Titelstory

F-104 Starfatter

von Martin Gassmann
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Cartoon Style Planes

Flugzeuge im Comic-Stil sind bei uns durch den Zeichentrickfilm «Planes» wohl etwas bekannter geworden. Die Idee ist aber nicht neu; vor allem in Asien erfreuen sich Comics mit bekannten Fahr- und Flugzeugen grosser Beliebtheit.

Wer sich als RC-Modellbauer dafür interessiert, der findet das eine oder andere RC-Projekt in internationalen Modellbauforen, vereinzelt gar mit Bauplänen. Eine weitere Variante sind sogenannte Egg-Planes. Dies sind meist sehr knuffige Plastikmodelle, ihren Vorbildern exakt nachempfunden – doch gleichen deren Proportionen einem Ei (daher der Name). Jedoch sind sie in der Realität kaum flugtauglich.


Legendary Fat Fighters

«Begonnen hat das Ganze als Gute-Laune-Projekt, geteilt von einer Handvoll Freunden – und dies ist nach wie vor der Fall», erklärt Stephan, einer der Urväter dieser Idee. Erste Skizzen entstanden auf einem Bierdeckel, die Ideen wurden in heimischen Kellern umgesetzt und mittlerweile ist eine ganze Staffel einzigartiger Fatty-Modelle entstanden. Diese kreativen Köpfe sind mehrheitlich in der Eigenbauszene des Modellbaus zu Hause und kennen sich mit dem Entwurf von Modellfliegern aus.

Inzwischen sind etliche Baupläne oder Teilbausätze bei Scale-Parkflyer.de für jedermann erhältlich. Die kleinen Modelle fliegen erstaunlich gut, aber es ist unweigerlich zu spüren, dass Aerodynamik nicht an erster Stelle im Pflichtheft steht. Optisch sind alle sehr gut gelungen und ein gewisser Wow-Effekt ist allen Modellen sicher.

Flugzeuge mit ausgeprägten charakteristischen Formen eignen sich am besten für die Transformation zu einem Fatty. So landen wir zwangsläufig bei den Warbirds. Trotz des ursprünglich militärischen Zwecks sind diese Flieger auch zu Legenden der Aviatik geworden. Die bekanntesten, wie die P-51 Mustang, die Corsair mit ihren Knickflügeln, die P-40 Warhawk, waren die Ersten, die als Fatty-Modelle gebaut wurden, und bilden quasi den Ursprung für die Legendary Fat Fighters.


Starfatter

Der Starfatter – wie die Fatty-Variante der Lockheed F-104 genannt wird, hat Mathias Jasinski entworfen. Vom Fatty-Virus längst infiziert, von schlaflosen Nächten geplagt, wollte er mit diesem Modell den Schritt ins Jet-Zeitalter besiegeln. Er hat den Bau und die ersten Flugversuche im RC-Network-Forum in Text und Bild ausführlich dokumentiert. Die Videos der ersten Testflüge sind sehenswert und bieten Unterhaltungswert.

Offiziell ist das Modell nicht erhältlich. Auf mehrfachen Wunsch hat Mathias trotzdem eine Kleinserie an Teilesätzen produziert und den Kreis der Testpiloten erweitert. Die CNC-geschnittenen Depronteile ergänzte er nachträglich mit tiefgezogenen Formteilen. Die seitlichen Lufteinlässe, die Kabinenhaube sowie die Flügeltanks sind alle am heimischen Backofen mit viel Engagement und einer DIY-Tiefziehbox entstanden. →



Depron – der Stoff, mit dem sich Träume verwirklichen lassen

Der Rumpf ist mit Spanten und Längsstringern aus 6-mm-Depron klassisch aufgebaut und wird mit 3-mm-Depron beplankt. Das Leitwerk besteht aus wenigen Teilen. Die Verbindungen passen exakt. Im Nu sind alle zu einem Gerippe zusammengefügt, welches sich bereits von selbst zusammenhält. Auf einer Bauhilfe ausgerichtet, wurde mit dünnflüssigem Sekundenkleber geklebt. Etwas Nacharbeit bei der Kontur der Spanten ist nötig, damit die anschließende Beplankung gut aufliegt.

Der Flügel hat ein KfM-2-Profil und besteht aus je zwei 6-mm-Depronplatten plus einem eingelegten 6×1-mm-CFK-Stab als Holm. Die KfM-Profile eignen sich bestens für solche Plattenkonstruktionen. Gemäss der Theorie sind sie bei langsamen Fluggeschwindigkeiten mit einem konventionellen Flügelprofil vergleichbar.

