Treffen Pilatus-Modelle
Genau vor 10 Jahren ist der Prototyp der Pilatus PC-7 erstmals geflogen.
Dass wir in der Modellfluggruppe Münchenbuchsee gerne miteinander modellfliegen, verbindet uns sicher mit den meisten anderen Modellfluggruppen. Dass bei uns das gemeinsame Erlebnis bereits im Baulokal beginnt, darf aber vermutlich eher als Spezialfall bezeichnet werden. Ohne den gemeinsamen Modellbau wäre der vorliegende Bericht nicht möglich geworden.
Die Skepsis war in meinem Umfeld recht gross, ob ein Modell mit 1,6 m Spannweite, angetrieben durch einen Elektroantrieb, dazu die Energie lediglich aus einem Lipo-3S-Akku, überhaupt fliegen würde. Doch es hat funktioniert: Das Modell fliegt nach 10 Jahren und deutlich mehr als 500 Flügen immer noch tadellos.
Das angestrebte Gewicht von möglichst deutlich unter 3 kg konnte nur dank einer neuen Bauweise erreicht werden, welche von möglichst vielen Modellbauern realisiert werden könnte, da von Anfang an ein Baukurs geplant war.
Die Lösung sah so aus: Ein Holzgerüst übernimmt möglichst alle Kräfte (Bild 2), der Rest entsteht aus EPP, verstärkt durch CFK-Rund- und -flachstäbe (Bild 3). Bereiche, wo man eine kompliziertere Form schleifen musste, entstanden aus Styrofoam (Bild 4). Wo immer möglich, wurde Gewicht gespart; dies galt z.B. auch für die Piloten: Eine gekaufte Figur wog stolze 70 g – unsere selber geschäumte Variante lediglich 12 g (Bild 5); für zwei Piloten resultierte demnach eine Gewichtsersparnis von stolzen 120 g. Versuche an Probestücken und Recherchen im Internet zeigten, dass man auch EPP schleifen kann: Schleifpapier mit grober Körnung (ca. Körnung 100) mit wenig (!) Druck benutzen und anschliessend mit Bügeleisen und Backpapier die Poren verschliessen (Bild 6), das funktioniert – mit etwas Übung sogar immer besser! Die Oberfläche wurde sehr sparsam mit einem Gemisch aus Epoxyd-Harz und Microballoons überzogen; dieses Vorgehen festigt die Oberfläche und erhöht die Steifigkeit bezüglich Verdrehen – das ist vor allem bei den Tragflächen und den Leitwerken wichtig.
Nach dem erfolgreichen Erstflug der PC-7 und der Planung des vorgesehenen Baukurses tauchte die Idee auf, dass man doch auch eine Pilatus P-3 bauen könnte; immerhin ist die

