Fako 4 Scale Reto Senn – Dem Nachwuchs den Einstieg erleichtern
Schweizer Scale-Piloten sind momentan sehr erfolgreich und der originalgetreue Nachbau von Flugmodellen erfreut sich grosser Beliebtheit. Ende August gewann Andreas Schär die Jet World Masters 2025 in Norwegen in der 20-kg-Klasse und Alfred Doppelhofer holte in der gleichen Kategorie Bronze. Doch die Spitzenpiloten werden älter. Die Betonung muss daher auf «momentan sehr erfolgreich» liegen. Reto Senn ist es wichtig, dem Nachwuchs jetzt den Einstieg in den Wettbewerb zu erleichtern.
Sobald Kunststoffformen verwendet werden, Teile mit CNC produziert werden oder aus dem 3D-Drucker kommen, gibt's heftige Abzüge. Reto Senn weiss, dass viele Junge oder Jüngere Freude am Fliegen und an originalgetreuen Modellen haben, aber nicht Monate im Baukeller verbringen wollen oder können. Um auch diesen Piloten den Einstieg in den Scale-Wettbewerb zu erleichtern, musste eine Lösung gefunden werden. Senn holte zwei junge Piloten in die Fako. Sie entwickelten die Kategorie Beginners mit klareren und einfacheren Regeln. Zur Baubewertung dient ein Bild, wobei die Modelle in einer Linie aufgestellt sind. Das am besten bewertete Modell erhält das Punkte-Maximum, die folgenden je 30 Punkte weniger. Eine weitere Überlegung war, die Schweizer Meisterschaften statt als F4C-Wettkampf unter der Kategorie F4h zu fliegen. In dieser Kategorie zählt das Fliegen doppelt und die Baubewertung erfolgt aus fünf Metern Distanz, anhand von fünf Bildern. Zudem zählt das Fliegen doppelt. «Unsere Hoffnung ist, dass sich mehr Piloten dafür begeistern lassen, in der F4H teilzunehmen, und wir dann den einen oder anderen für einen Wechsel in die F4C motivieren können», sagt Senn. In diesem Jahr führte die Fako 4 Scale zum ersten Mal eine Schweizer Meisterschaft ausschliesslich nach den Regeln der neuen Kategorien durch. In der Beginners-Klasse traten sechs Piloten, vom Schüler bis zum Ü50-Jährigen, gegeneinander an. Senn ist zufrieden. Auch aus dem Publikum vernahm er positive Reaktionen von Piloten, die sich eine Teilnahme in dieser Kategorie vorstellen können.
Senn will sich aktiv dafür einsetzen, dass die FAI die Verwendung der technischen Errungenschaften im Scale-Bau nicht mehr mit horrenden Abzügen quittiert, sondern akzeptiert. Sollte der jetzige FAI-Vorsteher der Kategorie F4 noch einmal wiedergewählt werden, hat er sich vorgenommen, in der CIAM Einsitz zu nehmen und den bisherigen Schweizer Vertreter abzulösen. In seiner langen Fako-Karriere hat Senn manchen Fortschritt erlebt. Es war Emil Giezendanner, der ihn 1994 motivierte, der Fako beizutreten. «Ich war damals einer der Gründer der IJMC, weil wir eine Weltmeisterschaft für Jets wollten und es eine solche FAI-Kategorie noch gar nicht gab.» Seit rund acht Jahren steht er der Fako als Präsident vor. Seit er nicht mehr zur Arbeit muss, ist dieses Engagement eine willkommene Beschäftigung. «Ich mache es gerne. Jahrelang hatte ich profitiert, jetzt kann ich etwas zurückgeben.» Der Fako gehören alle Scale-Klassen ausser jener des Fesselflugs an. Heisst, Jet-Scale, IJMC, Scale F4C, F4H und F4K (Helikopter). Neben drei Fako-Sitzungen für die Organisation der Schweizer Meisterschaft und der Selektion der Nationalmannschaft trifft sich Senn auch mit dem Sportchef. Dabei geht es um die Nachwuchsförderung, aber auch um die neuen Vorgaben von Swiss Olympics und um Finanzielles.
«Unsere grösste Herausforderung ist, Vereine zu finden, die über die nötige Infrastruktur verfügen, damit wir unsere Wettbewerbe durchführen können. Wir haben Modelle, deren Aufbau bis zu anderthalb Stunden in Anspruch nimmt», erklärt Senn. Da diese abends nicht einfach auseinandergenommen werden können, braucht es eine Einstellgelegenheit, etwa ein grosses Zelt. Um vorbildgetreu zu starten, ist eine längere Piste nötig, als die meisten Modellflugplätze haben. Bis vor einigen Jahren konnten Scale-Wettkämpfe auf Militärflugplätzen ausgetragen werden. «Im nächsten Jahr planen wir mit Alpnach, doch inzwischen legte die Armee ihr Veto ein, weil sie derzeit keine öffentlichen Anlässe auf den Flugplätzen will», sagt Senn.
«Es ist schon so: Mein Leben ist seit dem Bubenalter mit der Fliegerei verknüpft. Ich wollte Militärpilot werden. Als dies nicht klappte, nahm ich mir vor, in der Fliegerei zu arbeiten, und tat dies auch. Heute, in der Pension, ist es das, was mir den Tagesablauf vorgibt», sagt Senn, der sich auf Spaziergängen mit dem vierbeinigen Freund fit hält. «Aber seit meine Frau nicht mehr arbeitet, unternehmen wir längere Reisen mit dem Camper. Was mich daran reizt, ist, die Routen vorzubereiten.» Auf die Frage, ob es etwas gibt, was er gerne noch erwähnt hätte, weiss Senn sofort eine Antwort: «Wir gönnen einander nichts mehr. Das macht mir manchmal etwas Sorgen. Wenn der Falsche mit unserem Hobby ein Problem hat, haben wir ein miserables Blatt auf der Hand, um unsere Beschäftigung noch ausüben zu können.»


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