2. F3B-Weltmeisterschaft 1979
Sehr gutes Abschneiden der Schweizer Mannschaft im 5. Rang und gute Einzelleistungen mit Ruedi Baumgartner (8. Rang) und Fredy Schenk (18. Rang). Ein Bericht von Peter Aeberli

Mit einem sehr knappen österreichischen Sieg durch Anton Wackerle in der Einzelwertung vor Ralf Decker (BRD) und dem Nationensieg durch Südafrika endete die 2. Weltmeisterschaft der Kategorie F3B. 60 Piloten aus 20 Ländern kämpften vom 4. bis 7. Juli um diese begehrten Titel. Abgehalten wurde diese Meisterschaft auf dem Modellfluggelände von Amay, unweit der Stadt Lüttich in Belgien.
In der Folge möchte ich Ihnen etwas über die Eindrücke dieser WM berichten. Amay liegt in einem ca. 2 km breiten Tal, in welchem langsamfliessend der Fluss Maas seine Bahn zieht. Das für diese WM hergerichtete Flugfeld genügte knapp den Ansprüchen eines solchen Spektakels. Dafür zeigte es sich während der gesamten WM-Woche bei guter Wetterlage als sehr thermikfreudig, so dass es einzelnen Piloten sogar gelang, während dem Training ihre Modelle von Hand in die ergiebigen Schläuche zu katapultieren. Befürchtet starke Meereswinde traten bis auf den letzten der vier Wertungstage nicht ein.
Unser Team, bestehend aus den Piloten Ruedi Baumgartner, Fredy Schenk (beide MG Wettingen) und Peter Gerber (MG Thun), der Hochstartcrew mit Heiner Gautschi (MG Wettingen), Hansruedi Wägli (MG Grosshöchstetten) und Hans Dürst (MG Erlenbach), wie dem «Mechaniker» Hanspeter Senn und dem Team-Manager Rolf Girsberger (beide MG Wettingen) versammelten sich erstmals am Montagmorgen zum Frühstück.
Da ich im weiteren nur noch unsere Piloten erwähnen werde, möchte ich bei dieser Gelegenheit unserer restlichen Truppe ein grosses Kränzlein winden, denn ohne ihren unermüdlichen Einsatz, diese grosse Aufopferung und idealistische Unterstützung wären Erfolg einer Nationalmannschaft völlig undenkbar. Herzlichen Dank.
Nachdem der Hunger aller gestillt war, wollten unsere Piloten natürlich schnellstens die Geheimnisse des Wettbewerbsgeländes auskundschaften. Viele Nationen bauten sich mit Zelten und Wohnwagen wettersichere Quartiere auf. Auch wir Schweizer taten dies mit 2 Wohnzelten und konnten so die Flugzeuge, das Reparaturmaterial und vieles mehr vor eventuellen Regengüssen schützen. Offensichtlich hat der belgische Organisator auch Petrus rechtzeitig über die Wetterwünsche informiert, denn wir genossen tatsächlich während der gesamten Woche nur wunderbaren Sonnenschein.
Am Montag konnte frei, am Dienstag unter offizieller Zeitkontrolle trainiert werden. Mit kritischen Augen wurden Flüge gegnerischer Teams verfolgt. Die Erfolge der österreichischen Dassel in Auslegung und speziell in der Bautechnik veranlassen nun zunehmend andere Piloten zu ähnlicher Bauweise. Sicher auch das Verdienst dieser sehr sympathischen Dassel-Truppe, die einem offenherzig alle Fragen ausführlich beantwortet und keine Geheimniskrämerei betreibt. Der Münchner Ralf Decker zum Beispiel erschaffte mit seinem Klubkamera den Dieter Pfefferkorn eine exzellente Vollkunststoffmaschine, die viel Lob und schlussendlich auch grossen Erfolg einheimste. Eugenio Pagliano, der geniale Erbauer des an der ersten Weltmeisterschaft eingesetzten «Pylon-Seglers», flog heuer, neben einer wiederum aussergewöhnlichen Konstruktion, eine überarbeitete und perfekt ausgeführte GFK-«Pylon-Version», die dann aber leider während des Wettbewerbes in Brüche ging. Endlich haben diese aparten Konstruktionen ihre Erklärung gefunden, denn Eugenio arbeitet in Turin als Chef-Designer bei Bertone.
