Schweizer Meisterschaft 2011 F3F-Hangsegelflug in La Roche
Nachdem uns im Oktober der Windgott nicht sehr wohl-gesinnt war, konnte die Schweizer Meisterschaft 2011 in der Kategorie F3F am Sonntag, 22. Januar 2012, doch noch durchgeführt werden.
17 wetterfeste Piloten fanden den Weg ins freiburgische La Roche, darunter auch diverse Top-Piloten aus den Kategorien F3B, F5B/F und Dynamic Soaring.
Neben dem Schweizer Meister-Titel wurde auch noch um den dritten Platz in der Nationalmannschaft gekämpft, um die Schweiz an der WM im Oktober 2012 auf Rügen zu vertreten.
Die Prognose für den Sonntag versprach bis zu 40 km/h Wind aus Südwest sowie die Möglichkeit einzelner Regengüsse. Der Wind war in der versprochenen Stärke vorhanden und Petrus nutzte am Morgen die Möglichkeit, es regnen zu lassen, vollumfänglich aus. So standen wir bis ca. 12 Uhr am Berg und liessen es uns auf die Köpfe bzw. Kapuzen tropfen. Um 12 Uhr konnte es dann aber losgehen. Stefan Böhlen eröffnete die SM 2011. Der Wind pendelte zwischen 4,5 und 6,5 m/s und stand relativ schön (d.h. 90 Grad) zum Hang. Die Zeiten in der ersten Runde bewegten sich alle zwischen 60 und 80 Sekunden für die 10 Strecken, bis Reto Blumer alle mit einem extrem aggressiv geflogenen Run – inklusive guter Luft – und einer 53er-Zeit «schockierte». Mit diesem Run erflog er sich auch den Tausender.
Die zweite Runde ging mit 0,03 Sekunden Vorsprung auf Niklaus Huggler an Stefan Bertschi.
Der Wind nahm stetig zu und Runde 3 war mit Wind zwischen 10 und 13 m/s die schnellste. Stefan Bertschi konnte diese mit der schnellsten Zeit des Tages (45,81 Sek.) vor Niklaus Huggler (46 Sek.) wiederum für sich entscheiden. Der Hang (besten Dank hier an den Bauern welcher uns sehr spontan erlaubte, diesen zu benutzen) erwies sich als relativ tückisch. Die rechte Wende machte richtig Freude, liess sich doch mit dem richtigen Einsatz von Höhe und Snap-Flap wunderbar aus der Kurve beschleunigen, jedoch die falsche Linie auf der Linken und der ganze schöne Speed war wieder weg. Zusätzlich erschwerend war, dass der Wind im Verlauf des Nachmittages etwas nach rechts drehte, was den Rückweg von links nach rechts zum Teil schmerzhaft langsam machte.
Ab Runde 4 liess der Wind wieder etwas nach, und die besten

