Titelstory

Pulsojet – Die Attraktion an Schaufliegen

von Hermann Mettler
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Jubiläum 25 Jahre Swiss Pulsojet Team



Hermann Mettler

Pulso Delta: Spannweite 1,05 m; Länge 1,3 m; Gewicht 4,7 kg; max. Fluggeschwindigkeit 391 km/h, hier im Landeanflug.



Ein Vierteljahrhundert zu existieren ist für manche Popband schon eine Ewigkeit. Rogers Knobel hat es geschafft, seine beiden Kameraden Alfred Andrist (Fred) und Budi Habegger (Budi) so intensiv mit dem Virus Pulsojet zu infizieren, dass sie nach 25 Jahren noch immer mit Begeisterung im Team dabei sind.


Entwicklung des Pulsoantriebs – es geschah vor 70 Jahren

Das Pulsotriebwerk gehört zu den Rückstrahltriebwerken. Es ist technisch sehr einfach aufgebaut und enthält im Gegensatz zu einer Turbine kaum bewegte Teile. Dies war ursprünglich auch der Grund für dessen Entwicklung während des Zweiten Weltkrieges. Serienmässig wurde es erstmals in der berühmten V1-Rakete (Vergeltungswaffe) eingesetzt. Hier störten die typischen Nachteile eines hohen Verschleisses bei einem eher tiefen Treibstoffwirkungsgrad nicht. Auch der grosse Lärm dieser ersten Cruise Missile (Marschflugkörper) wurde am Anfang noch gerne in Kauf genommen. Denn auch die Sturzkampfbomber JU-87 (Stuka) konnten mit ihren sehr lauten Sirenen die Bevölkerung im Feindesland in Angst und Schrecken versetzen. Erst im späteren Verlauf des Krieges zeigten sich gewisse Nachteile dieses kostengünstigen Einwegtriebwerkes. Der grosse Lärm schreckte die Mannschaften der gegnerischen Fliegerabwehr frühzeitig auf. Die eher langsame Fluggeschwindigkeit von ca. 630 km/h erlaubte es den damaligen schnellen Kampfflugzeugen, durch Antippen mit ihren Tragflächenspitzen die fliegenden Bomben vom Kurs abzubringen oder diese gar in einen Spiralsturz zu versetzen. Dieser endete oft in einem sofortigen Absturz.



Das Pulsotriebwerk – wie funktioniert es?

Die angesaugte Luft tritt von vorne ein. Unmittelbar dahinter wird sie in der Brennkammer mit dem eingespritzten Treibstoff vermischt und danach gezündet. Dies geschieht durch die noch im Rohr verbliebenen brennenden Gasreste der vorangegangenen Explosion, welche pyrotechnisch betrachtet eigentlich eine Verpuffung ist. Der ansteigende Druck bewirkt das Schliessen der vorne eingebauten Flatterventile. Die Verbrennungsgase strömen jetzt nur gegen hinten hinaus. Durch den nachfolgenden Druckabfall im Brennraum öffnen sich die Flatterventile erneut und saugen frische Luft für den nächsten Explosionsvorgang an. Der so erzeugte Gasstrahl liefert den für den Antrieb notwendigen Schub. Das Triebwerk wird im Betrieb sehr heiss. Um keine thermische Zerstörung des Rumpfes zu riskieren, muss es separiert angebracht werden. Dank dem raschen Katapultstart wird das sich schnell erwärmende Rohr sofort von aussen durch den Fahrtwind gekühlt, was eine Überhitzung verhindert. Durch die ständigen Explosionen im Rohr entstehen Schallwellen. Diese sind für den sehr hohen Lärmpegel verantwortlich. Eine erwünschte und für den Betrieb notwendige Resonanz im Rohr sorgt noch für eine zusätzliche akustische Überhöhung des Schalldruckes. Als Folge werden die Flatterventile sehr stark beansprucht. Sie unterliegen einer hohen Abnutzung und werden spätestens nach jedem zweiten Showflug ersetzt. Denn pro Sekunde haben sie ca. 240 Explosionen zu bewältigen. So entsteht auch der typische, im Tieftonbereich liegende Pulso-Sound. Leider mögen nicht alle Anwohner diesen aussergewöhnlichen Klang. Darum fliegt das Pulso-Team nie länger als drei Minuten und höchstens zwei Mal am Tag. Vom Treibstoff her ist das Triebwerk ziemlich anspruchslos. Es kann Reinalkohol, Benzin, Diesel oder Kerosin verbrennen. (Der abgebildete Jet fliegt mit Kerosin.) Abhängig davon ist dann der Geschmack entweder völlig neutral oder vermittelt im Fall von Kerosin ein wenig den Duft nach der grossen, weiten Welt. So wie er auf den meisten Flughäfen oft sehr gut wahrnehmbar ist.



