Geschichte

Projekt Hochstartwinde

von B. Haiden
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Projekt Hochstartwinde oder «Was lange währt, wird endlich gut»

Ostersamstag, 25. März 1978, 09.00 Uhr Platzzeit.

Ein Gebilde, aus runden und eckigen Metallteilen zusammengebaut, wird unter offensichtlich grossem Kraftaufwand aus einem Kofferraum gehoben und auf unsere Flugpiste gestellt.

Es war soweit – unsere Eigenbauwinde war für erste Versuche bereit und sollte nun zeigen, ob sie hielt, was wir uns von ihr versprachen.

Doch zurück zur Entstehungsgeschichte. Anlässlich unserer GV im Februar 1977 wurde der entscheidende Beschluss gefasst, dass sich unsere MG eine Hochstartwinde zuzulegen wünscht. Da an der gleichen GV auch beschlossen wurde, die hauptsächlich von den Motorfliegern benützte Flugpiste fortan aus der Klubkasse zu finanzieren, musste den Seglern ein entsprechender Gegenwert offeriert werden –

die Winde. Dani Kunz und ich wurden beauftragt, das kommerzielle Angebot zu sondieren, um dann dem Vorstand einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten. Nun – das käufliche Angebot war zum vorderen als bescheiden bekannt. Ausserdem stellten wir zu Beginn unserer Ansprüche die Forderung an eine hohe Leistung. Schliesslich gelangte die vorher nur schleichende Tendenz zum Grosssegler auch in unserer Gruppe zum plötzlichen Durchbruch. Die Besichtigung einer in Frage kommenden Winde im praktischen Einsatz verlief nicht sehr positiv. Einerseits schien uns die Maschine zu wenig leistungsfähig und erlitt ausserdem Defekt, wobei ein krasser Konstruktionsfehler offensichtlich wurde.

Von da an entwickelte sich die Idee, die Konstruktion und den Bau einer Winde selbst an die Hand zu nehmen.

Eine weitere Vorführung, nämlich die der Eigenbauwinde der Gruppe Erlenbach im Herbst 1977, bekräftigte unsere Auffassung und gab uns gleichzeitig die Idee zum Grundkonzept.

Im November begann ich mit Skizzen und Entwürfen, untersuchte die Frage nach dem Antriebsmotor sowie den voraussichtlichen Gesamtkosten. In der Folge beschlossen wir (das sind einige der aktivsten Segler unserer Gruppe und der Verfasser), um Zeit zu sparen, mit dem Bau sofort zu beginnen und die Finanzierung zu garantieren, falls der entsprechende Antrag an der nächsten GV (Februar 78) abgelehnt würde.



Einige Detailangaben für technisch Interessierte

Schleppsystem:

Mit Umlenkrolle, d. h. Start der Modelle neben der Winde, aus der Hand oder Bodenstart.

Antrieb:

Einzylinder-Viertaktmotor Briggs & Stratton, 206 cm3

Seilzuganlasser, Magnetzündung

Nutzleistung: 3 kW (4 PS)

Nutzdrehzahl: 2200–3600 min-1

Drehmoment max.: 1,05 kpm

Drehmoment: 0,95/1,00 kpm bei 2200/3600 min-1

Seilzug:

40 kp bei 3000 min-1, Schlepptrommel leer

Seilgeschwindigkeit:

5,4 m/sec (ca. 20 km/h) bei 2200 min-1

8,9 m/sec (ca. 32 km/h) bei 3600 min-1

(Schlepptrommel leer)

Seiltrommeln:

1 Haupttrommel für 1000 m Schleppseil Ø 1,5 mm

1 Sekundärtrommel für 1000 m Rückholseil Ø 1,0 mm

Die Sekundärtrommel ist auch zum Schleppen von leichten Modellen vorgesehen.

Seile:

Nylongeflecht, vorläufig

600 m Ø 1,5 mm, Reissfestigkeit ca. 70 kp

300 m Ø 1,0 mm, Reissfestigkeit ca. 25 kp

Kupplungen:

1 Fliehkraftkupplung am Motorstummel

1 doppelte Lamellenkupplung auf Schaltwelle für Trommel 1 – Leerlauf – Trommel 2

Übertragungselemente:

Flachriemen, Motor und Trommelwelle nachstellbar

Bremsen:

Je 1 Flachriemen-Bandbremse auf jede Trommel

Werkstoffe:

Rahmen, Poullies, Trommeln usw. vollständig aus Anticorodal B, sämtliche Wellen, Achsen und Gestänge aus Stahl CrNi 18/9, sämtliche Schrauben promatisiert.

Gesamtgewicht: ca. 70 kg

B. Haiden

Aus Bulletin Nr. 9 der MG Dietikon.



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