Editorial

Fliegen mit Schaum – Chancen und Gefahren

von Emil Ch. Giezendanner
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Fliegen mit Schaum – Chancen und Gefahren

Liebe Leserin, lieber Leser

Styropor und andere Schaumstoffe haben im Flugmodellbau Tradition. Bereits in den 60er-Jahren wurden aus billigem Baustyropor Flügel geschnitten und mit Balsa beplankt. Im F3A-Kunstflug bildeten sie vermutlich die Mehrheit. Auch zu Beginn der rasch boomenden Grossseglerszene war der Schaumstoffflügel lange Zeit kaum wegzudenken. Zu diesen Zeiten war Styropor ein durchaus akzeptiertes Baumaterial. Das änderte sich schlagartig, als wir eifrigen und unschuldigen «Balsa-Styroporwürmer» von einer Welle geschäumter Fertigmodelle überrollt wurden. Aus grösserer Entfernung wirkten die Dinger mehr oder weniger ähnlich wie Modellflugzeuge. Bei genauer Betrachtung oder gar im Einsatz handelte es sich um üblen Schrott und der scheinbar günstige Preis grenzte an Wucher. Erste Landung: Fahrwerk weg. Zweite Landung im Abfallsack!

Kritik liess nicht lange auf sich warten. Erste styroporfreie Zonen wurden ausgerufen, als sich die «Professoren» der Verbands-Jugend-Förderer zu Worte meldeten: Sie sahen in den komischen Styro-Klumpen keineswegs die verlorene Unschuld tüchtiger Flugmodellbauer/Flieger, sondern betonten den hohen Wert für die Nachwuchsförderung. Dies hatte unbestrittenermassen seine Berechtigung aber erst, als die dämlichen Jets und Bomber in ihren aufgemotzten Schachteln durch seriöse und gut fliegende Elektrosegler in den Hintergrund gedrängt wurden. Viele Jugendliche und Spätberufene lernten mit diesen Seglern das Fliegen. Die gesamte Schaumstoff-Industrie hat zudem in den letzten Jahren gewaltig aufgeholt. Geschäumte Modelle, zum Beispiel Trainer-Modelle, Semiscale-Flugzeuge wie Jets, mehrmotorige Maschinen usw. aller Grössen, haben einen Perfektionsgrad erreicht, der mich immer wieder in Staunen ver-

setzt. Die meisten sind komplett flugfertig ausgerüstet – technisch leider nicht immer auf dem neuesten Stand: Neues ist zwar vorhanden, aber das Alte muss zuerst verkauft werden.

Ende gut – alles gut, könnte man meinen. Nicht ganz. Die tiefen Kaufpreise der voll ausgerüsteten Modelle motivieren im Schadenfall kaum dazu, Reparaturen vorzunehmen. Auch die sehr wichtige Erfahrung, ein leeres Flugzeug von A bis Z auszurüsten, geht abhanden. Wie sollen wir älteren Kollegen einem Junior dabei helfen, wenn wir uns selber auf flugfertige Modelle zurückorientiert haben? Wir finden kaum mehr Vereine, in denen Mitglieder bereit und fähig sind, ein etwas anspruchsvolleres Modell flugfertig auszurüsten. Gute Ideen sind gefragt. Vielleicht hilft uns in Zukunft die Künstliche Intelligenz (KI) weiter?

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner


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Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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