Editorial

Die «Sowohl-als-auch»-Gesellschaft

von Emil Ch. Giezendanner
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Heute können wir sowohl für die Fussball-EM werben als auch gegen die Nachtflüge sein, welche die Fans heimtransportieren. Fluggesellschaften können sowohl der Sicherheit höchste Priorität bemessen als auch schlecht ausgebildete Piloten engagieren. Piloten können sowohl die besten der Welt sein als auch wie blöd gewordene «Rote Bullen» umherrasen, mit dem Jumbolino über dem Flugplatz Speck ein Piquet fliegen, auf dem gefrorenen Pfäffikersee landen oder am Davoser WEF durch die Sperrzone fliegen. Wir können sowohl die Luftwaffe in den Bergtälern konzentrieren als auch den Tourismus fördern. Unser Bundesrat kann sowohl für Natur- und Umweltschutz eintreten als auch die Wassertöffs bewilligen usw. Im Modellflug geht's zum grossen Glück weit weniger um Geld und Macht und der «Sowohl-als-auch»-Trend spielt sich selten in der grossen Öffentlichkeit ab. Eine Frage der Zukunft könnte z. B. heissen: Kön-

nen wir unser Hobby sowohl immer technisch aufwändiger und teurer gestalten als auch genügend Jugendliche gewinnen? Oder auch, können wir sowohl die notwendigen neuen Flugplätze errichten als auch dem gewaltigen Siedlungsdruck gewisser Regionen widerstehen? Kann rund um unsere Flugplätze sowohl immer mehr andere Freizeitaktivität wie Reiten, Biken, Nordic-Walken usw. stattfinden als auch die Sicherheit gewährleistet bleiben? Wir guten Eidgenossen sind uns jederzeit und überall an gute Kompromisse gewohnt. Leider verlieren wir dabei nicht selten die Tatsachen aus den Augen. Beim Fliegen – ob personentragende Maschinen oder Modellflugzeuge – gibt es eben in vielen Bereichen keine Kompromisse: Entweder der Antrieb funktioniert richtig, oder wir bleiben am Boden. Entweder die Piste ist frei, oder wir können nicht starten – dies trifft auch auf Militärflugplätze zu, wo sich Traktoren mit Güllen-

wagen und Biker auf den Pisten tummeln. Leider sind unsere Behörden meist nur noch dort bereit einzugreifen, wo sie keine starke Lobby zu befürchten haben und keine Staranwälte zum Einsatz kommen. Politiker mit klaren Linien sind offenbar nicht mehrheitsfähig. Noch haben wir nicht verstanden, dass zu viel «Sowohl-als-auch» Glaubwürdigkeit und Integrität unseres Staates und seiner Einrichtungen gefährdet.

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner




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