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Spiele in der Natur

von Res Dauwalder
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Mit einem feinen Ruck setzt sich die Luftseilbahnkabine in Bewegung; in einer Ecke der Kabine stapeln sich Segelflugmodelle, Sender und Koffer mit Reparaturmaterial. Lebhaftes Gespräche zeugen von grosser Vorfreude auf die vier Tage mit schönen Segelflügen vor eindrücklicher Kulisse.


In wenigen Minuten erreichen wir eine «andere Welt», grüne Wiesen, Tannengruppen, dazwischen Almhütten, die schöne Szenerie begleitet vom Plätschern eines mäandrierenden Bergbachs – das Ganze tönt kitschig, ist aber im Engstligental an diesem schönen Sommertag im Juli Realität...! Das Gesamtbild sieht wunderschön aus, der abgeschlossene Talkessel spricht aber eigentlich gegen ein gutes Hangfluggebiet.

Nachdem wir unser Gepäck im Berghaus deponiert haben, streben wir vollbepackt unserem Fluggebiet zu. Sofort fliegen ist das Ziel, Modell um Modell wird gestartet. Die aufgestaute Vorfreude wird in Taten umgesetzt: für vier Tage wird es an unserem «Hängli» etwas lauter...!

Der Hang ist klein und dies in jeder Hinsicht: lediglich etwa 200 m breit und auch die Höhendifferenz bis zum Boden des Talkessels mit ca. 80 m ist nicht überwältigend! Erstaunlich und eigentlich unerklärbar ist die Tatsache, dass wir an diesem kleinen Hang bei guten Bedingungen bereits Höhen von über 300 m erreicht haben! Klar ist die Thermik verantwortlich; die Topografie und die Richtung des Talwindes sprechen aber nicht unbedingt für diese guten thermischen Verhältnisse!

Vielleicht sind aber genau die unspektakulären Flugbedingungen das Geheimnis unseres Vereinsanlasses: die kleinen Abmessungen des Hanges schränken die Modellwahl enorm ein: kleine, leichte Segler mit einem Fluggewicht von höchstens 1,5 kg und einer maximalen Spannweite von 2,5 m mögen für viele Modellsegelflieger ausschliesslich ein Negativpunkt sein. Die Modellvielfalt ist gleichwohl erstaunlich gross: leichte Thermiksegler, Nurflügel, kleine leichte Oldtimer, ARF-Allroundsegler oder gar vorbildähnliche rassigere Modelle sorgen für Abwechslung am Hang. Bisweilen können gar kleine EPP-Gleiter bestaunt werden, welche dank RC-Ausrüstung die Hangkante unsicher machen, Die Tatsache, dass alle anwesenden Modellflieger mit ähnlich kleinen Modellen anwesend sind, verbindet, es ist nicht wichtig, wer das grösste, neuste und schönste Modell hat; dabei sein und gemeinsam Spass haben ist alles! →


Kleine, häufig selbst gebaute Modelle wie die zahlreich vorhandenen MUxys oder die Ka-8 haben noch andere Vorteile: das Spiel mit dem Fluggerät, den topografischen Gegebenheiten und den meteorologischen Verhältnissen steht im Zentrum; man darf auch Grenzen ausloten. Ganz bewusst eine «Absaufübung» in Kauf zu nehmen, ist mit solchen Modellen kein Problem – es werden keine grossen Geldbeträge aufs Spiel gesetzt. Und sollte es schief gehen, ist spontane Hilfe vorhanden, die Reparaturmethoden sind ab und zu etwas unkonventionell – Hauptsache, möglichst schnell wieder fliegen!

Hat man sich hingegen dem Hang entlang auf Augenhöhe zurückgekämpft, so ist die Freude gross und das Vertrauen ins eigene Können wächst mit jedem derartigen Erfolg; sieht man das Modell eine Stunde später wieder von oben, so schnellt der Puls nicht wieder empor – die letzte solche «Übung» ist ja positiv verlaufen. Das Gefühl für die Feinheiten des Segelflugs wächst mit jedem Erfolg; auch wenn die Modelle klein sind, sind solche persönlichen «Siege» wertvoll – das fliegerische Können und das Gefühl für die Aufwinde wachsen.


Nehmt mir einen feinen Seitenhieb nicht übel: das geschilderte Spiel ist mit Elektrounterstützung, welche man immer wieder in Anspruch nimmt, auch wenn sie nicht nötig wäre, nicht halb so lustig bzw. wertvoll!