Dass die Zukunft den Kunststoffmaschinen mit ihren perfekten Flügeloberflächen gehört, dürfte sicher mit deren Doppelsieg untermauert sein. Speziell Südafrika bewies aber, dass mit konventionellen Konstruktionen, ausgezeichneten Piloten und guter Teamarbeit zur Zeit noch Spitzenplätze eingenommen werden können. Überraschend viele Teams setzten während des ganzen Wettbewerbes Elektrowinden mit Rücklaufsicherung ein, wobei diese Sicherung zum Teil einfach die Hilfe eines bremsenden Fusses bedeutete. Mit der Winde darf über Umlenkung 400 m Seil genützt werden. Mit Einsatz eines Klinkhakens, einer kurzen Beschleunigung des Modells vor dem Aushängen, verstanden es die Piloten, ihre Segler nachträglich noch um 20 und mehr Meter hochzuziehen, woraus eine beruhigende Ausgangshöhe resultierte.
Der Dauerflug hat der neuen Flugtaktik wegen an Spannung gewonnen. Dank dem unbeschränkten Nachstarten innerhalb der Disziplinzeit beginnt man seinen Flug unmittelbar nach Freigabe dieser, versucht kurz Thermikanschluss zu finden und landet bei Misserfolg aber sofort wieder, um ein zweitesmal zu starten. Bis zum Klinken verrät nun bei günstiger Wetterlage sicher ein anderes Modell eine Thermikblase. Allerdings sollte ein Team für dieses Spiel bestens eingeübt sein, denn allzuschnell zerrinnt die Zeit bei Pannenfällen.
Beim Distanzflug starteten immer 4 Flugzeuge miteinander, wobei die Messung offensichtlich problemlos klappte. Auch hier wird heute ähnlich wie im Speedflug mit Bleizugabe operiert, um beste Gleitverhältnisse zu schaffen. Der Distanzflug könnte schnell zur spannendsten Disziplin avancieren, würde die Streckenlänge wieder unbegrenzt und eine gruppenbezogene Wertung herangezogen. Zur Zeit sind die 12 Längen bei etwas Thermikunterstützung problemlos in 4 Minuten zu schaffen. Bei einer gruppenbezogenen Wertung müsste der Pilot mit dem Bleizuladen, dem sofortigen Erfassen der gegebenen Wetterverhältnisse und entsprechender Flugtaktik seine Fähigkeit voll ausschöpfen, um nicht von einem Gegner ausgestochen zu werden. (Beim diesjährigen Oktoberfest-Pokal in München wird nun diese Variante wie auch eine gruppenbezogene Wertung im Dauerflug bei 8 Piloten erstmals praktiziert.)
Die schnellste offizielle Speedzeit von 9,5 Sekunden erflog Herbert Sitar auf einer Dassel. Für diesen Einsatz wird die Dassel von 970 g Rüstgewicht auf pralle 2060 g mit Blei zugeladen. Neben dieser Superzeit flogen die Österreicher meistens zwischen 10 und 11 Sekunden. Mit Zeiten zwischen 11 und 13 Sekunden war man aber immer noch bei den restlichen Schnellsten.
Während der ganzen Weltmeisterschaft verwöhnte man uns täglich mit dem «Daily Lift», einem speziell gedruckten Informationsblatt. Neueste Ranglisten, interessante Konstruktionszeichnungen aktueller F3B-Segler und sonstige Neuigkeiten beinhaltete dieses Blatt.
Die Frequenzüberwachung wurde sehr gründlich vorgenommen, mit Erfolg, denn es musste kein Störungsabsturz verbucht werden.
Auch die Auswertung der Resultate klappte speditiv. Schon kurze Zeit nach Beendigung eines Durchganges konnte man die neueste Rangliste eingehend studieren. (Der Computer machte es möglich.)
Als Schlafstätte erhielten alle Nationen die im nahen Huy bereitgestellte Internatschule zur Verfügung. Gleich hinter diesem Gebäude lockte eine grosse Wiese zur sportlichen Betätigung und alsbald konnte man interessante Nationen-Fussballspiele verfolgen, was allen Beteiligten einen Riesenspass bereitete.
Am Dienstagabend war es dann so weit. Die 2. Weltmeisterschaft wurde feierlich eröffnet. Alle Nationen stellten sich sauber herausgeputzt und geschmückt unter ihren Landesfahnen in Reih und Glied. Mexiko, welches offiziell gar nicht gemeldet war, aber am Montag auf dem Bahnhof von Huy flehentlich um Hilfe und Aufnahme bat, bastelte sich am Dienstag mit Hilfe einer italienischen Fahne und etwas Farbe sein eigenes Hoheitszeichen und stellte sich somit auch stolz unter ihr Werk. Mit musikalischer Untermalung der belgischen Landeshymne durfte jeder Teamchef die Flagge seines Landes in den Abendwind ziehen. Anschliessend die herzlichen Glückwünsche und Reden der verschiedenen Persönlichkeiten und Freigabe zum Kampf.

