Elektroflug – trotz allem
Elektroflug-Wettbewerbe auf allen Stufen waren geprägt von Verschiebungen und Ausfällen. Schon früh musste die F5J-Europameisterschaft F5J-Junioren und -Senioren in Ungarn abgesagt bzw. auf 2021 verschoben werden, und die WM F5B in Bulgarien ereilte dasselbe Schicksal. In der Schweiz konnten die nationalen und regionalen Anlässe einigermaßen regulär ausgetragen werden.
Die Sportförderung von Jugendlichen ist gerade im Modellflugsport eine grosse Herausforderung. Sie hat nur ganz wenig Berührungspunkte zu den verbreiteten und beliebten Modellbaukursen unserer Vereine. Jugendliche müssen mit viel Geduld an den Leistungssport herangeführt werden. Dazu braucht es nicht nur krea- tive Fördermodelle, sondern auch engagiert Coaches auf den verschiedenen Organisationsstufen. Coaching soll hier nicht unbedingt institutionalisiert oder zur grossen «Religion» hochstilisiert werden. Mütter, Väter oder Vereinskollegen können diese Aufgaben zu einem grossen Teil übernehmen. Vorbereitung auf internationale Einsätze braucht in der Regel Kollegen mit internationaler Erfahrung.
Die Region NOS hat seit 2017 ganz konsequent von Grund auf Junioren im RC-Kunstflug sowie auch im F5J-Segelflug technisch und fliegerisch gefördert und an verschiedenen Wettbewerben bis hin zu Welt- und Europameisterschaften eingesetzt. Die Trainer des NOS haben auf verschiedenen Plätzen Trainings durchgeführt. Von elf Jugendlichen in der Klasse

F5J zu Beginn, waren dieses Jahr noch fünf Junioren an den F5J-Schweizer-Meisterschaften am Start. Drei sind dem Junioralter entwachsen. Das soll hier nicht als Rückschlag gemeint sein; denn bis vor Kurzem gab es im Elektroflug kaum Junioren. Konnten wir an den F5J-Europameisterschaften 2018 noch mit einem vollen Junioren-Team an den Start gehen, so ist im Moment noch einer übrig geblieben. Für die Anfang Jahr zweiköpfige Junioren-Nationalmannschaft fanden keinerlei Trainings, geschweige denn motivierende Kontakte durch die Mannschaftsleitung statt. Beschämend! Der einzig übriggebliebene konnte zum Glück an den Nachwuchs trainings – NOS-Trainingspass – teilnehmen und hat dies auch mit seinem diesjährigen Titelgewinn verdankt. Corona mag teilweise mit diesem Versagen zu tun haben. Aus meiner Sicht bestehen in unseren Organisationen noch immer formale Einbahnstrassen zwischen den Inhabern von «Ämtern» und denjenigen, die sich um die eigentlichen Aufgaben in der Praxis kümmern. Übrigens ganz erstaunlich, wie viele Juniorinnen und Junioren aus dem Ausland an den Weltmeisterschaften teilgenommen haben. Sie haben fast ausnahmslos ein hohes Leistungsniveau ausgewiesen: Osteuropa, USA, Deutschland.

RC-Kunstflug gehört zwar nicht zu den F5-Klassen, obwohl zu 95% Elektroantriebe eingesetzt werden. Der Sportflyers-Wettbewerb 2020 hat gezeigt, dass konsequentes Coaching Erfolg bringt. Begleitetes Training ist dabei unverzichtbar.
Der Militky-Cup in Pfäffikon hatte schon immer eine grosse Ausstrahlungskraft in der Elektroflugszene. Der regelmässige Teilnehmerschwund in der F5B-Klasse hat dazu geführt, dass der Modellflugverein zu einem F5J-FAI-World-Cup gewechselt hat. Dies auch, weil im organisierenden Verein selber das Fliegen mit den leichten und stattlichen 4-Meter-Maschinen überaus beliebt geworden ist. Hoffentlich kann das Ganze am Auffahrtswochenende 2021 stattfinden – wer weiss?
Wie bereits berichtet (MFS 5-2020, Seite 52), konnte der Internationale F5B auf dem Flugplatz der MG Flaachthal ausgetragen werden. Es brauchte schon ein wenig Mut vonseiten der Organisatoren, sozusagen

gegen den Strom zu schwimmen. Das hat sich trotzdem gelohnt. Die Teilnehmerriege war auch hier nicht überwältigend zahlreich, jedoch hochkarätig besetzt. Der klare Sieg des Österreichers Karl Waser war auch für unsere Leute eine ernüchternde Standortbestimmung. Der Wettbewerb galt zusätzlich auch als Schweizer Meisterschaft.
Dass sich der AMC Genf für die Durchführung der SM zur Verfügung gestellt hat, sei hier besonders hervorgehoben (siehe auch Seite 34 dieser Ausgabe). Die welschen Kollegen erwiesen sich einmal mehr als vorbildliche Gastgeber. Danke. Bei der SM Junioren ist leider die Teilnehmerzahl von acht 2019 auf das Minimum von fünf eingebrochen. Probleme mit der Auswertung haben nicht nur den Wettbewerbsleiter Nerven gekostet. Neuer Junioren-Schweizer Meister ist Alain Schad, MG Affoltern a.A., und bei den Senioren Thomas Wäckerlin, MG Rapperswil-Jona.
Schon fast Tradition hat der regionale F5J auf dem wunderschönen Flugplatz First der MG Illnau-Effretikon. Der Anlass konnte dank wirkungsvollen Sicherheitsmassnahmen mit all seinen Durchgängen reibungslos durchgeführt werden. Der rührige Verein organisiert jedes Jahr ein bis zwei Wettbewerbe. Vorbildlich! Vielen Dank für Engagement und Gastfreundschaft.
Nach einem längeren Verharren auf den schnellen Segelflugklassen F5B und F5F ist vor gut sechs Jahren wieder Bewegung in die Wettbewerbsszene gekommen. Neue erfolgversprechende Kategorien entstanden oder sind am Entstehen. Ganz besonders hervorgetan hat sich die Elektroflug-Thermik-Segelflug-Kategorie F5J. Sie glänzte schon an den ersten Weltmeisterschaften 2019 mit grossen Teilnehmerzahlen – auch bei den Juniorinnen und Junioren. Neue Konzepte wie F5A-GPS-Segel-

modelle, F5E-Solarflug, F5K mit der wunderschönen Bezeichnung «Thermal Duration Gliders for Multiple Task Competition with Electric Motor and Altimeter/Motor RunTimer (AMRT)». Dieser Klasse mit den kleinen und leichten Seglern wird schon jetzt eine vielversprechende Zukunft vorausgesagt. Die ehemalige F5D-Pylon-Klasse ist in der Schweiz leider – nach einigen erfolgreichen Jahren – komplett zum Erliegen gekommen. In der CIAM sind die schnellen Flitzer der F3D Verbrennerklasse neu als F3E zugeteilt worden. Eine gute Lösung.


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