
Grumman Albatross
Grumman Albatross
Das als Amphibien-Flugboot für Transport, Such- und Rettungseinsätze ausgelegte Flugzeug wurde als SA 16 A mit 24,5 Meter Spannweite produziert. Im Verlauf des Einsatzes wurden viele davon auf 29,5 Meter Spannweite und vergrößerte Leitwerke umgerüstet. Diese Änderungen flossen auch in die Serienfertigung, nun als SA 16 B bezeichnet, ein.
Von 1949 bis 1961 wurden 464 Maschinen hergestellt und weltweit in vielen Ländern eingesetzt. So verfügte auch die deutsche Bundeswehr von 1959 bis 1971 über insgesamt 8 Maschinen, stationiert in Kiel, für den Einsatz über der Nord- und Ostsee und die italienische Luftwaffe über 12 Grumman SA 16 A. Die 12 in Silber, Leuchtrot und Gelb lackierten SAR-Flugboote wurden nach Ausserdienststellung auf verschiedensten Stützpunkten verteilt und sind so teilweise noch heute als Schrotthaufen, Gate Guards oder Museumsexponate vorhanden. Von ca. 140 übrig gebliebenen Grumman Albatross befinden sich heute schätzungsweise 15 bis 20 in flugbereiten Zustand.
Als ich Anfang der 80er-Jahre meine ersten Modelle auf Schwimmer stellte, kam

beim Wasserfliegen schnell der Wunsch nach einer Grumman Albatross auf. So begann ich damals, als dieses Wasserflugzeug bei Aviatik-Enthusiasten und Modellfliegern noch eher unbekannt war und kein Internet existierte, nach Unterlagen für einen Modellnachbau zu suchen. Scale-Unterlagen waren dürftig und brauchbare Modellbaupläne nicht verfügbar. Ich sammelte alles, was an
Literatur zu finden war, reiste in den Sommerferien 1987 nach Italien zum Museum Vigna di Valle in Bracciano, wo mir glücklicherweise der Museumsdirektor Zugang zum Militärgelände verschaffte, um ein Original aus nächster Nähe zu besichtigen. Danach plante ich, ein Modell mit 4,2 Meter Spannweite zu bauen, und besorgte mir im Baumarkt ein Brett von 1,25 × 2,7 Meter, um den Rumpf aufzuzeichnen. Als mögliche Motorisierung stellte ich mir damals zwei Super-Tiger-25-ccm-Glühzunder-Motoren vor.
Die Begeisterung des Wasserfliegens an Orten wie Lugano, Lutry, Schongau oder an den Ufern des Gardasees liess mich nicht los und mit grosser Freude nahm ich in all den Jahren an vielen Meetings teil. Dennoch wurde das Albatross-Projekt, selbst als 1998 am Flugtag in Altenrhein eine aus den USA angereiste Maschine unvergessliche Eindrücke hinterliess, immer weiter verschoben. 2013 griff ich wieder zum besagten grossen Brett und zum Zeichnungsstift, merkte allerdings schnell, dass eine Konstruktion des Modells mittels CAD viele Vorteile bringen würde. Der Aufwand, dies am 2D-CAD zu zeichnen, war enorm und zahlte sich rückblickend mit der zu

erreichenden Genauigkeit bestimmt aus.
Nun lieber etwas kleiner und elektrisch: Meine Überlegungen führten zu einem Massstab 1:9 mit einer Spannweite von 3,27 Meter und Propellern in Scale-Massen von 16 Zoll Durchmesser. Eine extra beschaffte Bellanca mit 2 Metern Spannweite diente als Prüfstand und zur Auswahl von Propeller und drei verschiedenen Motorfabrikaten.
- Alle Abmessungen Scale
- Modell in Holzbauweise, Kabinenbereich; Motorhauben und Gondeln GFK
- Modell prioritär für den Einsatz auf Wasser
- Funktionierendes Einziehfahrwerk für Ein- und Auswassern und das Abstellen an Land
- Fläche zweiteilig, Leitwerke demonstrierbar für einfacheren Transport
Den Bau begann ich im August 2014 mit dem Rumpf. Alle Spanten und Längsgurte druckte ich am Kopierer auf Papier, klebte diese platzoptimiert auf 5 Sperrholzplatten 0,5 x 1,0 Meter verschiedener Qualität und sägte alle Teile mit meiner Dekupiersäge aus. Ich erinnerte mich daran, wie mein Vater mit mir vor mehr als 45 Jahren ein Segelboot baute, und entschied mich deshalb, zuerst den unteren Teil des Rumpfes (das Boot) zu bauen und dann darauf den oberen Teil aufzusetzen. Das Beplanken mit 4 mm Balsa erfolgte grösstenteils in Leistenbauweise. Höhen- und Seitenleitwerk in üblicher Rippenbauweise folgten.
Für die Fläche liess ich die Rippen bei Peges Frässervice aus den von mir gewünschten Holzarten fräsen. Dank seines super Service erhielt ich nach einigen Tagen einen perfekten Rippen-

