Editorial

Unser Glaube an Grösse

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Schon viele Jahre sind es her, dass an den Delegiertenversammlungen unseres Aero Club ein Sektionspräsident (heute Regionalpräsident) seine Voten jeweils mit «... wir von der grössten Sektion des AeCS ...» einleitete. Wir «kleinen Modellflieger» haben damals ein bisschen gelächelt, weil wir das komisch fanden. Ein anderer Präsident, diesmal des Aero Club der Schweiz, entschuldigte sich vor nicht allzu langer Zeit bei einem Regionalpräsidenten für sein Fernbleiben an dessen Jahresversammlung mit den Worten, dass es ihm leid tue, ausgerechnet beim zweitgrössten Regionalverband des AeCS nicht anwesend sein zu können. Er hatte vergessen, dass wir Modellflieger – falls er mit «Zweitgrösste» die Mitgliederzahl meinte – unterdessen diese Messgrössen im AeCS schon längstens neu justiert haben. Rein numerisch meine ich. Wie wir Modellflieger in Zukunft «Grösse» definieren wollen, müssen wir uns gut überlegen; denn unsere Mitgliederzahlen haben keineswegs dazu geführt,

dass man uns im AeCS nicht mehr vergisst. Es gibt ganz kleine Organisationen, die Hervorragendes leisten und in der Öffentlichkeit präsenter sind als so genannt Grosse. Das Problem in unserem fliegerischen Dachverband ist schon lang nicht mehr ein Minderheitenproblem, sondern eine Status- oder Prestigefrage. Noch immer gibt es (hoffentlich nur ein paar) Motorflieger, die ausser sich selber keine weiteren Luftraumbenutzer ernst nehmen. Sie von etwas anderem überzeugen zu wollen, ist verlorene Zeit. Hingegen müssen wir im harten Verteilkampf um unseren Luftraum konsequenter auftreten und dafür sorgen, dass wir als vermeintlich schwächstes Glied der Luftraumbenützer nicht zum Prügelknaben der «Grossen» werden. Unsere Modellfluggruppen nehmen ihre Verantwortung wahr; denn sie müssen für ihr Tun gradstehen. Begegnungen in der Luft zwischen Modellfliegern und personentragenden Luftfahrzeugen sind nicht konsequent als Fehlverhalten unsererseits zu verur-

teilen, auch die «Grossen» machen Fehler – sogar Fluglehrer (Beispiele zur Genüge)! Solche Vorfälle müssen in Verbindung mit einem hohen Mass an Transparenz gründlich geklärt werden, damit erstens alle Beteiligten lernen können und wir zweitens ernst genommen werden. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Mit der Polizei kann man uns zwar nicht vom Modellfliegen abhalten – vom Benutzer eines gut organisierten Vereinsfluggeländes zum anonymen «Flug-Indianer» zwingen aber schon. Weitere Einschränkungen des Modellflugbetriebs rund um Flugplätze und Flugfelder könnte die Modellflieger gar zu den Flugplatzgegnern treiben, was unsere Verbände in die wohl schlimmste Krise stürzen würde. Deshalb muss es im ureigensten Interesse der «Grossen Flieger» sein, uns «Kleine» ernst zu nehmen.

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner


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Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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