Ehrenamtlichkeit und Vereins-Hierarchie sind nicht zwingend ein Widerspruch
Liebe Leserin, lieber Leser
Wie die meisten Sportarten, sind auch wir in eine Hierarchie, die sich von lokalen Vereinen über regionale und nationale bis hin zu internationalen Organisationen erstreckt, eingebunden1. Kritik über solche Organisationsmonster darf nicht überhört werden. Viele fühlen sich nicht gut aufgehoben und weit weg von der «Elite». Wohl auch aus diesen Gründen haben kleinere, direkt organisierte, stark themenzentrierte Gemeinschaften Hochkonjunktur. Beispiele sind IGs aller Art: IGG, IG Warbird, IGEJS oder wie das International Jet Model Committee IJMC usw.
Allerdings beruht die Kritik an den Vereins- oder Verbandstrukturen sehr oft auf Unkenntnis unserer föderalistischen Organisation, die weitgehend das schweizerische politische System abbildet. Die Verantwortung wird zwischen den verschiedenen Organisationsebenen aufgeteilt. Wer unsere Verbandshierarchie mit Befehlslinien verwechselt, wird kaum Erfolg haben; denn der damit verbundene Zentralismus wäre bei uns chancenlos. Das bedeutet, dass keine vorgelagerte Instanz der nachgelagerten befehlen kann; es sei denn im Rahmen von klaren Abmachungen. Die «Digitalen» lassen allerdings keine Chance aus, den Zentralismus weiterzutreiben. So bin ich gespannt, wann meine fliegerischen Heldentaten dereinst in Bonn oder Brüssel abrufbar sein werden.
Bleibt die Frage: Wie kann ich in einer Organisation guten Ideen zum Durchbruch verhelfen? Auf der formalen Ebene denke ich in erster Linie an Leistungsvereinbarungen. Für mich gehören diese zur hohen Schule der Demokratie. Befehle und Druck – Ausnahmen sind Sicherheit und gesetzliche Vorschriften – führen kaum zum Ziel. Da helfen uns auch die sogenannten neuen Medien nicht weiter. Viel eher bewährt sich das uralte «pädagogische Prinzip» vom Vormachen, Vorausgehen und Motivieren. Das Allerwichtigste aber ist die Wertschätzung gegenüber all unseren freiwilligen Helferinnen und Helfern. Auch unsere Modellflugorganisation – diese Zeitschrift gehört dazu – funktioniert nur dank unzähliger Stunden freiwilligen Engagements. Dem gebührt Hochachtung und Dankbarkeit. Vielleicht können grad die kommenden, hoffentlich besinnlichen Stunden, dies wieder einmal in Erinnerung rufen.
Ich wünsche euch allen eine erholsame Weihnachtszeit und viele schöne Flüge im neuen Jahr.
Freundliche Grüsse
euer Redaktor
Emil Ch. Giezendanner
1) Siehe auch Organigramm auf Seite 23

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