Sport und Politik
Liebe Modellfliegerinnen und Modellflieger
Das Schweizer F3A-Team reiste 1985 an die Weltmeisterschaften in die Niederlande nach Flevohof. Mit dem nicht gerade WM-würdigen Fluggelände – eine Art Waldwiese – mussten wir zurechtkommen. Mit dem «bösen Geist», der sich anzuschleichen drohte, hatte ich aber mehr Mühe. Es wurde nämlich gemunkelt, dass die Mannschaft aus Südafrika nicht zum Start zugelassen werde. Ob dies mit einem Entscheid des Königs zu tun hatte, wie Gerüchte behaupteten, war für mich unwichtig; dass die süd-afrikanischen Kollegen abreisen mussten, hingegen schon. Damals war ich sehr zornig und ich habe in der folgenden CIAM-Plenarversammlung (FAI) zusammen mit Werner Koelliker gegen diesen traurigen Vorfall protestiert. Die Sperrung der Sportler Südafrikas aufgrund des dort herrschenden menschenverachtenden Rassentrennungssystems wurde nicht nur vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), sondern auch von weiteren internationalen Sportverbänden eingeführt. Ob sich auch die FAI dieser Anti-Apartheid-Bewegung angeschlossen hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. (1994 wurden in Südafrika die ersten freien Wahlen durchgeführt. Kamen diese durch die internationalen Sanktionen zustande oder durch den internen Widerstand, angeführt von Nelson Mandela?) Heute stehen wir wieder vor der gleichen Situation. Nicht nur russische Sportler, sondern auch Kulturschaffende werden aufgrund der russischen Aggression gegen die Ukraine gesperrt. Auf den ersten Blick nur logisch und «gerecht». So treffe ich an Modellflugweltmeisterschaften keine Kollegen aus Russland mehr. Bleibt die Frage: Was können die Modellflieger für den sinnlosen, blutigen Angriffskrieg ihrer Regierung – und was passierte mit früheren Kriegen wie zum Beispiel Libyen, Irak oder Afghanistan? Wird hier mit zwei Ellen gemessen? Ein heisses Thema, das bis jetzt – zusammen mit all den laufenden Sanktionen – keine Anzeichen eines Friedenstrends erkennen lässt. Vielleicht könnte die Sportlerin, der Sportler helfen, die grossen Gegensätze zu überwinden und die Völker einander näherzubringen. Schon fast ein Weihnachtswunsch.
Kollegiale Grüsse
Emil Giezendanner
redaktion@modellflugsport.ch

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