Alouette III SE 319
Titelstory

Alouette III SE 319

von Anton Laube
8
Titelstory

Alouette III SE 319

von Anton Laube
8
Gelungener Nachbau der HB-XDF

Die Aérospatiale SA.319 Alouette III (französisch für Lerche) war ein leichter einmotoriger Mehrzweckhubschrauber. Er wurde vom französischen Hersteller Sud Aviation (später Aérospatiale) ab 1959 in über 1400 Exemplaren sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke gebaut. In Lizenz wurde er ausserdem in Indien, Rumänien (als IAR.316B) und der Schweiz gefertigt. Viele der einfachen und robusten Maschinen werden heute noch geflogen.

Von dieser Geschichte bewogen, baute Hardy Mosberger aus Maienfeld GR, Mitglied der MG Falknis, ein Modell, das seinesgleichen suchen muss.

Lange Jahre war aber die Alouette III auch das Rückgrat der Schweizer Armee. Die ersten neun von Sud Aviation in Marignane/Frankreich gefertigten SE-3160 Alouette III kamen 1964 zur Schweizer Armee. Der Helikopter überzeugte bald durch sein grosses und breites Einsatzspektrum und seine tollen Fähigkeiten im Gebirge. 1966 wurden weitere 15 Maschinen beschafft. 1972 folgte eine für heute sehr grosse Tranche von 60 Helikoptern, die im Teil-Lizenzbau von den Flugzeugwerken Emmen gefertigt wurden. Insgesamt betrieb die Schweizer Luftwaffe danach 84 Alouette III. Nach 46 Jahren und weit über 300 000 Flugstunden standen am Freitag, 10. Dezember 2010, letztmals Helikopter des Typs Sud Aviation Alouette III bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz.


Vorbild für den Nachbau

Am 4. Juni 1971 erhielt die Rettungsflugwacht ihren ersten ausschliesslich mit Gönnergeldern finanzierten Helikopter, nämlich eine Alouette III SE 316B (SE 3160) mit der Immatrikulation HB-XDF. Mit der Alouette III, die während vieler Jahre das Rückgrat der Rega-Helikopterflotte gebildet hat, gelang der eigentliche Durchbruch der Helikoptrrettung im Hochgebirge.

Die HB-XDF wurde 1980 ausgemustert und steht heut im Verkehrshaus in Luzern. Nicht nur bei der Rettungsflugwacht wurde die Alouette III eingesetzt, alle namhaften Schweizer Operatoren hatten diesen Typ in ihrem Maschinenpark. Zum heutigen Tage sind noch zwei Alouette III im Schweizer Luftfahrzeugregister eingetragen.



Leider hört man aber heute den unverwechselbaren Sound des Turbomeca noch ganz, ganz selten oder fast nie mehr.

Im April 2019 erhielt Hardy Mosberger den Semi-Scale-Bausatz vom deutschen Hersteller Vario Helicopter Uli Streich GmbH & Co. KG. Ebenfalls im Paket waren die Mechanik, Turbine Jakadofsky PRO 5000, Tank, Heckrotor und Rotorkopf inklusive der passenden Blätter.


Unbrauchbare Heckbefestigung

Als Tragkonstruktion im Rumpf ist nicht etwa ein Spantensatz aus Sperrholz vorgesehen, sondern dafür sorgt eine Edelstahl-Rohrkonstruktion. Dadurch entfallen aufwendige Epoxy-Klebearbeiten, was sich auf das Gewicht am Schluss positiv auswirken kann. Nicht zu gebrauchen ist die Zentralverschraubung für das Heck. Der hintere Teil des Rumpfes, dort, wo das Heck angeschraubt wird, ist nach dem Einbau der Tragkonstruktion und Mechanik nicht mehr erreichbar. Da sieht Vario eine verlängerte Zentralschraube mit Rändelmutter vor, welche bis an die Rückwand der Kabine reicht. Leider ist dieses System wahrscheinlich nur für einmaliges Anschrauben gedacht. Bei einer späteren Trennung fällt die Kupplung nach unten, was eine mühsame Bergung im Rumpf zur Folge hätte und wegen der stehenden Mechanik kaum möglich ist. Einmal zusammengeschraubt, sollte es mit der Lösung von Vario nie wieder gelöst werden. Also musste dies von Hardy modifiziert werden, muss er doch das Heck für den Transport jeweils wegnehmen. Mit zwei Platten und Federn dazwischen, analog Druckplatte einer Kupplung beim Auto, wurde kurzerhand diese Verschraubung modifiziert. So wird beim Lösen der Zentralverschraubung die Kupplung auseinandergedrückt und die Kupplung bleibt auf dem Kohlerohr, das zum Heck geht, sitzen. Wie so eine nicht funktionierende Ausführung von Vario als immer wieder abnehmbares Heck verkauft werden kann, wissen die Götter.



Nackter Rumpf, Türen wie beim Vorbild

Beim näheren Betrachten des Rumpfes stellte sich aber weitere Ernüchterung ein, fehlten doch darauf sämtliche Scale-Details.

Nun, ein Modellbauer, der hier scheitert, ist Hardy nicht. So kam der kurz davor erworbene 3D-Drucker zum Einsatz. Für den Einsatz des 3D-Druckers erfordert es aber auch die Erstellung von 3D-Zeichnungen, mit welchen der Drucker gefüttert werden kann. Unzählige Details zeichnete er im CAD, druckte diese aus, und der Rumpf bekam dadurch langsam, aber sicher sehr ähnliche Züge wie das Vorbild.

