Interview mit Sandro Matti
SMV: Wie hast du diese Wettbewerbswoche erlebt?
Sandro: Für mich war meine erste F3A-Europameisterschaft eine super Erfahrung. Eine Europameisterschaft ist auch für uns Piloten sehr eindrücklich und nicht zu vergleichen mit einem normalen Wettbewerb. Das Ganze beginnt mit der Eröffnungsfeier; danach der wöchige Wettbewerb und schlussendlich das Abschlussbankett waren schon speziell. Es war besonders, dass wir nicht nur für uns flogen, sondern mit der Nationalmannschaft für die eigene Nation startete. Aber auch der Austausch mit den anderen Teams und Piloten war intensiver als bei anderen Wettbewerben, da man sich auf Trainingsplätzen auch neben dem Wettbewerb gesehen hat.
SMV: War es für dich schwierig, diese Woche frei zu bekommen?
Sandro: Ich befinde mich zurzeit im letzten Lehrjahr meiner Ausbildung zum Kaufmann. Dank der Unterstützung meines Arbeitgebers konnte ich im Sommer für die Europameisterschaft 4 Wochen am Stück frei nehmen. Auch sonst brauche ich praktisch alle meine restlichen Ferientage für das Modellfliegen und es bleiben nicht mehr viele Tage für «richtige» Ferien übrig.

Sandro: Ich bin praktisch jedes Wochenende auf dem Flugplatz, aber vor den Wettbewerben jeweils auch öfters unter der Woche, sofern es von der Arbeit oder von der Schule her passt. Dadurch, dass an den Wettbewerben das Wetter nicht immer gleich ist, gehen wir bei fast jedem Wetter trainieren. Auch Sturm oder Regen können uns nicht beeindrucken. An einem Trainingstag machen wir mehrere Flüge. Wir trainieren dabei die beiden Programme, welche an den Wettbewerben geflogen werden, oder nur einzelne Figuren, welche speziell schwierig sind.
Sandro: Speziell für die Europameisterschaft haben wir noch einen Back-up-Flieger gemacht. Das heisst, einen zweiten, genau gleichen Flieger mit denselben Komponenten. Dieser würde im Fall eines technischen Problems eingesetzt werden. Zum Glück hatten wir keine Probleme und mussten keinen Flug mit dem Back-up-Flieger machen.
Sandro: Mein Wettbewerbsmodell Bravo ist ein Voll-GFK/Herex-Flugzeug von Wistmodel. Das Modell wird in Polen von Piotr Urbanski, ebenfalls ein F3A-Wettbewerbspilot, selber gebaut. Die Bravo besticht durch die sehr gute Qualität und das geringe Gewicht. Ein F3A-Flugzeug muss unter 5000 g sein, damit es ins Reglement passt. Meine Bravo wiegt nur gerade 4750 g mit einem Akku 10S 5000 mAh 35C Fullymax. Als Antrieb verwende ich wie viele andere Piloten den neuen Plettenberg Advance 30-10, ein Innenläufer ohne Getriebe. Als Anlage verwende ich eine JR XG11 mit dem neuen DHSS-System.

Sandro: In meiner heimischen Modellfluggruppe Luzern ist das F3A-Wettbewerbsfliegen sehr verbreitet. Zwei Mal pro Jahr führen wir gruppenintern einen kleinen F3A-Wettbewerb durch. Dank diesen Wettbewerben und der Unterstützung der anderen Wettbewerbspiloten in meiner Gruppe habe ich bald den Reiz des F3A-Fliegens erkannt. Danach bin ich an regionale und interregionale F3A-Wettbewerbe gegangen und schliesslich kam vor drei Jahren der Aufstieg in die Swissliga und nun gehe ich regelmässige internationale Wettbewerbe.
Sandro: In der Schweiz sind die Regional- und Interregionalwettbewerbe sehr verbreitet. Leider hatten die Wettbewerbe in den letzten zwei Jahren nur noch wenige Piloten, welche mitgeflogen sind und zum Bedauern der Piloten und der Organisatoren mussten auch einige Wettbewerbe wegen zu wenigen Teilnehmern abgesagt werden. In der F3A-Szene gibt es europaweit einen Weltcup mit 15 Wettbewerben. Es ist sehr interessant an diesen Wettbewerben mitzufliegen und gegen die besten Piloten Europas, welche dann auch an einer Europameisterschaft teilnehmen, zu fliegen. Auch in der Schweiz, in Reichenburg, haben wir einen internationalen Wettbewerb, welcher zum Worldcup zählt. Und auch der traditionelle Wettbewerb in Lichtenstein zählt zum Worldcup.
Sandro: Der wichtigste Sponsor ist und bleibt meine Familie. Ohne die wären die letzten Jahre nicht möglich gewesen. Es geht nicht nur um das Material, welches man haben muss. Auch die stundenlangen Fahrten an internationale Wettbewerbe und der ganze Trainingsaufwand ist enorm. Ich bin froh, dass ich von mehreren Firmen unterstützt werde. So fällt schon mal ein grosser Teil an den Kosten der Flugzeuge und des Materials weg.
Sandro: Mein Vater begleitet mich an jeden Wettbewerb. Dadurch, dass ich meine Autoprüfung noch nicht gemacht habe, muss er auch immer mit mir trainieren kommen. Ein enormer Aufwand, den er für mich betreibt! Ebenfalls ist er für mich eine enorme Hilfe im Training und am Wettbewerb.
Er liest mir das Programm und korrigiert mich, wenn ich Fehler im Programm mache, oder hat neue Ideen, was man noch ausprobieren könnte, um noch besser zu fliegen. Dazu baut er meine ganzen Flugzeuge über den Winter und unterhält sie während der Saison. Mein Onkel betreibt den Modellflugsport ebenfalls. Auch er unterstützt mich, wo er nur kann. Ohne diese beiden grossen Stützen wäre ich heute nicht da, wo ich bin.
Sandro: Die Schweiz hat wie unsere Nachbarn Deutschland, Österreich und Italien nicht einen breiten Nachwuchs am Start. In der Schweiz beschränkt sich die Situation auf drei, vier Nachwuchs-Piloten. Es ist schwierig, Nachwuchs für F3A zu finden, da die Klasse sehr trainingsintensiv ist und für Aussenstehende sehr langweilig ausschaut. Allerdings ist F3A zum Selberfliegen sehr spannend und interessant.
Sandro: Es lohnt sich auf jeden Fall, an einem Regionalwettbewerb einzusteigen und einmal mitzumachen. Nur schon die ganze Wettbewerbsatmosphäre muss man erlebt haben. Man braucht für den Einstieg kein teures 2-Meter-Modell, es reicht auch ein kleineres Kunstflugzeug. Einige Informationen und die aktuellen Flugprogramme können auf www.modellflug.ch angeschaut werden. Meine bisherigen Erfolge und die von mir geflogenen Modelle mit der spezifischen Ausstattung habe ich auch auf meiner Website http://www.sandro-matti.com dokumentiert

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