Elektroflug – Rückblick und vorwärts
Zum traditionellen FAI-Wettkampfsport im Elektroflug – F5B-Segler und F5D-Pylon-Racing – ist in den vergangenen Jahren eine grosse Zahl an F5J-Thermik-Segelfliegern gestossen. Diese neue Klasse ist eindeutig aus der alten F3J-Kategorie heraus entstanden. Offenbar ist einigen Cracks das «Schnürlen» verleidet. →

Die Weltmeisterschaften im F5D-Pylon-Racing werden dieses Jahr zusammen mit der Verbrennungsmotorklasse F3D in Australien ausgetragen. Dieses Bild stammt von der F5D-Schweizermeisterschaft 2018 bei der MG Illnau-Effretikon mit Schweizer Meister Michael Untermoser.

Schön, dass aber auch neue F5J-Piloten aus der anderen Ecke der bestehenden F5-Klassen Freude am gemütlichen Segelflug gefunden haben und sogar konsequente Nicht-Wettbewerbsflieger dazugestossen sind. Ich hoffe nur, dass die ewigen und sinnlosen Reglementsdiskussionen, wie wir sie von den F3-Segelflugklassen kennen, nicht ihre Fortsetzung im Elektroflug finden.
Die Elektroflug-Meisterschaften konnten im vergangenen Jahr alle prima auf den Geländen verschiedener Vereine platziert werden. Vielen Dank!
NM-Ausscheidungsfliegen mit der MG Mörsburg
NM-Ausscheidungsfliegen für Junioren mit der MG Mörsburg
SM mit der MG Hinwil
Junioren-SM mit der MG Hinwil
Schweizermeisterschaft mit der MG Bern
bei der Schweizermeisterschaft mit der MG Illnau-Effretikon
mit dem MV Pfäffikon
Elektroflug-Weltmeisterschaften F5B-Segelflug und F5D-Pylon-Racing auf dem Takikawa Skypark in Takikawa, Hokaido, Japan. Ein grosses und wunderschönes WM-Gelände.

Fliegen bei so starken Winden wie an der EM in Bulgarien kann bei uns kaum trainiert werden.
Die Leistungen waren ansprechend bis sehr gut. In F5B haben unsere Piloten den Anschluss an die Weltspitze halten können. In der Thermikklasse wie auch im Pylon-Racing bleibt noch viel zu tun.
Die Juniorenförderung im Thermik-Segelflug stösst infolge übertriebener High-tech-Modelle mit Flächenbelastungen bis zum Minimum von $12 \text{ g/m}^2$ bald einmal an (finanzielle) Grenzen, kostet doch heute eine einigermassen wettbewerbsfähige Ausrüstung gegen 2000 Franken! Mit einem einzigen Modell an eine WM zu reisen, ist leider ein schwieriges Unterfangen. Meine dazu in der CIAM geäusserten Bedenken fanden leider kein Gehör.
Kaum eine andere FAI-Wettbewerbsklasse hat in so kurzer Zeit einen so fulminanten Start hingelegt wie F5J. Insbesondere die Länder Osteuropas haben ganz klar die Führung übernommen. Die allermeisten Hersteller sind ebenfalls in diesen Ländern zu finden. Wie weit es dem Westen gelingen wird, in die grosse Phalanx dieser Länder mehr als nur punktuell einzubrechen, wird sich zeigen müssen.
An den F5J-Europameisterschaften für Junioren und Senioren setzten sich die beiden Senioren im Mittelfeld fest. Die Junioren kämpften mit ihrem bescheidenen Material auf verlorenem Posten. Sie lernten aber viel und zeigten teilweise tolle Flüge bei sehr starkem Wind. Ihnen allen ist zu gratulieren.
In F5B war einmal mehr eine vollständige Mannschaft plus ein Junior am Start. Die Silbermedaille von Thomas Wäckelin sowie der zweite Mannschaftsrang des Pierre Bühler Teams bestätigen das traditionell hohe Niveau unserer Piloten. Dass der Junior Lucas Cantoni mit seinem 6. Rang zu diesem Mannschaftsresultat beigetragen hat, gibt uns Hoffnung für die Zukunft in dieser wohl vielseitigsten Elektroflugklasse in der Schweiz.
Bereits im kommenden August werden in der Slowakei die ersten F5J-Weltmeisterschaften ausgetragen. Mit über 100 Teilnehmenden ist zu rechnen. Wir werden mit je einem vollständigen Team dabei sein. Wie oben erwähnt, bleibt die Beschaffung geeigneter und bezahlbarer Modelle für unsere Junioren eine schwierige Aufgabe.
Die Hauptaufgaben bestehen in einem Dauerflug von 10 Minuten und einer Ziellandung in Metern und Sekunden. Das tönt auf den ersten Moment einfach. Aber das ganze Drumherum macht das Ganze wesentlich schwieriger. Erstens ist die Motorlaufzeit auf 30 Sekunden beschränkt. Diese 30 Sekunden werden höchstens zur Thermiksuche auf einer geringen Höhe verwendet; denn wer höher als 200 m steigt – gemessen wird die Höhe mittels Logger 10 Sekunden nach der Motorabschaltung –, hat pro Meter 3 Punkte Abzug – darunter nur 0,5 Punkte.
Auch im FAI World Cup hat der F5J-Thermikflug mit nicht weniger als 32 Events einen grossen Stellenwert erlangt. Das ist sehr erfreulich. FAI-World-Cup-Wettbewerbe werden auch weit über Europa hinaus ausgetragen: Afrika, Asien Australien, USA und Japan. Leider konnte sich in diesem Jahr kein Organisator ausserhalb Europas für F5J entscheiden. Offenbar ist diese Kategorie noch nicht überall angekommen. In der F5B-Segelflugkategorie ist die Anzahl der FAI-World-Cup-Events mit rund einem halben Duzend sehr viel bescheidener, leider. →

Unser F5J-Junioren-Team: v.l. Tristan Clothier, Andi Schwerzmann, Leiter, und Raphael Burkardt.

F5D-Pylon-Racing ist in Europa ziemlich geschrumpft. Österreich, Deutschland, Frankreich bleiben den WMs fern. Tschechien ist im Moment das Mass aller Dinge. Da offenbar auch das F3D-Verbrenner-Pylon-Racing ziemlich schwächelt, sollen die beiden Klassen an den Weltmeisterschaften gemeinsam durchgeführt werden. Das ist eine tolle Chance für beide. So verbleiben in F5 nur die Segelflugklassen.
Seit dem Fernbleiben vieler Elektroflugländer Europas von den F5B-Weltmeisterschaften in Japan scheint diese Klasse zumindest an einem – hoffentlich vorübergehenden – Tiefpunkt angelangt zu sein. Das ist bedauerlich. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg aus dieser Sackgasse: generelle Versachlichung insbesondere in den Foren und Verbesserungen bei den Energiemessmethoden. F5B-Fliegen ist ein sehr attraktiver, technisch und fliegerisch anspruchsvoller Wettkampfsport.
Emil Giezendanner

Die F5B-Klasse ist die erste und älteste Elektroflug-WM-Kategorie (seit 1986). Die Anforderungen an Modell und Pilot sind sehr vielfältig: in 200 Sekunden möglichst viele Strecken à 150 m fliegen – und das ohne Motor (auf der Strecke) –, 10 Minuten segeln mit möglichst wenig Motorlaufsekunden sowie eine zeit- und metergenaue Ziellandung zum Dessert!

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