Die Beplankung ist bei diesen Modellen der aufwendigste Teil. Die Panels müssen einzeln auf die Kontur angepasst werden. Falls es mal gar nicht passen will, kommt transparentes Backpapier zum Einsatz, um den Umriss eines Panels am Modell direkt abzupausen. Es empfiehlt sich, in kleinen Schritten (von Spant zu Spant) vorzugehen. Ich benutze UHU POR zum Verkleben, da er sich mit Waschbenzin gut lösen lässt, sollte ein Panel nicht wie gewünscht zu liegen kommen. Dies ist eine Fleissarbeit, die man sich heute bei den vielen Ready-to-fly-Modellen nicht mehr gewohnt ist. Entsprechend hoch ist die Befriedigung, wenn ein stabiler, stromlinienförmiger Zylinder fertig in der Hand des Erbauers liegt.



Depron-Walking

Ich baue schon länger mit Depron und ernte oft erstaunte Blicke, wenn ich erkläre, dass diese runden Oberflächen meiner Modelle gebogenes Depron sind. Deshalb hier eine kurze Erklärung: Depron hat eine bevorzugte Biegerichtung, die liegt 90° zur aufgedruckten Beschriftung.

Bereits beim Ausschneiden sollte die spätere Biegerichtung berücksichtigt werden. Danach werden die Biegeteile, mit der etwas glänzenderen Seite des Deprons nach aussen, vorsichtig mit der flachen Hand z.B. über eine runde Kante, Kartonrolle o.Ä. gezogen. Die Grösse der Rolle bestimmt den Biegeradius. Bei sehr starken Rundungen gilt, sich durch kleine Walk-Bewegungen an die gewünschte Form heranzuarbeiten. Die Teile im Bereich des Cockpits sind in zwei Richtungen gebogen. Es braucht etwas Übung und Geduld, das Bauteil in eine konkave Form zu bringen. Sollte doch mal was schieflaufen oder sollten mehrere Anläufe, bis es passt, nötig sein, kein Problem – ein neues Teil ist schnell nachgeschnitten.



Antrieb und RC-Einbau

Das Modell verfügt am Ende lediglich über eine Öffnung via Kabinenhaube. Vor dem vollständigen Beplanken wurde der Antrieb eingebaut und die Akkumhalterung so positioniert, dass später möglichst kein Trimmblei notwendig wird. Ich habe mich an den Erfahrungen meiner Kollegen orientiert. Ein F-60 PRO IV mit 2550 kV von T-Motor und 5×5,1-3-Blatt-Propeller wurden als Pusher-Antrieb eingebaut. Der Motorspant sitzt hinten auf 3 CFK-Stäben und ist mit Seitenzug und Motorsturz (nach oben) verklebt. Der maximale Strom liegt knapp unter 30 A. Wer sich jetzt fragt, ob nicht ein Impeller eingebaut werden könnte: Ja, dies wurde zwischenzeitlich ebenfalls gemacht; mehr dazu findet ihr im RC-Network-Forum.

Wohl etwas zu optimistisch, habe ich anfänglich nur einen 30-A-Regler eingebaut. Dieser wurde beim Erstflug – trotz winterlicher Temperaturen – um ein Haar verheizt. Mittlerweile habe ich ihn durch einen 40-A-Regler ersetzt. Gesteuert wird der Starfatter über Höhen-, Seiten- und Querruder, mit Standard-7-g-Servos. Dazu habe ich mir einen Empfänger mit Assist-Funktion geleistet. Als Augenzeugen diverser haarsträubender Manöver kam ich zur Erkenntnis, dass eine elektronische Dämpfung dem kleinen Modell sicherlich nicht schaden würde.



Oberfläche und Scale Finish

Depron lässt sich problemlos schleifen. Die Nase am Starfatter brauchte definitiv ein wenig Tuning. Wo nötig, habe ich mit Spachtel aufgefüllt. Ich verwende «Molto Champion» (für innen) aus dem Baumarkt. Die Stösse der Beplankung wurden bewusst nicht ganz eliminiert; dadurch entstehen realistische Panel-Lines. →

Das einzige Problem beim Schleifen von Depron ist: Nach dem Lackieren wird der Unterschied zwischen geschliffenen und nichtgeschliffenen Stellen ziemlich gut sichtbar. Dazu drei praktische Lösungsansätze:

1. Wenig schleifen und spachteln. Dies bedingt exaktes Bauen und eine saubere weiche Unterlage, um Dellen, Kratzer und Beulen, die während des Baus entstehen können, möglichst zu vermeiden.

2. «Parkettieren» – Das geschliffene Modell wird ganz oder teilweise mit klassischem Bespannpapier und Parkettlack überzogen. Dadurch wird auch die geschliffene Oberfläche gleichmässig glatt und, je nach Dicke der Schicht, widerstandsfähiger.