Zeiten bewegten sich zwischen 50,50 (Runde 4) von S. Bertschi, 53,81 (Runde 5) von S. Böhlen und Runde 6 mit 53,47 von M. Meissner. Nach 6 geflogenen Runden ging das Rechnungsbüro an die Auswertung der Resultate und «etwas später» (technische Probleme mit dem Auswertungs-Excel) konnte zur Rangverkündung übergegangen werden. Gewonnen hat Stefan Bertschi vor Andreas Böhlen (erster F3F-Wettbewerb!) und Niklaus Huggler. Gratulation an diese drei. Gratulation aber auch an alle anderen Teilnehmer, für welche es zum Teil der erste Wettbewerb in dieser Form war. Der letzte freie Platz in der Nationalmannschaft ging an Martin Kopp. Somit wird die Schweiz an der WM durch Reto Blumer, Martin Kopp und Stefan Bertschi vertreten.
Ein grosser Dank geht an Alexandre Mittaz, welcher praktisch den ganzen Tag an den Basen geholfen hat, sowie an Ruedi Schaub und Hansruedi Zwingli, welche beide – nach frühem Modellverlust – dem Wetter trotzten und ebenfalls zu einem reibungslosen Betrieb an den Wendemarken beigetragen haben.
Last but not least ein grosses Merci an Reto Blumer welcher die SM 2011 organisiert hat.
Die Kategorie F3F (Segelflug Hang) ist – obwohl international schon lange Wettbewerbe geflogen werden – seit 2010 eine offizielle FAI-Kategorie.
| Rang | Name | Punkte | Modell |
| 1. | Stefan Bertschi | 4992,5 | Radical Pro |
| 2. | Andreas Böhlen | 4661,4 | Fosa Lift |
| 3. | Niklaus Huggler | 4562,5 | Tanga |
| 4. | Renato Maricq | 4557,9 | Fosa |
| 5. | Stefan Böhlen | 4548,7 | Tanga |
| Markus Meissner | 4539,6 | Extreme | |
| 6. | Gianfranco Cavalli | 4439.0 | Alliaj |
| 7. | Martin Kopp | 4259,4 | Cyril |
| 8. | Paul Böhlen | 4180,9 | Ceres Lift |
| 9. | Patrick Häusler | 4117,2 | Highlander |
| 10. | Martin Ulrich | 4045,1 | Tanga |

Die erste WM wird vom 6. bis 13. Oktober 2012 auf Rügen stattfinden.
Im Unterschied zu den Kategorien F3J und vor allem F3B ist F3F weniger materialintensiv, da auf Winden verzichtet werden kann. Auch die zu fliegende Aufgabe ist – so könnte man zumindest meinen – relativ einfach. Der Pilot hat 30 Sekunden Zeit, um Höhe zu gewinnen, und muss danach eine Strecke von 100 m – welche links und rechts von Wendemarken definiert ist – 10 Mal durchfliegen. Am Schluss gewinnt der Schnellste die Runde. Im Unterschied zur Speed-Disziplin in F3B ist der Pilot in der Strecke auf sich allein gestellt, d.h. er hat keinen Helfer, der ihm die Wenden ansagt. Einfach, aber der Teufel liegt – wie überall – im Detail bzw. der Ausführung. In meinen Augen gibt es folgende 4 Erfolgsfaktoren für einen erfolgreichen Lauf:
- Die Fähigkeit, den Hang zu lesen, d.h. wo ist am meisten Druck unter den Flächen?
- Die Wenden zu antizipieren. Jeder Meter, der vor dem Drehen zuviel geflogen wird, verdoppelt sich auf dem Rückweg.
- Die richtige Kurventechnik. Bei guten Bedingungen sollte in der Kurve beschleunigt werden, bei schlechten Bedingungen sollte so wenig Tempo wie möglich verloren werden.
- Es braucht auch etwas Wetterglück. In einer Thermikblase fliegt es sich einfach schneller als im Abwindfeld.
Natürlich hat auch das Modell einen gewissen Einfluss, dieser wird aber gerne überschätzt. Wichtig ist vor allem, dass das Modell sauber eingestellt und der Pilot mit den Flugeigenschaften bestens vertraut ist. Dies bedeutet: Besser ein etwas älteres Modell, das sich in vielen Flugstunden bewährt hat, als das neuste Teil einer osteuropäischen Edelschmiede, welches gerade einmal eingeflogen ist. Ein Neu-

ling kann durchaus auch mit einem 2- bis 2,5-m-Segler (Erwin, Spider, Typhoon usw.) erste Wettbewerb-Erfahrungen sammeln.
Wer sich über F3F-«Szene» in der Schweiz informieren möchte, tut dies am Besten über die Webseite www.f3f-ch.blogspot.com. Dort sind alle Informationen zu anstehenden Wettbewerben zu finden. Die Schweizer Meisterschaft 2012 ist im nächsten Mai geplant. ■
*Stefan Bertschi/(R. Schaub)*


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