Das kaum überhörbare Ereignis – eine Pulso-Flugvorführung

Jeder Schritt ist sorgfältig eingeübt. An einer Show wird gar nichts dem Zufall überlassen. Die Sicherheit aller Beteiligten verlangt es so. Die Startrampe, ein Katapult mit Seilzug, ist genau in die Windrichtung ausgerichtet. Fred (rechts im Bild) lässt gerade ein Gemisch aus Pressluft und Gas von vorne in die Brennkammer einströmen. Budi (links im Bild) ist bereit, auf das Kommando von Rogers das Gas von hinten her zu zünden, um damit den Verbrennungsvorgang in Gang zu setzen. Feuerfeste Handschuhe und ein Gehörschutz sind dabei Pflicht. Sobald der Jet Schub produziert, wird er auf dem Katapult beschleunigt und so auf eine steuerbare Geschwindigkeit gebracht. Im Flug steuert Fred die Geschwindigkeit mittels Einspritzmenge des Treibstoffs, welche durch die Treibstoffpumpe präzise dosiert wird. Gleichzeitig überwacht Budi die Flugdauer und momentane Geschwindigkeit des Jets. Ein eingebautes Telemetriesystem liefert ihm im Sekundentakt die Geschwindigkeitswerte. Da der Jet sehr schnell fliegt und dazu über ein ausgezeichnetes Gleitvermögen verfügt, muss der Landeraum sorgfältig eingeteilt werden. Budi informiert beim Anflug den Piloten über die von ihm abgelesenen Werte, damit dieser genau im richtigen Moment die Treibstoffpumpe abstellen und die Landung einleiten kann. Sobald das Flugzeug am Boden ist, setzt Fred zu einem kräftigen Spurt an und holt den Jet wieder innert kürzester Zeit zurück zum Startort. So kann die nächste Vorführung der Flugshow ohne Zeitverzug fortgesetzt werden.


Sympathie der Zuschauer – oder was auch noch dahintersteckt

Es gab schon Zuschauer, die sich nach den Verdienstmöglichkeiten im Flugshowbetrieb erkundigten. Doch Rogers musste sie enttäuschen. Wie viele andere Hobbys ist auch die Pulsofliegerei stark defizitär. Vor allem bei Auftritten an Flugshows in Amerika oder Asien. Oft sind auch lange Anreisen durch halb Europa erforderlich. Sie erfordern viel Zeit und verursachen erhebliche Spesen, die jeweils vollständig durch das Team übernommen werden. Das Pulso-Team zeigt die Vorführungen hauptsächlich, um den vielen davon faszinierten Zuschauern damit Freude und Unterhaltung zu bieten. Dazu sind die drei Herren noch immer selber von dieser Technik begeistert, welche sie inzwischen ganz vorzüglich anzuwenden verstehen. Dank der Farbe Pink, die auf dem Zubehör, den Kleidern, dem Transportbus und sogar auf dem Jet präsent ist, ist das Team in der Öffentlichkeit unverwechselbar. In der Showszene zirkulieren darüber schon einige Anekdoten. So versuchte Rogers den Pamir-Gehörschutz in violetter Farbe zu bestellen. Die Dame am Telefon meinte darauf in einem leicht unterkühlten Ton, dafür sei es zu spät. Denn die Fasnacht beginne doch schon in der kommenden Woche. Das Team hat auch konsequente Vorlieben für Getränke. Als Pilot bevorzugt Rogers Cola. Budi und Fred halten sich auch an diese Wahl und trinken es ebenfalls. Da ihnen die reine Form dieses Getränks auf die Dauer doch etwas eintönig erscheint, verdünnen sie es gelegentlich mit Whisky... Die leicht unterschiedliche Farbe wird jedoch vom umgebenden Publikum kaum wahrgenommen, und so bleibt der einheitliche Auftritt gewahrt. Amerikanische Firmen nennen dies Corporate Identity. Und damit es den vielen begeisterten Zuschauern nach der kurzen Show nicht plötzlich langweilig wird, schiebt Budi gerne noch ein paar unterhaltsame Sprüche hintennach. Für alle Pulsojet-Liebhaber betreibt Rogers die Website www.pulsojet.ch. Dort sind auch immer Ort und Termine der nächsten Auftritte aufgeführt. Gut informierte Zuschauer erkennt man jeweils immer am mitgetragenen Pamir.




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