Für kleine Segelflugmodelle sind Hänge mit extremen Aufwinden oft nicht gut geeignet. Die Flüge gleichen häufig eher einem Überlebenskampf und der Genuss hält sich in Grenzen. Das spielerische «Polieren» der Hangkante ist mit einfachen ehemaligen Freiflugmodellen – heute selbstverständlich ferngesteuert – an «unserem» Hängli gut möglich und macht viel Spass. Es ist bei guten Bedingungen gar Staffelflug möglich, wer hätte dies vor 50 Jahren in der Blütezeit dieser Graupner-Modelle gedacht...!

Doch zurück zum nächsten Kapitel der wertvollen Spielereien: Hat man das eigene Modell gut im Griff, kann man das Spektakel noch etwas ausbauen! Staffelflug, unsere Lieblingsdisziplin, wird bei jeder günstigen Gelegenheit ausgelebt! Nebst eigenem Modell, Topografie und Meteo muss jetzt noch das Miteinander, selbstverständlich möglichst nah, gepflegt werden. Ab und zu wird es etwas eng und es gelingt nicht ganz alles nach Wunsch! Und auch hier: Reparaturen an kleinen, einfachen, dazu selbst gebauten Modellen sind einfach und schnell durchgeführt. Einige Minuten später lockt der nächste Flug; die Flugzeiten sind lang und entsprechend machen die Pilotinnen und Piloten schnell grosse Fortschritte.


Und dann folgt mit zunehmendem Übermut das Spiel aller Spiele: der Massenstart!

Die Startordnung wird erstellt. «Achtung, fertig, los...!» Über 20 Modelle fliegen zuerst kurz gerade vom Hang weg, dann drehen alle nach rechts und es folgt mit etwas Überfahrt die Wende rechts am Hang. In weit geschwungenen Achten gleiten die Modelle über fünf Minuten dem Hang entlang – ab und zu wird es etwas eng. Nach gelungenem «Massen-looping» folgt der «Tannenschlugg» – da wird der Luftraum beängstigend knapp. Übrigens: Der Leimverbrauch hält sich erstaunlicherweise in engen Grenzen – so lange, wie alle ungefähr in dieselbe Richtung fliegen...!

Bei einem Massenstart von über 20 Modellen dabei sein, unabhängig von den eigenen Flugfähigkeiten, das verbindet! Das «Miteinander» steht ganz im Zentrum und wenn dann die Modellwolke gemeinsam, die Modelle eng beisammen, der Hangkante entlang gleitet, ist das schon ein «seeehr» speziell gutes Gefühl!

Unser gemeinsamer Spieltrieb ist noch nicht befriedigt: trotz aufkommenden «Nebelchen» werden im nahe gelegenen Speichersee die Wasserflugmodelle getestet, für uns immer wieder eine reizvolle Herausforderung voller Überraschungen. Sollte es hier schief gehen – kann ja sein – geht die ganze Spielerei weiter: ein echtes Dampfermodell schiebt das «gewässerte» Flugmodell zurück, auch das ein spielerisches Spektakel...! Ein herzliches Dankeschön an den Dampferkapitän...! Einer Abkühlung im Speichersee steht anschliessend nichts im Weg. Etwas hätte ich noch fast vergessen; zwei Punkte sind für mich für das Gelingen dieses langjährigen Anlasses sehr wichtig:

1) Viele Familienangehörige sind dabei, auch solche, welche nicht fliegen; sie bringen wertvolle «Farbtupfer» in den Anlass! Und gerade die Frauen holen uns ab und zu wieder etwas auf den Boden der Realität zurück – das schadet nicht; ich danke ihnen an dieser Stelle für die unbezahlbare Unterstützung! Ohne diese Unterstützung würde es den Anlass kaum bereits mehr als 30 Jahre(!) geben...

2) Zahlreiche schöne Naturaufnahmen und meine Beschreibung der ganzen Szenerie oben beweisen es: Die Arena, in welcher unsere Spiele stattfinden, ist wunderschön und äusserst wertvoll! Sie ist auch nicht einfach austauschbar.

Vier schöne Tage mit wunderschönen Augenblicken gehen zu Ende, wie immer viel zu schnell! Wir werden 2024 wiederkommen! Und vielleicht lockt das unbeschwertere und erholsame Spiel am Hang interessierte ZuschauerInnen zu unserem faszinierenden Hobby...?!?



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