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Erfahrungsbericht Kyosho Hype DG1000 ARF-Version

von H. J. Baum
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Wer an Segler-Modellflugzeuge mit Klapptriebwerken denkt, weiss, dass diese sündhaft teuer sind. Doch seit Kyosho-Hype ihren neusten Wurf, eine DG1000 im Massstab 1:9,9 präsentierte, hat sich das geändert.



«Ja, da wirst du heute ohne Antrieb nicht weit kommen!» belehren mich zwei Modellflieger etwas mitleidig, als ich auf einem Hügel bei Windstille und ohne Anzeichen von Thermik meine neue DG1000 startklar mache. Doch schiebe den Gasknüppel zwei Zacken nach vorne, das Klapptriebwerk fährt aus und nach einem kleinen Schubser steigt das Modell mit Vollgas in einem 40-Grad-Winkel zügig in den Himmel. Leider kann ich die erstaunten Gesichter der beiden Kollegen nicht geniessen, denn ich muss meinem Modell nachsehen, das bald an der Sichtgrenze angekommen ist. Einer meint:

«Ach ja, davon habe ich gelesen ...!»

Noch hat man die Show mit der neuen Kyosho-Hype DG1000 im Sack. Aber nicht mehr lange. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sich nicht nur Freunde von «Schaumwaffeln» in dieses äusserst innovative Modell verlieben, sondern auch sogenannt «ernsthafte» Modell-Piloten.


Sowohl RTF als auch ARF

Die Kyosho Hype DG1000 hat rund 2 Meter Spannweite und ist aus einem neu entwickelten, EPP-ähnlichen Schaumstoff namens Hypodur gefertigt. Hohe Stabilität sollen zudem Kohlefaser-Holmen in den Tragflächen und im Höhenleitwerk ergeben. Das Modell gibt es in einer RTF-Version (ready to fly) inklusive fünfkanaliger 35-MHz-Fernsteuerung und allem Drum und Dran sowie einer ARF-Version (almost ready to fly), die keine Fernsteuerung enthält

und bei der Empfänger und Lipo hinzugekauft werden müssen.

Bestückt ist das Modell mit 4 Microservos für Quer-, Seiten- und Höhenruder sowie einem Standard-Servo, das über einen Seilzug aus Kevlar das Klapptriebwerk ein- und ausfahren lässt. Während bei der RTF-Version das Mix-Modul, das fürs Ein- und Ausfahren des Triebwerkes verantwortlich ist, in der Fernsteuerung eingebaut ist, wird bei der ARF-Version ein separates Mix-Modul mitgeliefert, das zwischen Regler und Standard-Servo geschaltet wird. Erprobt wurde die ARF-Version.


Gut justiert ist halb geflogen ...

Das Einpegeln des Klapptriebwerkes ist keine Hexerei, erfordert aber doch eine gewisse Aufmerksamkeit. Wer seine Fernsteuerung so weit kennt, dass er einen Servo umpolen, den Weg begrenzen und den 5. Kanal mit einem Schalter versehen kann, schafft das locker. Damit der ganze Klapperatismus reibungslos funktioniert, muss zudem die Gastrimmung am Sender genau bestimmt am mittels zweier Potis am Mix-Modul weiter optimiert werden, bis das Aus- und Einfahren des Triebwerkes absolut reibungslos und ohne Knurren des Servos in den Endpositionen abläuft.

Je nach Stellung des Schalters für Kanal 5 resultieren zwei Betriebsarten:

– Normal-Modus: Klapptriebwerk bleibt immer ausgefahren, egal wie viel Gas man gibt. →


Technische Daten
Kyosho-Hype DG1000
Massstab:1:9,9
Material:Hypodur-Schaumstoff
Spannweite:2010 mm
Länge:970 mm
Motor:Brushless Aussenläufer
Fernsteuerung:5-Kanal
Gewicht:ca. 750 g


Zu beachten...

Während der Normal-Modus eigentlich reizlos ist, erfordert letztgenannter doch etwas Fingerspitzengefühl beim Bedienen. Zu beachten ist, dass das Einfahren des Triebwerks im Stand meist nicht ordnungsgemäss funktioniert, weil hier der Fahrtwind fehlt. Dieser muss bei ausgeschaltetem Motor den Propeller weiterdrehen, damit er in der vertikalen Position von einem Gummipuffer gebremst und arretiert werden kann. Das Mix-Modul ist so programmiert, dass das Triebwerk rund 3 Sekunden nach dem Stoppen des Propellers einfährt.


Fehlfunktionen

Folgende Fehlfunktionen wurden beobachtet: Macht man das Modell beim Einfahren des Triebwerkes zu langsam, bleibt der Propeller aufgrund des zu schwachen Fahrtwindes in irgendeiner Stellung stehen. Der Versuch, einen querstehenden Propeller in den Schacht einzufahren, endet mit einer Blockade und der Servo knurrt hässlich vor sich hin. Dumm ist das Ganze, weil man es in der Höhe kaum sieht, ob das Triebwerk klemmt oder richtig ein-

gefahren ist. Einfache Abhilfe: Beim Einfahren des Triebwerkes auf genügend Fahrt des Modells achten!