satz. Durch die spezielle Flügelgeometrie und damit verschiedene Profildicken musste eine mehrteilige Helling gebaut werden. Aus Platzgründen baute ich zuerst die rechte und dann die linke Fläche. Die zwei Hälften werden mit einem 40-mm- und einem zusätzlichen 10-mm-Strongal-Rohr verbunden und für das
| Massstab: | 1:9 |
| Spannweite: | 3,27 Meter |
| Länge: | 2,11 Meter |
| Höhe: | 0,87 Meter |
| Gewicht ohne/ mit Akku: | 14,5/16,5 kg |
| Antrieb: | 2 E-Flite P110/280 Kv |
| Akku: | 8S-10000 mAh |
| Propeller: | 16 x 10, 3-Blatt gegenläufig |
| Leistung max.: | je 1800 Watt |
| Baustunden gesamt: | ca.1500 |

Fliegen von oben auf den Rumpf geschraubt. Die Stützschwimmer schnitt und formte ich aus Styrofoam. Auch die Urformen für die Motorgondeln entstanden aus diesem Material, jene für die Motorhauben aus Balsa. Kabinen-
haube und Bugfahrwerkklappen formte ich direkt am Rohbau ab.
Mit Ausnahme von 2016 und 2017 baute ich jeden Winter an meiner Albatross, zwischendurch entstanden zusammen mit meinem Sohn Andreas etliche Flugmodelle, darunter auch noch eine Toni Clark Pitts für ihn. Im Frühjahr 2023 war dann endlich der Rohbau so weit fertig.
Mit meiner Pensionierung im Juli genoss ich die freien Sommertage vielfach am See mit Fliegen und nahm mir Anfang Oktober vor, das Modell über den kommenden Winter nun definitiv fertig zu bauen. Viel Zeit verbrachte ich damit, Fahrwerksteile zu entwerfen und funktional herzustellen. Die komplexe Mechanik mit Hydraulikzylindern, die Grumman für die Albatross entwickelte, hat es in sich, die Schliess- und Ausfahrvorgänge sind im Modellmassstab nicht

einfach zu realisieren. Das Fahrwerk entstand aus Aluminium, zum Teil aus Glasfaser mit Kevlar-Einlage und wird in einer Kombination elektrisch/mechanisch angetrieben. Für das Finish beglaste ich
das komplette Modell und unterzog danach den Rumpf im nahen Dorfbrunnen einem Dichtetest, um notfalls noch vor dem Lackieren nachbessern zu können. Grundieren, mehrmaliges Spachteln und Schleifen verlangte viel Durchhaltewillen. Mithilfe meines Bruders Pankraz, er übernahm das Spritzlackieren, ich das Zuträgen, fanden diese mühsamen Arbeiten ein Ende.
Schon im frühen Baustadium machte ich mir Gedanken, welches Muster ich nachbauen wollte. Die heute teils fantasievollen Bemalungen ziviler Albatrosse sagten mir nicht zu. Hätte die italienische Luftwaffe SA 16 B eingesetzt, wäre dies sicher auch eine mögliche Variante gewesen. Nach langem Hin und Her entschied ich mich für das authentisch lackierte, flugbereite, heute im Mid America Flight Museum befindliche Vor-
bild. Leider bekam ich vom Museum nur vage Angaben zu Farbtönen und Druckvorlagen. Alle Schriften und Embleme fertigte ich aus Schriftenfolie mittels Corel CAD und Schneidplotter selber.

Was für ein Gefühl, Mitte Februar, fast 10 Jahre nach Baubeginn die fertige, zusammengebaute Grumman Albatross im Wohnzimmer sehen zu können. Anfang März stimmten die Bedingungen, um das Modell ein erstes Mal einzuwassern. Ich nahm mir vor, an diesem Tag einige Fahrversuche zu unternehmen und danach das Modell auf eventuellen Wassereinbruch zu prüfen. Doch die Albatross lag vorbildlich im Wasser, ging beim Beschleunigen ruhig und kontrollierbar auf Stufe. Überzeugt, dass sie fliegen wird, gab's kein Halten mehr, mit frisch geladenen Akkus startete ich unbeschwert zum Erstflug. Nach gut 9 Mi-
nuten Flug mit akzeptabler Wasserung war ich für diesen Tag mehr als zufrieden, das Projekt wurde anschliessend mit Wein und Pizza gefeiert.
Das Modell wirkt in der Luft absolut authentisch, liegt ganz ruhig und will grossräumig geflogen werden. Kunstflug ist selbstverständlich ein absolutes No-Go. Die Begeisterung des Wasserfliegens wird hier gerade beim Ab- und Anwassern mit Bugwellen und Spritzwasser sichtlich und spürbar. Bei der Fahrt im Wasser ist das Modell, welches, wie das Original, über kein Wasserruder verfügt, dank den gegenläufigen Motoren auf das Seitenruder gemischt, gut steuerbar.
Mit meinem Modell ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
Würde ich nochmals eine Albatross bauen? Ja klar, mit einigen Modifikationen – die ersten wenigen käuflichen Bauteile liegen schon bereit.


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