erste PC-7 ja auch aus einer P-3 entstanden – umgekehrt müsste dies doch auch funktionieren. Und so ist während der Kursvorbereitungen eine P-3 entstanden (Bild 7).
Die Folgen dieser Konstruktionsart: Das Modell ist leicht, nicht sehr schnell und hat eine rauhe Oberfläche; für viele Modellflieger sind dies vorwiegend negative Punkte.
Wir werten diese Punkte aus den nachfolgenden Gründen aber positiv:
- 1) Das geringe Gewicht sorgt für vorbildähnliche Flugeigenschaften trotz bescheidener Modellgrösse – das Original ist auch keine Rakete. Die Modelle fliegen auch bei mässigem Wind noch ansprechend.
- 2) Das geringe Gewicht und die raue Oberfläche sorgen für gutmütige Flugeigenschaften; der Kreis der Modellflieger, welche die PC-7 oder auch die P-3 beherrschen können, wird deutlich grösser; dadurch ist die Chance recht gross, dass häufig mehrere Modelle auf dem Flugplatz sind und deshalb Staffelflüge möglich sind.
- 3) Die raue Oberfläche und der damit verbundene Luftwiderstand sorgt dafür, dass das Modell beim Staffelfliegen recht gut in der gewünschten Position gehalten werden kann; das Modell ist nicht zu dynamisch unterwegs und schießt nach dem Aufholen nicht an den Modellen der Kollegen vorbei. Zudem dürfte das gutmütige Flugverhalten auf die spezielle Oberfläche und die geringe Flächenbelastung zurückzuführen sein.
Der Baukurs im Winter 2015/16 war ein riesiger Erfolg: Es sind über 35 Modelle der beiden Typen P-3 und PC-7 in Angriff genommen worden – darüber habe ich vor acht Jahren bereits berichtet.
Was ist nun daraus geworden? Über 30 Modelle wurden fertiggestellt und fliegen mehr oder weniger regelmässig; es sorgen auf unserem Flugplatz jedenfalls regelmässig PC-7- oder P-3-Modelle für einen abwechslunsgreichen und farbigen Flugbetrieb. Der Wunsch, schöne Staffelbilder erfliegen und geniessen zu können, hat immer wieder in verschiedenen Formationen funktioniert (Bilder 8a und b) und teilweise auch zu mutigeren Manövern (Bild 9) geführt. Um schöne Staffelbilder schießen zu können, müssen die Modelle recht nahe beieinander fliegen – das ist mit selbst erbauten Flugmodellen nicht ganz selbstverständlich.
Vier Jahre später wurde mit dem Bau der Pilatus P-2 eine wichtige Lücke geschlossen (Bild 10); das Modell wurde in vielen Belangen ähnlich aufgebaut und verfügt deshalb über vergleichbare Flugeigenschaften – erste gelungene Staffelflüge waren schon bald die Folge und sind Beweis für die ausgewogenen Flugeigenschaften auch dieses Flugzeugtyps.
In der Zwischenzeit können wir mit Modellen in ähnlichem Massstab einen Teil der Schweizer Luftfahrtgeschichte nachbilden: die P-2 ganz vorne, gefolgt von der P-3, der PC-7 und der PC-7NG (Bild 11) zeigen doch einen wichtigen Teil der Trainer-Geschichte – wer weiss, vielleicht folgt noch mehr...?!?
Dass der Modellbau mit Schaum zu sehr schönen Ergebnissen führt, zeigt der Cockpit-Ausbau der Pilatus P-2 von Thomas (Bild 12); auch bei dieser Art von Modellbau können immer schönere Details eingebaut werden bis zur Imitation von Nieten oder Blechstössen; die verschiedenen Modellbauer haben sich gegenseitig zu immer vielfältigeren Detaillösungen motiviert. Umso erstaunlicher, dass wir trotz zahlreichen schönen Flügen und selbst konstruierten und

gebauten Modellen häufig mit einem negativen Unterton auf unsere Schaumstoff-Bauweise angesprochen werden, obschon die meisten Modellflieger ein ARF-Schaummodell in ihrem Hangar lagern...! Man muss nicht alles verstehen...! Eine Frage taucht auch immer wieder auf: Weshalb nur ein 3- oder 4S-Antrieb? Auch hier war der Gedanke wichtig, dass sich möglichst viele Vereinsmitglieder diese Modelle überhaupt leisten können und dadurch an den Kursen teilnehmen und an den Modellen Freude haben können. Mich
beeindruckt das Können etlicher Modellbauer und Modellpiloten beim Vorfliegen ihrer grossen technischen Wunderwerke ebenfalls. Diese Modelle liegen aber für die meisten Modellflieger weder finanziell noch bezüglich Bewältigung der Technik oder gar fliegerischem Können im Bereich des für sie Machbaren. Wir gewinnen mit perfektem Modellbau zwar die Bewunderung von Beobachtern unseres Hobbys, aber kaum neue Modellflugkolleginnen und -kollegen, und diese hätten wir bekanntlich nötig.

Unser Treffen der Pilatus-Modelle vom 10. August auf unserem Flugplätzli hat gezeigt, dass Modellbau und -flug auch in bescheidenerem Rahmen Spass machen kann, dass wir an unseren Flügen miteinander Freude haben können – so sollte es sein, (Bild 13). Dank unserem gemeinsamen Modellbau haben wir uns mit einem wunderschönen internen Modellflugtag belohnen können! Schön, das ruft nach einer Fortsetzung der Geschichte – schauen wir einmal...!

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