programm aufgenommen. Für Wolfgang Kosche war das Programm weder fliegerisch noch technisch unlösbar. Sauber und selbstverständlich flog er sämtliche Figuren durch. Kosches Modell wurde denn auch mit dem Konstruktionspreis bedacht – übrigens seit Bestehen des Militky-Cups wurde zum ersten Male ein Akro-Modell ausgezeichnet. Fritz Geist verwendete sein Akro-Modell «Comet», das punkto Geschwindigkeit und Steigleistung mein Kunstfliegerherz höher schlagen liess. Leider ist Fritz Geist ein weniger routinierter Pilot als Wolfgang Kosche, der 1971 immerhin für die Bundesrepublik an der F3A-Weltmeisterschaft in Doylestown/USA gestartet war. Deshalb ist ein echter Vergleich zwischen beiden Modellen nicht möglich gewesen. Kosches Modell lässt auf die grosse Erfahrung in der Konstruktion von F3A-Modellen schliessen, während Geist allein vom Elektroflug herkommt. Zwei Richtungen, zwei Stile: Kosches Modell eher grösser, ruhiger, stabiler – vielleicht auch etwas schwerfälliger, ganz sicher aber aufwendiger und Geists



«Comet» schnell, wendig, lebendig – vielleicht etwas «nervös», jedoch sehr bescheiden im Aufwand, besonders auch im Aufbau des Modells. Hans Jakob Sommerauer, Zumikon, beschreitet mit seiner Konstruktion ähnliche Wege, hält jedoch seine Modelle im Gegensatz zu Geist ganz in Holz, während Geist mit geschäumten Tragflächen fliegt.

Besonders hervorheben möchte ich das Kunstflugmodell von Hans Dieter Levin, das mit zwei billigen Mabuchi-Motörchen ausgerüstet recht rasant durch die Figuren zog. Ähnliche Wege hatte vor Jahren Helmut Schenk beschritten und schon damals das Fachpublikum in Erstaunen versetzt. Nur hatte man damals überhaupt noch nicht an FAI-Figuren denken können. Heute zeigt uns Levin, dass es auch Wege gibt, mit wenig Geld überdurchschnittlich viel herauszuholen. Obwohl auch Levin die nötige Routine für Kunstflug nicht mitbringt, versucht er mitzufliegen, um die Leistungen seines Modells zu demonstrieren, und das ist ihm voll und ganz gelungen. Vielleicht können wir Schweizer an der Einstellung Levins etwas lernen – Mitmachen heisst auch etwas Neues zeigen, nicht allein gewinnen. Das ist ganz meine Idee zum Wettbewerb überhaupt.



Schlussbetrachtung

Es wäre zum 5. Militky-Cup noch vieles beizufügen. Das Segelmodell von C. H. Jeske, das mit zwei Jumbo-Motoren auf ein Getriebe wirkend und einem Propeller (Vierblatt-Klappschraube!) ausgerüstet war, raffinierte Thermikbremsen, und noch raffiniere Ladegeräte, an der Autobatterie anschliessbar, der von W. Schwarze vorgeführte 6motorige Elektro-Gigant, dessen Entwicklung auf Militky zurückgeht, die neuen Motoren von F. Geist, der direkt auf eine grosse Klappschraube wirkende (getriebelose) Keller-Motor usw. usw. In meiner Funktion als Wettbewerbsleiter und Organisator bin ich meistens zu stark ausgelastet, um mehr als gelegentlich gründlich Ausschau zu halten. Ich kann allen Interessenten nur empfehlen: Kommen Sie nächstes Jahr selbst vorbei, geniessen Sie und staunen Sie. Ich hoffe fest, dass wir nächstes Jahr erstmals eine Elektroflug-Schweizer-Meisterschaft durchführen können, das gibt dann bestimmt einen neuen Aufschwung.



Rangliste
Kategorie A (Kleines Akro-Programm)
1. Schwarze WolfgangD620
2. Geiger WolfgangD471
3. Häfliger Hans-JörgCH466
4. Tartler KlausD408
5. Jeske Carl HeinzD401
6. Sticha GünterD330
7. Schenk HelmutD320
8. Keller HeinzD238
Kategorie B (Grosses Akro-Programm)
1. Kosche WolfgangD1460
2. Geist FritzD1093
3. Levin Hans DieterD758
4. Sommerauer H. J.CH473
Kategorie C (Segelflug)
1. Jeske Carl HeinzD747
2. Häfliger Hans-JörgCH720
3. v. Wunschheim Alex.D694
4. Binder KarlD669
5. Geiger WolfgangD628
6. Westphal AndreasD622
7. Enderle WalterD618
8. Krottenmüller HerbertD605
9. Winkelhofer HermannD603
10. Keller HeinzD598
11. Levin Hans DieterD587
12. Bosshard MatthiasCH584
13. Tartler KlausD583
14. Schumacher HansD582
15. Herrmann RudolfD579
16. Hohl GottfriedCH578
17. Schwarze WolfgangD556
18. Geist FritzD555
19. Betschwar ManfredD530
20. Euringer HansD437
21. Hersperger RolandCH437
22. Tscheulin ErnstD432
23. Freund KarlD387
24. Danzl KlausD386
25. Scholz JoachimD250


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