Editorial

Kommt der China-Schock – oder wie doof ist Geiz?

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Kürzlich hat der Präsident oder der Direktor – Titel sind austauschbar – eines schweizerischen Wirtschaftsverbandes in einer Radiosendung zum Ausdruck gebracht, dass in der Schweiz früher Loks gebaut wurden, dies aber heute nicht mehr möglich sei. Deshalb hätte sich die Schweiz vom Produktions- zum Dienstleistungsstandort gewandelt. Wie Unrecht Sie haben, Herr Präsident oder Herr Direktor! Die Firma Stadler beweist, dass auch in der Schweiz High-Tech-Bahnen – auch Loks – gebaut werden können. Da kommt ein Libanese in die Schweiz und zeigt, wie bei uns Uhren sogar im Billigsegment erfolgreich produziert werden. Auch dies hatten die grossen Ökonomen schon längstens Asien vorbehalten. Wir sind noch immer in der Lage Konsumgüter zu produzieren. Vorausgesetzt, dass ein Grossteil des Gewinns nicht von irgendwelchen Finanzjongleuren und Verwaltungsräten abgarniert, sondern in Forschung, Entwicklung und Bildung investiert wird.

Kurzfristiges Gewinnstreben sowie ganz generell die Unfähigkeit auch in schwierigeren Zeiten etwas durchzustehen, sind unseren Produktionsstätten in hohem Masse abträglich.

Wir im Westen sind ganz generell träge geworden und begnügen uns mit dem Herumschieben von oftmals nur virtuell Vorhandenem. Modellbauindustrie und -handel begnügt sich zu sehr mit dem Einkauf an chinesischen Spielwarenmessen. Anschliessend wird die Ware mit dem eigenen Brand versehen und via Web oder Laden unter die Modellflieger gebracht. Die Frage ist, ob ein Geschäftsmodell ohne Eigenentwicklung/Produktion aufgehen wird. Das Direktbestellen in Asien via Internet macht unserem Fachhandel schon heute zu schaffen und die Tatsache, dass ein und dasselbe Produkt unter verschiedenem Namen auf den Markt kommt, könnte bald zu einer Übersättigung führen. Die Preise geraten noch stärker unter Druck, während gleichzeitig auch die chinesischen Produzenten besser verdienen wollen.

Wir müssen uns auf unser Potenzial besinnen und vermehrt selber entwickeln und produzieren. Kleinbetriebe im In- und benachbarten Ausland zeigen mit ihren Qualitätsprodukten, wies geht. Vergessen wir den Slogan Geiz ist Geil. Er stammt ohnehin nicht aus der Schweiz. Qualität muss nicht unbedingt teurer sein – dreimal ein Billigschmarren kostet auch. Und zum Schluss: Traut all den Experten, die behaupten in der Schweiz lasse sich nicht erfolgreich produzieren, nicht über den Weg. Die meisten von ihnen haben selber noch nie etwas produziert. Vergessen wir nicht, auch eine schweizerische Fluggesellschaft hätte erfolgreich produzieren können, wenn dies nicht von grossen Experten, Managern und Beratern verhindert worden wäre.

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner



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