Am Mittwochmorgen überraschte uns der Wettergott mit dichtem Nebel, was den Start zum ersten Durchgang mit den Disziplinen «Speed» und «Dauer» um rund 2 Stunden verzögerte. Aber um 11 Uhr war Startfreigabe. Unsere Piloten mussten ihr Können gleich bei der nervlich delikatesten Disziplin unter Beweis stellen. Mit 12,2 Sekunden für Peter, 12,4 Sekunden für Ruedi und 13,2 Sekunden für Fredy zeigten alle eine tolle Leistung. Die ersten 3 Ränge beanspruchten, wie vorauszuahnen war, die Österreicher. Mit 10,3 Sek. durfte sich Werner Sitar die 1000 Punkte gutschreiben lassen. Im Dauerflug sicherten sich der Australier Learmont und der Südafrikaner Roos mit vollen 360 Sek. Flugzeit und 100 Landepunkten die begehrten 1000 Punkte. Werner Sitar konnte sich mit geglücktem Dauerflug und dank der schnellsten Speedzeit an die Spitze dieses ersten Durchganges setzen, dicht gefolgt von Teamgefährte Anton Wackerle. Herbert Sitar, der Bruder von Werner und dritter österreichischer Pilot, wurde mit einem etwas verpatzten Dauerflug auf den 21. Rang zurückverdrängt. Unserem Fredy ging es ähnlich und er musste vorläufig mit Platz 33 vorliebnehmen. Ruedi durfte sich 987 Dauerpunkte gutschreiben lassen und belegte den 8. Rang als bester Schweizer, und Peter landete mit 804 Dauerpunkten auf Platz 19.
Im 2. Durchgang mit den Disziplinen «Dauer» und «Distanz» festigte Werner Sitar seine Leaderposition. Schon jetzt aber drängten die Südafrikaner Gernek Rang 2 und Spavins Rang 6 zur Spitze. Ruedi musste wegen einer misslungenen Ziellandung etwas Terrain abgeben und sass nun auf Rang 15, Fredy steigerte sich mit guten Flügen auf Platz 24 vor. Peter musste mit 6 Streckenlängen eine bittere Pille schlucken, was ihn auf Rang 34 zurückwarf.
Inzwischen notierte man den Donnerstagmorgen mit eitel Sonnenschein. Mit «Speed» und «Dauer» verließ der 3. Durchgang. Fredy steigerte sich wiederum mit ausgeglichenen Flugleistungen auf Rang 19. Ruedi folgte diesem Beispiel und schob sich um 2 Plätze auf Rang 13 vor. Einzig Peter musste wieder einstecken. Mit einem kläglichen Absafer im Dauerflug blieb er auf dem 34. Rang sitzen. An der Spitze zeigten weiterhin die Österreicher Sitar und Wackerle ihr Können. Auf Rang 3 stiess nun aber schon Ralf Decker vor. Mit Superklasse demonstrierte er wie auch Werner Sitar, dass sich im Dauerflug auch auf 10 Meter Höhe noch Zeit schinden lässt. Wie ausgeglichen die Dauerflugleistungen sein können, zeigt vielleicht das Resultat von Ruedi in dieser Runde. Mit 924 Punkten erzielte er 39. Bestleistung.
Im 4. Durchgang gab es leider keine erfreulichen Rangverschiebungen unserer Schweizer. Peter hat sich unglücklicherweise auf Platz 34 festgefahren, was seinem Selbstvertrauen arg zusetzte. Alle 3 Piloten flogen zwar gute Resultate, doch wurden die Punktdifferenzen im vorderen Drittel immer dichter, was dann eben eher zu negativen Rangverschiebungen führte. Übrigens, Skip Miller, der 1. Weltmeister, mochte mit Platz 9 nach 4 Durchgängen immer noch recht gut mit der Spitzengruppe mithalten. Ich bin aber überzeugt, dass sich die sehr sympathischen Amerikaner in Sachen Flugzeugmaterial auf die nächste Weltmeisterschaft einiges einfallen lassen müssen. Bei allen drei Piloten sah man deutlich, dass sie am Limit ihrer Flugzeugleistungen flogen.
