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Krones kleines Handbuch der Papierfliegerei

von Emil Giezendanner
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Von wegen «kleines» Handbuch! Das ist aber ganz schön bescheiden. Das Buch weist eine Vielfalt und eine Vertiefung auf, wie ich sie in den letzten Jahren in der Hobby-Literatur kaum je angetroffen habe. Schon im ersten Kapitel «500 Jahre (Papier)-Fliegerei» entpuppt sich der Autor als Kenner der Luftfahrt- und Kulturgeschichte, beschreibt, woher das Papier kam – aus China (was heute sozusagen «normal» wäre) –, steigt dann gleich ein mit Leonardo da Vinci und fährt weiter bis in die Neuzeit. Der geschichtliche Rückblick ist geschickt dokumentiert mit Zitaten und Zeichnungen. Kaum zu glauben, wer sich alles mit Papierflugzeugen beschäftigt hat: Die Namen gehen von Leonardo da Vinci über Sir George Cayley, August Wilhelm Zachariae, Alphonse Pénaud, Buttler und Edwards, Otto Lilienthal bis zu den Gebrüder Wright. Das Kapitel wird mit einer Art «Typologie des Papierflugzeuges» abgeschlossen. In einer «kleinen Fliegerschule» – Kapitel 2 – einmal mehr sehr ausführlich, wissenschaftlich hinterlegt und trotzdem gut verständlich – werden Gleichgewicht und Stabilität bearbeitet, die «Kunst des Werfens» gelehrt und das «Fliegen im Freien» bis hin zum dynamischen Segeln

erklärt. Der umfangreichste Teil des Buches ist dann der eigentlichen Falterei gewidmet, indem mit dem «Einmaleins des Falten» eine Einführung in die Handwerkskunst der Papierfliegerei gegeben wird und dann eine riesige Zahl an Modellen zum Nachfalten vorgeschlagen werden. Das fünfte Kapitel widmet sich umfassend der Physik des Papierfliegers. «Keine Angst, ich werde versuchen, die Sache kurz und einfach zum machen.» Immerhin benötigt Krone für seine «Kürze» mit allen Formeln und Diagrammen über sechzig Seiten! Diese Bescheidenheit kann sich der Autor wohl deshalb leisten, weil er auf dem Gebiete ausserordentlich kompetent ist, was sich wiederum auf sein grosses theoretisches Wissen in Verbindung mit viel praktischer Erfahrung stützt. Dass ein Verlag in der heutigen Zeit ein solches Buch veröffentlicht, das weder spektakulär ist noch auf schnelle Konsumbefriedigung setzt, sondern Ruhe und Vertiefung, viel Zeit und Freude am Kleinen (und Bescheidenen) fast voraussetzt, kann nicht genug gewürdigt werden.

Emil Giezendanner




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