Natürlich dürfen auf dem Rumpf auch die Nieten nicht fehlen. Nach dem Aufzeichnen der Linien mit Bleistift wurden über 5000 Nieten aus Weissleim gesetzt.


Technische Daten
Daten SE-3160Daten Modell
Rumpflänge:10,11 m2,45 m
Rotordurchmesser:10,93 m2,50 m
Höhe:2,95 m0,68 m
Zuladung:maximal 7 Sitze–
Leermasse:1042 kg28 kg
Startmasse:2100 kg28 kg
Antrieb:Gasturbine Turbomeca Artouste IIIIB mit 570 Wellen-PSJakadofsky PRO 5000, 6 kW
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h auf Meereshöhe–
Reisegeschwindigkeit:190 km/h auf Meereshöhe–


Im Weiteren fertigte Hardy Mosberger aus Schweissdraht die Einstiege, Antennen und anderes Zubehör am Rumpf. Die entsprechenden Sockel wurden passend dazu wiederum im CAD gezeichnet und dem 3D-Drucker in Arbeit gegeben. Aber genau solche Details machen halt am Schluss den feinen Unterschied. Die dem Bausatz beiliegenden Beschläge für die Schiebetüren lassen keine einigermaßen funktionierende Türe zu. Dafür fertigte er neue Wagen an, welche, wie bei Vorbild, zuerst ein wenig nach aussen kommen. Danach kann die Schiebetüre nach hinten geschoben werden. Nicht funktionieren können die Scharniere der vorderen Türen. Wenn dann schon, dann richtig, dachte sich Hardy und fertigte die Scharniere entsprechend dem Original. Aus Messing, mit Dremel und Feile entstanden die speziellen Scharniere, damit auch der Drehpunkt der Türe stimmt. Etwas anders ist auch der Einstieg bei der hinteren linken Schiebetüre, damit das Seil der Rettungswinde nicht am Rumpf streift. Früher konnten die Winden noch nicht herausgeklappt werden, da sie starr am Rumpf befestigt waren. Entsprechend dem Vorbild wurde auch dieses Detail minutiös nachgebildet, inklusive einer funktionierender Bodenklappe. Auch aus dem 3D-Drucker und der Werkstatt von Hardy Mosberger sind das Lastengeschirr mit Lasthaken, die Skier, die vielen Antennen und das Staurohr. Die vielen Details sind es jeweils, die ein Modell zu einem speziellen Unikat machen.



Lackierung

Um die Lackarbeit durch einen Lackierer und auch die Kosten in Grenzen zu halten, wurden nur die Spritzarbeiten durch einen Autolackierer ausgeführt. Schleif- und Abdeckarbeiten sowie das Aufbringen der Decals wurden durch den Erbauer in Eigenregie erledigt. Ein Resultat, das einfach rundum passt, als das Modell fertig aus der Lackiererei kam.

Nach dem Wiedereinbau aller mechanischen Komponenten und der Komplettierung durch die elektronischen Sachen konnte bald an die Programmierung und das Einfliegen gedacht werden.

Die folgende Elektronik wurde in der Alouette III verbaut: Servos von MKS, Akkuweiche PowerBox evo, Flybarless AXON von Bavarian, 2x Empfänger Futaba R7008SB (1x RC, 1x Licht, Winde, Lasthaken) 2x Akku PowerPak 2.5X2 PRO, 1x 3S-Konion-Akku 3S für Turbine, 1x 2S Lipo-Akku für Licht.



Erstflug mit einer Ernüchterung

Nach der erfolgten Programmierung und Kontrolle der ganzen übrigen Teile im und am Helikopter stand im Mai 2020 der Erstflug an. Alles ging tadellos über die Bühne und das Modell lag sehr gut in der Luft und auch das Flugbild beschädigte Hardy für die vielen Mühen beim Bau.

Leider stellte er aber nach einer Flugzeit von nur 20 Minuten fest, dass sich im Rumpffinnen weisser Kunststoffabrieb ansammelte. Bei einer genaueren Kontrolle konnte dieser dem Hauptzahnrad zugeordnet werden. Das Hauptzahnrad ist für das Abfluggewicht von 27 kg einfach zu schwach ausgelegt. Nach langen Überlegungen entschied sich Hardy Mosberger, die stehende Mechanik von Vario durch eine Hängemechanik von Helifactory zu ersetzen. Dieser Wechsel hatte aber auch zur Folge, dass der Rotorkopf ersetzt werden musste. Vario hat in ihrer Ausführung eine 12-mm-Rotorwelle, für 27 kg Abfluggewicht auch an der unteren Grenze, Helifactory eine mit 15 mm. Ebenfalls ist beim Vario-Scale-Rotorkopf eine starke Dämpfung eingebaut. Dies verunmöglicht ein Fliegen fast bei Wind in Zusammenhang mit einem FBL.

Mit diesem neuen Set-up mit Helifactory-Scale-Rotorkopf und Mechanik hat Hardy Mosberger mittlerweile gegen die 20 Flugstunden auf der Alouette III. «Nun macht der Heli Freude beim Fliegen und macht auch das, was der Pilot steuert», so der Erbauer und Pilot zum Schluss.

Bilder: Hardy Mosberger, Alois Müller, Anton Laube

Das sind dann die Bilder, die über die ganzen Mühen hinwegschauen lassen.




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