Schwarzarbeiter
Nach O.S. steigt nun auch Futaba als weiteres japanisches Traditionsunternehmen ins Geschäft mit Aussenläufer-Modell-Elektromotoren ein. Es bedient damit einen Markt, den man wohl füglich als schon gut besetzt bezeichnen darf. Bedeutet dies für den Modellbauer noch mehr Qual der Wahl oder jenes Quäntchen Fortschritt, auf das wir trotz allem gewartet haben?
Nun, erstmal schafft es der 14-Pol-Motor auf Anhieb, sich optisch von dem grossen Feld der Mitbewerber abzuheben. Schwarz eloxierte Drehteile mit abgeschrägten, blank polierten Kanten sorgen schon mal für jene Qualitätsanmutung, ohne die es ein Neuling auf diesem Markt heute schwer hätte. Abgerundet wird dieser wohl-tuende erste Eindruck durch
einige Details, die zeigen, dass man sich im Land der aufgehenden Sonne durchaus mit Anwendungsfragen befasst hat. So kann die Frontmontage (Einbau) wahlweise mit jeweils vier M3-Schrauben mit 25-mm-Lochkreis oder mit M4-Schrauben im 30-mm-Kreis erfolgen; praktisch, wenn dies im Modell schon vorgegeben ist. Für diese Einbaulösung, wo der Motor mehr oder weniger luftgeschützt hinter dem Motorspant werkelt, lässt sich rückseitig ein Zentrifugal-Fanring montieren, der drehrichtungsunabhängig für einen verbesserten Kühl-luftdurchsatz sorgt. Dieser lässt sich bei umgekehrter Montage (Anbau) leicht entfernen, weil der Propeller dort über einen mitgelieferten Alu-Mitnehmer direkt am Rotor sitzt und so die Verlustwärme besser abfliesst. Montagehilfe leistet in diesem Anwendungsfall das übliche Alu-Montagekreuz, mit dem der Aussenläufer rückseitig an

den Brandspant angeschraubt wird.
Apropos Verluste: Diese gilt es natürlich so gering wie möglich zu halten, bestimmen die Verlustprozente doch nicht nur, wie gut ein Antriebsmotor das von den LiPos gelieferte (und
damit immer noch limitierte) «Futter» verwertet, sondern vor allem, wie viel Leistung ein Motor letztlich verkraftet. Denn wenn sich der Wirkungsgrad statt idealer 90% bei eben nur 85% tummelt, so sind das keine 5%, sondern 50% Unterschied in der Erzeugung von Verlustwärme. Und Letztere begrenzt den Leistungsdurchsatz!
Dreht man den 50-Millimeter-Rotor einfach mal so probeweise mit der Hand durch, fällt sofort die leichte Gangweise auf. Keine Rastung zwischen den Rotormagneten und den Eisenzähnen des Stators ist hier zu spüren, was darauf schliessen lässt, dass man beide in der Breite so sorgsam aufeinander abgestimmt hat, dass sich beim Durchdrehen der Magnetfluss nicht ändert. Damit drückt man die Verluste, die in den Statorblechen und in der Rotorglocke entstehen. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung, um sich der Wirkungsgrad-Schallgrenze von 90% annähern zu können.
Dass dies offenbar gelungen ist, zeigen die Prüfstandsmessungen, zu denen das grösste Exemplar der Dreierserie, der FMA-5065 KV300, zur Verfügung stand. Gesteuert von

dem hauseigenen Controller Futaba MC9100 A erreicht der Motor bei Speisung aus einem 8-s-Lipo (28,8-V-Nennspannung) und einem eingestellten Timing von 180 Grad tatsächlich 89,9%. Weil die spezifische Drehzahl von 300 U/min/V für einen 434-Gramm-Motor relativ niedrig liegt, fällt dieses Maximum bei schon zwischen 25 und 30 A an. Mit etwas weniger Timing – herstellerseitig empfohlen werden 14 Grad – landet man dann tatsächlich auf der 90%-Linie. Beim angegebenen Dauerspitzenstrom von 70 A, und das ist sicher noch wichtiger, liegt man immer noch bei über 80% Effizienz. In diesem Falle lässt sich bei 8s-Betrieb eine grosse 20"×12" Graupner Sonic-Luftschraube mit etwa 6700 U/min drehen.
In einem beiliegenden Datenblatt zeigt Futaba die Einsatzgrenzen der Motoren. Der hier untersuchte FMA-5065 mit 50 mm Durchmesser und 65 mm Länge darf demnach mit bis zu 12 s betrieben werden, was bei einer maximalen Dauerleistungsaufnahme von 2000 Watt allerdings nur bedingt sinnstiftend erscheint. Aber mit 10 s lassen sich dann noch vernünftig grosse Propeller betreiben. Der hier vorgestellte Motor hat noch ein kleineres Brüderpaar.

| Bezeichnung | FMA-5055 KV 525 | FMA-5055 KV 410 | FMA-5065 KV 300 |
| LiPoBatt bis | 6 s | 6 s | 12 s |
| Spezifische Drehzahl | 525 U/min/V | 410 U/min/V | 300 U/min/V |
| Dauerleistung max. | 1,2 kW | 1,3 kW | 2 kW |
| Dauerstrom max. | 70 A | 60 A | 70 A |
| Abmessungen | 50×55 mm | 50×55 mm | 50×65 mm |
| Stahlwelle | 6×20 mm | 6×20 mm | 6×20 mm |
| Masse | 330 g | 330 g | 440 g |

Passender Hochvolt-Controller (max. 12 s/100 A) ist mit im Angebot.

Das Einstellen des Controllers erfolgt zweckmässigerweise über eine passende Einstellbox. In Ermangelung einer Futaba-spezifischen Box wurde es mit einem Robbe-Modul versucht. Es klappte auf Anhieb.
Wie deren Bezeichnung FMA-5055 KV 525 und FMA-5055 KV 410 verrät, sind sie bei gleichem Motordurchmesser nur 10 mm kürzer und unterscheiden sich allein durch die spezifische Drehzahl. Die beiden je 330 Gramm wiegenden «Kleinen» haben also verschiedene Windungszahlen und sind für LiPo-Batterien von 3 bis 6 s empfohlen. Alle Motoren verfügen über eine 6-mm-Stahlwelle mit Abflachungen im vorderen Bereich.
Es sieht also ganz so aus, als würden die neuen «Schwarzarbeiter» aus Japan den Motorenmarkt mit ihrer Präzision und ihrem hohen Leistungspotenzial noch mal aufmischen können. Schön eigentlich, dass man Gutes immer noch weiter verbessern kann.


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