Sport

Impressionen von der F3J WM 2006

von Koni Oetiker
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Nachdem die Thermiksegelflug-WM 2004 in Kanada das bisher kleinste Teilnehmerfeld brachte, glänzte die diesjährige WM in der Slowakei durch das grösste Feld mit 88 Senioren und 43 Junioren. Aber auch sonst glänzten die Slowaken um Wettbewerbsleiter Jaroslav Kostan mit einer ausgezeichneten Organisation auf dem Flugplätzchen der 60 000 Einwohner grossen zentralslowakischen Stadt Martin.

Unser Team bestand aus den Helfern Ivo Langensand, Robert Cames, Teammanager Ruedi Baumgartner sowie den Piloten Reto Baumgartner, Gusti Bieli und Koni Oetiker sowie der besseren Hälfte des Schreiberlings. Auf dem Modellsektor hatte sich seit Kanada einiges getan auf dem Markt. Fast jeder Hersteller hatte Neues im Angebot, was aber nicht heisst, dass es auch erhältlich war. Meine im letzten Oktober bestellte Espada RL z. B. erhielt ich ganze 10 Tage vor der WM! Der Einsatz des Modells lohnte sich aber trotz der sehr kurzen Eingewöhnungsphase. Reto und Ruedi hatten dieses Problem schon früh gehabt und setzten deshalb auf eine Eigenkonstruktion, gefertigt in ihrer eigenen Werkstatt und Supreme getauft. Dass aber auch das viiiiiel länger geht als geplant, mussten auch R&R erfahren. Mehr sei hier nicht gesagt. Gusti setzte auf bewährtes Flugmaterial mit Sharon und Pike Superior.

Das Gros des Teams reiste am Donnerstag vor dem Vorwettbewerb mit dem Autozug über Wien und Bratislava an. Bei noch hochsommerlicher Hitze wurde sofort ein gutes Plätzchen in noch sicherer Entfernung vom Geschehen mit unseren Zelten belegt. Den Rest des Nachmittags benützte jeder für ein paar Schnupperflüge auf dem noch fremden Platz. Nachdem wir unsere Modelle und



das Zubehör im grossen Hangar deponiert hatten, begaben wir uns ins idyllisch gelegene Hotel. An den nächsten zweieinhalb Tagen fand der Martin-Cup mit rund 170 (!) Piloten statt. Bei sehr heissem und zum Teil nicht ganz einfachem Wetter versuchte noch jeder, die optimalen Einstellungen zu finden und den einen oder anderen Fehler schon jetzt zu machen, in der Hoffnung, damit die Anzahl möglicher Fehler an der WM zu reduzieren. Ob es gelang? Mit Argusaugen wurde die Performance der diversen Neuerscheinungen wie Supra, Pike Perfect, Espada RL und Supreme sowie diejenige der Toppiloten wie Wurts, Borst, Strautins usw. verfolgt. Gusti schlug sich wacker, Reto flog seine neuen Modelle ein, und ich leistete mir ein paar Böcke, wie z. B. durch die Sonne starten. Für Robert bedeutete die Zeltrettungsaktion am Sonntag im mittäglichen sintflutartigen Gewitter das Ende der Helfertätigkeit. Wie wir erst später herausfanden, hatte er sich bei einem Sturz über einen Abspannhering den Arm gebrochen. Gute Besserung! Nachdem das Wetter wieder aufgeklart hatte, wurde der Sonntagnachmittag noch für die Modellabnahme unter der Regie des in F3B-Kreisen bekannten Raymond Pavan genutzt. Erstaunlich, wie viel Hektik da plötzlich bei gewissen Teams aufkam; da waren keine Modellkarten, dort keine Kleber auf den Modellen usw. Für uns war die ganze Übung reiner Pflichtteil und nach zehn Minuten erledigt. Am Abend fand dann die Eröffnungsfeier in der Fussgängerzone von Martin mit grossem Pomp, aber zum Glück kurzen Reden statt.

Die erste und einzige echte TM-Sitzung dauerte auch nicht allzu lange. Die WM konnte beginnen!

Der erste Start am Montagmorgen war auf humane neun Uhr angesetzt und dank der doch schon hoch stehenden Sonne (Martin ist rund 10° weiter östlich) waren die zehn Minuten für mich und Reto in der zweiten resp. dritten Gruppe kein ernsthaftes Problem. Auch Gusti erfüllte seine Aufgabe mit Bravour. Am Mittag mussten wir wieder unterbrechen wegen



