Titelstory

Neue Dimension für gestandene Landratten

von Emil Ch. Giezendanner
5

Nach der Wasserflug-Saison 2010 war klar: Fliegen auf dem Wasser – die wiederentdeckte nasse Begeisterung – ist im Kommen.


Wasserfliegen hat mit Natur zu tun. Auch Winterstimmungen sind von ganz besonderer Schönheit. Allerdings ist das Fliegen bei tiefen Minusgraden nicht unbedingt zu empfehlen, da die Bowdenzüge gefrieren könnten.



Wasserfliegen hat mit Natur zu tun. Auch Winterstimmungen sind von ganz besonderer Schönheit. Allerdings ist das Fliegen bei tiefen Minusgraden nicht unbedingt zu empfehlen, da die Bowdenzüge gefrieren könnten.



Während einzelne Modellflieger sich schon immer und regelmässig des Wasserflugs angenommen haben, hat sich durch die Verbreitung des Elektroantriebs seit wenigen Jahren eine wachsende Anhängerschaft für das schöne und naturnahe Wasserflug-Hobby gebildet.


Wasserfliegen hat auch mit Natur zu tun

Das Fliegen, genau genommen das Starten und «Landen» auf dem Wasser, findet logischerweise auf und über Gewässern statt. Dort, wo diese Gewässer besonders geschützt sind, ist daher auf Wasserflug möglichst zu verzichten. Auf Gewässern mit Motorbootbetrieb und anderen Sportaktivitäten ist das Ganze kein Problem, solange wir ein paar Regeln beachten. Modellfliegen an sich ist für viele mit Natur und Landschaft, frischer Luft und verschiedensten Wetterlagen verbunden. Beim Wasserflug sind all diese Faktoren noch intensiver spürbar und für die Piloten wird jeder Flug zum unvergesslichen Erlebnis.



Wassern statt Landen

Beim Wasserfliegen gehört das Starten und «Landen» bzw. Wassern zu den besonders schönen Erlebnissen und Glücksgefühlen. Selbst derjenige, dessen Fluggerät die Härte des Wassers zu spüren bekam und dafür eine Rettungsaktion in Gang gesetzt werden muss, wird sich diesem Zauber nicht entziehen können. Einmal in der Luft, unterscheidet sich das Fluggefühl kaum von jenem am Hang oder über der Piste. Schwimmer können die Flugeigenschaften beeinflussen – das ist aber Gewöhnungssache. Flugboote, sind sie einmal in der Luft – ob ab Piste, Wasser oder Schnee –, verhalten sich ohnehin nicht anders.



Noch hält sich das Business in Grenzen – Chance für Modellbauer

Abgesehen von ein paar wenigen Anbietern von Schwimmern in verschiedenen Grössen und einem (noch) bescheidenen Angebot an Schaum-Wasserflugzeugen aus Asien ist – verglichen mit Koax-Helis, Warbirds und Jets aus Schaum – das Wasserfliegen nahezu bedeutungslos. Auch das Angebot an Bausätzen grösserer Wasserflugzeuge ist nicht gerade üppig. Das ist doch eine grosse Chance für Konstrukteure, Modellbauer bis hin zum Scale-Spezialisten. Der Kreativität und dem handwerklichen Können sind in der Wasserflugsparte praktisch keine Grenzen gesetzt, und zwar ohne dass dieser oder jener Typ schon am nächsten Wochenende in geschäumter Ausführung am Strand zu sichten ist.


Keine Welt für Sekunden und Meter

Wasserflugwettbewerbe gibts schon seit vielen Jahren. Meistens geht es dabei um Kunstflugfiguren oder originalnahe Nachbauten. Im Übrigen widersprechen Wettbewerbe, wo es um Meter und Sekunden geht, der Philosophie des Wasserfliegens. Hier stehen Beschaulichkeit, Gemüt und Entspannung im Vordergrund. Eine eigentliche Wasserflug-Scale-Szene hat sich am Bodensee entwickelt. Dornier hat dabei die Funktion einer Art wasserfliegerischen «Keimzelle». Die Redaktion freut sich, auch weiterhin tolle Berichte über Wasserflugmodelle zu erhalten. Viel Glück und besser ein Leck im Schwimmer als im Kopf.



Akzeptanz der vorbeispazierenden Bevölkerung

Seit dem Ende der Badesaison 2010 tut sich am Glattpark-See Sonderliches. Jeweils am späten Freitagnachmittag treffen sich ein paar wenige Enthusiasten der MG Zürich, nämlich die «Interessen-Gruppe Wasserfliegen», um dem neu entdeckten Hobby, dem Modellflug auf dem Wasser, zu frönen.


Eine neue IG?

Möglich macht dies vor allem der moderne Elektroflug, denn sonst könnte man sich eine solche Sache kaum in der Naherholungszone der Glattpark-Überbauung vorstellen. Es freut uns sehr, die grosse Akzeptanz der vorbeispazierenden Bevölkerung zu spüren, und gerne hören wir auch die Kommentare über den geringen Geräuschpegel und unser diszipliniertes Fliegen. Feststellen konnten wir aber auch die Neugier und die Akzeptanz der ansässigen Enten, welche sich kaum stören lassen durch unser Tun.

Fazit: Es ist schön, dass wir sogar fast mitten in Zürich unserer faszinierenden Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Dies, wie schon gesagt, auch dank den modernen «Schaum-Fliegern» (aber nicht nur!) und vor allem dem grossen Fortschritt im Elektroflug.

Mögen uns die guten Geister weiterhin positiv gesonnen sein.

Walti Wuhrmann, MG Zürich




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