3. «Zwei-Meter-Regel» – Vergiss die schöne Oberfläche, aus zwei Metern ist diese eh nicht mehr zu sehen 😊 Ich lande meist beim Lösungsansatz

4. Beim Starfatter habe ich die Nase und die Unterseite parkettiert, da er kein Fahrwerk hat.

Lackiert wurde mit Spraydosen (ohne Lösungsmittel) und Airbrush. Gute Ergebnisse auf Depron erzielte ich auch mit Schaumstoffpinseln oder Rollern. Ich bin kein Airbrush-Profi, aber gerade solch kleine Modelle eignen sich bestens, um im überschaubaren Rahmen die Technik zu üben und/oder auszuprobieren. Warum nicht mal ein Weathering wagen? Ein solches an einem grossen teuren Scale-Modell zu testen, verlangt beträchtlich mehr Überwindungskraft.

Ich habe mich für eine zivile F-104-Version entschieden. Die originalen Starfighters sind im Kennedy Space Center in Florida zu Hause. Von dort wird eine kleine Flotte dieser ehemaligen Überschalljäger heute für wissenschaftliche und kommerzielle Zwecke eingesetzt. Mir gefällt der Pseudo-Scale-Look bei den Fatties am besten. Optisch an das Original angelehnt – und doch bleibt es auch eine Karikatur dessen. Darum habe ich auch das Cockpit ausgebaut, obwohl diese Pilotenfigur einiges an zusätzlichem Gewicht gekostet hat. Am Ende habe ich ein paar einfache Decals und Stickers mit dem Plotter geschnitten. Übrigens: Bei den meisten Fatty-Modellen sind genau diese witzigen Details das Tüpfchen auf dem i.



Erstflug im Schnee

In einem Wort zusammengefasst, könnten die Flugeigenschaften des Starfatters als vorbildgetreu bezeichnet werden. Vielen mag der berüchtigte Ruf des Originals schon mal zu Ohren gekommen sein. Der Starfatter lässt sich diesbezüglich nicht lumpen, der Grenzbereich im Langsamflug ist eher schmal. Bekanntlich geht mit Brushless-Antrieb heute alles senkrecht, doch weiterhin gilt: Leicht gebaut fliegt besser! Wird das Modell mit weniger als 200 g gebaut, lässt es sich problemlos indoor fliegen. Dies wurde anlässlich der Modellbaumesse in Friedrichshafen eindrücklich bewiesen – wie man so leicht baut, ist eine ganz andere Geschichte.

Inklusive dem 3S-1800er-Akku beträgt das Abfluggewicht bei mir 680 g. Diese gilt es beim Start zu beschleunigen, dass schnell genügend Auftrieb da ist und die Ruder ihre Wirkung haben. Bricht die Fuhre bei langsamer Geschwindigkeit zur Seite aus, ist es unmöglich, zu korrigieren. Auf kurz geschnittenem Rasen oder auf Schnee gelingt der Bodenstart am besten. Versucht man den Starfatter zu früh in die Luft zu reissen, endet dies meist in einem unkontrollierbaren Flugzustand. Für den Handstart empfiehlt es sich, einen versierten Werfer anzuheuern, oder man behilft sich mit einem kleinen Flitschengummi. (Einen Haken hätte ich dran, probiert habe ich es noch nicht.)

Ich habe für meinen Erstflug bewusst auf Schnee gewartet. Ich konnte problemlos geradeaus beschleunigen und sicher durch leichtes Ziehen abheben. Einmal in der Luft, fliegt der Starfatter selbst ohne Kreisel, wie auf Schienen. Die Silhouette ist klein; allzu weit weg sollte man nicht fliegen. Landungen im Gleitflug funktionieren mit den Fatties nicht. Auf keinen Fall zu früh das Gas weg und dann versuchen, eine feine Landung zu machen, sondern mit reduziertem Schub kontrolliert bis zum Boden fliegen.



Der Gedanke am Schluss

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht danach aussieht – der Starfatter ist mehr als nur ein Jux-Modell. Erfahrung beim Bauen wäre sicher von Vorteil. Aber man kann sich auch einfach mal daran versuchen; der Materialaufwand ist vernünftig.

Der Starfatter ist ein aussergewöhnliches Modell, welches sich nicht durch rekordverdächtige Daten auszeichnet. Seine Form ist aus einer witzigen Idee entstanden, welche mit viel Kreativität und klassischen Baumethoden umgesetzt wurde. Wie das Original, kann der Starfatter ziemlich unbarmherzig auf Fehlmanipulationen am Steuerknüppel reagieren. Er hat seinem Konstrukteur, Mathias, die eine oder andere Sorgenfalte ins Gesicht getrieben.

Und trotzdem – eines kann ich euch abschliessend versichern: Wenn ihr den Starfatter erfolgreich in die Luft bringt, zaubert dieser nicht nur euch als Pilot ein Grinsen aufs Gesicht. Und schon bald ertappt man sich beim Gedanken, dass man ja noch schnell einen weiteren Fatty bauen könnte...


Quellen

Bausätze/Pläne für andere Fatty-Modelle:
www.scale-parkflyer.de

Video eines «Starfatters:

Starfatter im RC-Network-Forum:




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