eines starken Gewitters. Wir brachten unsere Modelle gerade noch ins Trockene. Der zweite Durchgang im Rückseitenwetter brachte dann leider schon die ersten Streicher. Schade, Schade. Infolge der schlechten Wetterprognosen für die nächsten Tage wollte der Veranstalter am Dienstag doch tatsächlich schon um 7 Uhr anfangen. Die Mehrheit der Teams stimmte dann für den freundeidgenössischen Kompromiss 8 Uhr. Huch, das Schlimmste war abgewendet! Gusti erwischte dann aber einen rabenschwarzen Start in den zweiten Tag und musste gegen Philip Kolb mit seinem Pike Perfect im dritten Durchgang eine herbe Niederlage einstecken. Mich erwischte es im vierten Durchgang. Wegen eines immer noch nicht geklärten technischen Problems fiel ich aus dem Seil und musste auf das Ersatzmodell umsteigen. Lange sah es so aus, als könnte ich dem Rest der Gruppe mit einem Blindflug in den Wolken die verlorene Zeit wieder abnehmen. Leider blieb am Schluss aber einer übrig, der sich mir widersetzte und durchflog. Aus der Traum vom genialen Schachzug. Reto schlug sich weiterhin



wacker. Joe Wurts, einer der erklärten Favoriten, sah man in den nächsten Tagen immer wieder im Hangar sein A-Modell flicken, nachdem er weit weg in der Thermik einen Zusammenstoss hatte. Das Wetter verschlechterte sich über die nächsten Tage zunehmend und es war sehr oft komplett bewölkt. Trotzdem war es fast immer möglich, die zehn Minuten zu fliegen. Spektakuläre Zwischenfälle gab es auch. So zerlegte sich Arend Borsts superleichter Supra am Hochstartseil auf eindruckliche Weise. Wenn man aber weiss, was für einen enormen Zug die Kanadier auf das Seil bringen, dann wundert einen das weniger. Mein Zusammenstoss in der Thermik war weniger spektakulär, dafür vielleicht die weiche Rückenfluglandung in Krähenstellung, weil das Höhensteuer nicht mehr ging. Dass auch die Schweizer Zugmannschaft mit zum Besten auf dem Platz gehörte, zeigt das folgende Bild.

Bis zur zehnten Runde gab es nur noch ganz kleine Verschiebungen in den 12 Fly-off-Rängen. Alles schien klar zu sein bis zum Beginn der elften Runde. Die Thermikgötter machten es plötzlich wieder sehr spannend und forderten ihre Opfer. So verlor Carl Strautins rund 20 Sekunden und wäre nach seinem Flug ausgeschieden gewesen. Doch das Glück blieb im hold, und es erwischte im weiteren Verlauf andere Piloten definitiv. So verpasste letztendlich Philip Kolb mit 0,5 Punkten Rückstand auf seinen Teamkollegen Sebastian Feigl das Fly-off. Auch Marco Salvigni schied im letzten Augenblick aus. Die Fly-offs der Junioren und Senioren fanden am Samstag bei sehr schwierigem Wetter statt. Aber auch hier schaffte in jedem Durchgang mindestens ein Pilot die fünfzehn Minuten, wenn auch zum Teil in unglaublichen Entfernungen. Bei den Junioren siegte schliesslich der Amerika-



ner Cody Remington mit Espada RL vor Benedikt Feigl und Casey Adamczyk. Sehr aufregend wurde es bei den Senioren im vierten Flug. Der amtierende Weltmeister David Hobby hatte sich im zweiten Flug ein schönes Polster auf die Konkurrenz erflogen, im dritten nichts abgegeben und konnte den letzten Durchgang recht gelassen angehen. Doch es sollte nochmals sehr spannend werden, nachdem er bei ca. 13 Minuten einen Zusammenstoss mit Massimo Verardi hatte, der den linken Flügel seines Pike Perfect doch arg in Mitleidenschaft zog. Er behielt aber die Nerven, und mit dem Glück des Tüchtigen setzte er seine Maschine in den Hunderter und holte so genügend Punkte, um in Führung zu bleiben. Auch Verardi verlangte keinen Refly, und so war der alte auch der neue Weltmeister. David Hobby war nie zuvor der in den Vorrunden, zeigte aber eine überzeugende Leistung im

Fly-off. Das gilt auch für den Vizeweltmeister Sebastian Feigl sowie den Deutsch-Kanadier Rolf Oetter. Neben den Siegern gab es aber auch Verlierer, so findet man den Viertplatzierten der WM 2004, Craig Goodrum, weit abgeschlagen auf Platz 73 oder den Juniorenweltmeister von 2004 nur wenige Ränge weiter vorn.

Welches Modell das Beste ist, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Sowohl Espada RL wie Pike Perfect wurden Weltmeister. Auch die Supra ist ein gutes, wenn auch unkonventionelles Modell. Entscheidend ist wohl eher, welche Maschine man innert nützlicher Frist bekommt.

Wir Schweizer landeten schliesslich auf den Rängen 28 (Reto), 38 (Koni) und 46 (Gusti). Als Team erkämpften wir uns den 10 Rang von 30 Teams.

*Koni Oetiker*




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