Spezieller Motorsegler – Flugerfahrungen mit dem Motorsegler «Twin Explorer IV»
Dieser spezielle Motorsegler aus Holz und Teilen aus Carbon ist die verbesserte und optimierte Version von «Twin Explorer III», welcher im Heft 2/2016 von Aufwind detailliert beschrieben wurde. Er zeichnet sich durch tolle Flugleistung und ein beeindruckendes Flugbild aus.
Der Erstflug des «Twin Explorer IV» fand im Juli 2019 auf dem Modellflugplatz in Müswangen statt. Schwerpunkt, EWD wurden gemäss Vortex-Simulationsprogramm eingestellt. Die Butterfly-Einstellungen wie gewohnt (Wölbklappen 60°, Querruder hoch 10°) sowie Querruder differenzierung. Der Start ab Wagen klappte auf Anhieb. Der erfahrene Erstflug-Pilot Hans Baumann attestierte dem Motorsegler ein einwandfreies Flugverhalten.
Das Modell liegt wie ein Brett in der Luft und zeichnet sich durch eine hohe Stabilität und gute Gleiteigenschaften aus. Durch die niedrigere Flächenbelastung schraubt sich «Twin Explorer IV» in Thermikschläuchen zügig empor, dabei lassen sich enge Kurven fliegen. Bei Strömungsabriss (Stall) reagiert das Modell sehr gutmütig: Beim normalen Geradeausflug und bei gezogenem Höhensteuer kippt es vornüber. Bei in sicherer Höhe simulierten engen Landeanflugkurven und niedriger Geschwindigkeit kippte das Modell seitlich ab, nach augenblicklichem Tiefensteuer war es schnell wieder unter Kontrolle. «Twin Explorer IV» ist kein Hochleistungssegler im heutigen Sinne, sondern ein prachtvoller Gleiter mit bestechendem Flugbild und toller Aerodynamik.
| Flügelspannweite: | 5,33 m |
| Gesamtlänge: | 2,36 m |
| Gewicht (flugbereit): | 12,30 kg |
| Flächenbelastung: | 77,5 g/dm2 |
| Flügelprofile Tragflügel: | HQW-3012 66% HQA-3010 bis 100% |
| Flügelprofil Höhensteuer: | NACA-0010 |
| Motoren: | 2x E-Flite Outrunner Power 60 400 kV |
| Standschub: | 2x 3,0 kg bei 124 Ampère und 22 VDC |
| Akkus für Antrieb: | 2x LiPo 3800 mAh/6S parallel |
| Akkus für Empfänger: | 2x LiPo 2400 mAh/2S |

Dank der Turbulatoren am Aussenflügel ergibt sich ein sehr gutmütiges Stall-Verhalten: Das Modell ist auch bei Strömungsabriss des Innenflügels noch steuerbar. Sind die Turbulatoren über den ganzen Flügel angeordnet, so sinkt generell die Stall-Geschwindigkeit, jedoch ist die Steuerbarkeit via Querruder nicht mehr sichergestellt: Das Modell «leert aus», was in Bodennähe fatal ist («Twin Explorer III» selig lässt grüssen). Anordnung und Geometrie der Turbulatoren habe ich aus Beispielen der zivilen Sportfliegerei übernommen. Die Kunststoffplättchen (Graupner-Kunststoffplatte 2 mm, weiss) habe ich ausgefräst und dann mit Weissleim in die durch Bohrlehre vorbereiteten Löcher fixiert.
Durch den Einsatz des Simulationsprogramms Vortex können gewünschte Eigenschaften eines Flugmodells bereits im Vorfeld abgeklärt und optimiert werden. Aufgrund guter Erfahrungen in der Praxis habe ich mich beim Tragflügel für das Profil HQW-3012 im Innenflügel durchgehend bis 66% Spannweite und im Aussenflügel gestrakt von HQW-3012 auf HQA-3010 entschieden. Zusätzliche Schränkung des Aussenflügels auf -1 Grad. Für das Höhen- und Seitenruder dient das bewährte symmetrische Profil NACA0010. Die Turbulatoren können in diesem Programm nicht mit einbezogen werden, das Stall-Verhalten in Bezug auf Steuerbarkeit wird durch die vorher beschriebenen Turbulatoren erheblich verbessert.
«Twin Explorer IV» wird zurzeit in Schweden, Deutschland und in der Schweiz nachgebaut. Als Basis dazu dienen alle CAD-Files und eine detaillierte, bebilderte technische Beschreibung. Alle CAD-Files können mit einem kostenlosen SolidWorks-Viewer inspiziert werden. Die bereinigten *.dxf-Files sind Ausgangspunkt für eine CNC-Fräsmaschine. Der Nachbau empfiehlt sich erfahrenen Modellbauern.

www.solidworks.com
frankranis@gmx.de
www.ulmer-kunststoffteile.de
www.balsa.ch
www.mgmueswangen.ch
CAD-Programm Solidworks
Frank Ranis, Vortex-Simulationsprogramm
Hersteller der Kabinenhaube
Mein Holzlieferant. Unter Kundenprojekte: Twin Explorer III
Modellflugverein Müswangen, «Bilder und Videos» vom 3.Q. 2019 und 4.Q. 2019

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