Ein weiteres, allerdings wesentlich kleineres Problem besteht darin, dass die beiden Klappen aufgrund zweier Führungen zuweilen nicht hundertprozentig schliessen. Nach etlichem Überlegen und Zögern habe ich diese beiden kleinen Führungsstifte brutal abgeschnitten, und nun funktioniert alles bestens.


Nachlässige Fertigung

Wenig Grund zur Freude gibt eine ungenaue Verklebung der unteren und oberen Halbschale der rechten Tragfläche. Die so entstehende Kante von 1 bis 2 mm reicht über die ganze Tragfläche und verbessert die Flugeigenschaften gewiss nicht. Einem deutschen Kollegen wurde auf eine Reklamation hin ein neues Modell geschickt. Und siehe da: Auch beim neuen Modell war diese Kante vorhanden. Es scheint, dass hier Kyosho etwas allzu nachlässig fertigt. Egal ob man Hypodur versucht zu schleifen oder mit einem ultrascharfen Messer schneidet, unter der Oberfläche wird das Material weich und müsste behandelt werden. Doch wie heisst es doch so schön: Ärger macht den Ärger nur noch ärger! Am besten

lässt man das ganze, wie es ist...es fliegt ja auch so. Es ist zu hoffen, dass Kyosho diese Unschönheit rasch beheben wird.


Schönes Flugbild

Wer das Modell in der Ebene, also ohne Aufwind, selber wirft, muss darauf gefasst sein, dass es bei Vollgas durch das erhöhte Triebwerk erst mal nach unten streben will. Also tüchtig nach oben schubsen und es es steigt zügig weg. Das Flugbild ist echt schön anzusehen. Extrem langsames «Hermurgurken» ist jedoch kaum möglich, es muss recht zügig geflogen werden. Die Flugzeit mit einem 3S-1300-mAh-Lipo betrug ohne jegliche Thermik mit rund 7-maligem Steigen etwa 20 Minuten. Mit Thermik, oder am Hang mit etwas Aufwind, sind natürlich dementsprechend längere Flüge möglich.


Flugzeit ist Showtime

Das Einfahren des Triebwerks funktioniert einwandfrei, wenn man darauf achtet, dass das Gas langsam zurückgenommen und – wie schon erwähnt – auf genügend Fahrt geachtet wird. Die Flugeigenschaften dieses leichten Seglers sind durchaus gut. Ein angestochener Looping kommt schön, eine Rolle sieht aber recht jämerlich aus. Also gewiss kein



Modell für Kunstflugexperten, sondern für Geniesser, die überall – mit oder ohne Aufwind und Thermik – entspannt ihre Runden ziehen wollen. Eine immer gut ankommende Show ist es, scheinbar zur Landung einzuschweben und dann so einige Meter vor den Zuschauern das Triebwerk auszufahren und erneut zügig gen Himmel aufzusteigen.


Wintertauglich

An einem eiskalten Wintertag mit tief hängender, grau-weißer Bewölkung und 5 Grad unter Null durfte die DG1000 ihre Wintertauglichkeit in der Ebene von Maschwanden unter Beweis stellen. Die Stabilität des Hypodurs blieb erstaunlicherweise praktisch voll erhalten. Leider hatten sich die farbigen Abziehbilder, die auf



dem Hypodur nicht gut haften, bei diversen Reinigungsaktionen fast alle gelöst. Das Modell war nun nach dem Motto der Ostfriesen «Weisser Adler auf weissem Grund» teilweise kaum mehr am total bedeckten Himmel zu erkennen. Einige Gewaltsrettungsmanöver an der Sichtgrenze (ohne Bodenberührung!) steckte das Modell mit aufgeschnallter FlyCamOne2 samt Zusatz-Akku locker weg.


Geglückter Bodenstart

Höhepunkt dieses Flugnachmittags war aber die absolut geniale Idee von Kollege Loki-Hans, einen Bodenstart auf dem Schnee zu versuchen. Dieser klappte dann auch tadellos quer zur Piste, genau in Richtung der eiskalten Bise. Nach

rund 4 Metern hob das Modell, nach perfektem Gleiten auf dem Schnee ab und erreichte in wenigen Sekunden eine Höhe, wo es im tief hängenden Gewölk erneut kaum mehr sichtbar war ...


Fazit

Die Kyosho-Hype DG1000 mit 2 Metern Spannweite bietet zu günstigem Preis ein gut funktionierendes Klapptriebwerk, das aber doch einiger Aufmerksamkeit bedarf. Obwohl die Marketing-Leute von Kyosho-Hype als Zielgruppe «Einsteiger, Fortgeschrittene & Profis» angeben, ist diese DG1000 ganz gewiss kein typisches Anfängermodell, sondern gehört in die Hände von Piloten mit etwas Flugerfahrung.

*H. J. Baum*



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