Leider sind uns die Ranglisten der Durchgänge 5 und 6 abhanden gekommen, so dass ich Ihnen erst wieder ab Runde 7 die Verschiebungen erläutern kann. Diese 7. Runde forderte «Dauer» und «Speed». Im Gegensatz zu den ersten drei Tagen setzte nun am Samstag erstmals ordentlich starker Wind ein. Für uns Zuschauer war es natürlich sehr interessant, zu beobachten, wie sich die einzelnen Teams auf diese neue Wetterlage einstellten. Dass solche Einflüsse die Rangliste empfindlich durch einanderschütteln können, bewiesen diese letzten 2 Durchgänge deutlich. Der bis dahin souverän führende Werner Sitar musste mit 713 Dauerflugpunkten und zweitbester Speedzeit die Leaderposition an Anton Wackerle abtreten, der mit 2 Tausendern auf Siegeskurs zusteuerte. Nach 7 Runden lauteten die ersten 10 Plätze wie folgt:
| 1. Wackerle A. | A | 13220 |
|---|---|---|
| 2. Sitar W. | A | 12977 |
| 3. Roos F. | SAF | 12754 |
| 4. Decker R. | BRD | 12677 |
| 5. Spavins R. | SAF | 12593 |
| 6. Schiboor F. | BRD | 12573 |
| 7. Miller S. | USA | 12552 |
| 8. Gerneke N. | SAF | 12337 |
| 9. Pawelenko M. | B | 12248 |
| 10. Worral D. | GB | 12203 |
Ruedi behauptete sich auf Rang 12, Fredy mit Platz 19 und Peter leider weiterhin mit Rang 33. Zu diesem Zeitpunkt führte Österreich auch noch in der Nationenwertung vor Südafrika und Deutschland. Die Schweiz belegte Platz 7 und hatte alle Chancen, die vor ihr liegenden England und Holland eventuell noch zu bezwingen. Die letzte und 8. Runde war wohl die turbulenteste aller in Sachen Rangverschiebungen. Die von den Spitzenleuten kälteste Dusche musste Werner, bei gleichem Einsatz und Flugtaktik wie sein kurz vorher mit Erfolg (12 Längen) geflogener Bruder Herbert, mit schäbigen 4½ Längen einstecken, was ihm noch magere 354 Punkte einbrachte. Mit dieser Leistungseinbusse warf es nun Werner auf den 6. Schlussrang zurück. Gleichzeitig konnte Südafrika mit geglückten Flügen Österreich in der Nationenwertung überrollen. Anton Wackerle verteidigte trotz etwas verpatztem Dauerflug den 1. Platz erfolgreich. Dramatisch ging es bei Ralf Decker zu. Wenn Ralf beim abschliessenden Distanzflug volle 12 Längen erfliegen könnte, würde er den Weltmeistertitel um knappe 2 Punkte bei einem Total von 14679 P. verpassen. Nervenstärke und Routine sind Ralfs Trümpfe und so passierte, was vorauszusehen war. Ganze 2 Punkte hinter Anton Wackerle auf Platz 2. Dass da der deutschen Mannschaft beinahe die Nerven durchgingen, ist wirklich begreiflich. Innerhalb der südafrikanischen Mannschaft gab es noch einen Rangabtausch zwischen dem nunmehr auf Platz 3 liegenden Spavins und Roos mit Rang 4. Auch unsere Schweizerpiloten drehen noch einmal mächtig auf. Ruedi belegte den bravourösen 8. Rang, Fredy Rang 18 und auch Peter konnte den verflixten 34. Platz verlassen und landete auf Rang 31. Auf die Nationenwertung dürfen unsere Piloten wirklich stolz sein. Hinter Südafrika, Österreich, Deutschland und den USA belegte unser Team den ausgezeichneten 5. Platz.
Abschliessend darf unserer gesamten Mannschaft für den tollen Einsatz, die während der gesamten Meisterschaft herrschende schöne Kameradschaft und die guten Flugleistungen herzlich gratuliert werden. Viele Freundschaften konnten während dieser WM geschlossen und dazu viel Neues gelernt werden.
Bei dieser Gelegenheit möchte sich unsere Nationalmannschaft bei allen Modellfliegern, die moralische und auch finanzielle Unterstützung erbrachten, herzlich bedanken.
Die belgischen Modellflieger haben uns mit viel Einsatz und Liebe eine schöne und interessante Weltmeisterschaft geboten, wofür wir ihnen allerbestens danken möchten. Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen und die Neugierde, wer sich für die nächste Weltmeisterschaft anbietet.

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