Geschichte

Elektroflug erobert die Welt

von Emil Ch. Giezendanner
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Eine Übersicht über den Entwicklungsstand von Emil Ch. Giezendanner


Gedanken zum Stand der Entwicklung des Elektroflugs

von Emil Ch. Giezendanner
Bilder: Andreas Schelling



Die im wahrsten Sinne des Wortes «Leise Revolution» im Modellflug

Dass der Elektroflug bis jetzt weder ein Freiflug noch eine Kreisflugkategorie geworden ist, sondern praktisch ausschliesslich den RC-Modellflieger zu begeistern vermag (ein paar bescheidene Ausnahmen im Scale sollen ausdrücklich erwähnt werden), analysiert die Situation des modernen Modellflugs auf recht drastische Weise. Obwohl im Freiflug wie auch im Kreisflug der Elektromotor als alternative Antriebsquelle zum «Knalltreiberling» mit sehr viel weniger technischen Problemen schon längst hätte verwirklicht werden können, ist alles beim alten geblieben. (Sogar der im RC-Flug heute übliche Schalldämpfer scheint dort noch längst nicht überall verwirklicht worden zu sein.)

Dem gegenüber sind die Teilnehmerzahlen an Elektroflug-Wettbewerben stetig im Zunehmen begriffen. Der älteste Elektroflugwettbewerb Europas (vermutlich der Welt), der Internationale Militky-Cup, hat 1979 anlässlich seiner sechsten Auflage eine Teilnehmerzahl von über 70 aufgewiesen und die ebenfalls letztes Jahr erstmals ausgeschriebene Elektroflug-Schweizermeisterschaft hatte bereits mehr als 20 Konkurrenten auf dem Platz der Segelfluggruppe Winterthur zusammengeführt. Das sind nicht Teilnehmerzahlen, die uns geradewegs zu einem Grössenwahn verleiten, und es liegt mir auch fern, hier den Eindruck zu erwecken, dass ich dasjenige, was möglichst grosse Massen tun, als wertvoller einstuft, als was von ein paar wenigen getan wird. Andererseits gestatte ich mir hier von meinen Erfahrungen als Mitglied der Modellflugkommission des AeCS zu berichten, vom Kampf, den es brauchte, bis in einzelnen Kategorien die min. Teilnehmerzahl für Schweizermeisterschaften und Vergabe der AeCS-Medaillen von drei auf fünf Teilnehmer hinaufgesetzt werden konnte. Ich hoffe, dass jeder das ausserordentlich grosse Spannungsfeld begreift: Von der Modellflugkategorie, die sozusagen unter

Heimatschutz gestellt worden ist, bis zu den sich überbordenden Neuerungen und der Tendenz, jedes Jahr zwei bis drei neue Kategorien mit Schweizermeisterschaften einzuführen, bis wir weder Veranstalter noch genügend Wochenenden finden.



Dieses Verständnis ist notwendig, wenn man nachvollziehen will, weshalb bei uns (übrigens auch in andern Ländern und der CIAM) nicht von heute auf morgen sämtliche Elektroflug-Kategorien – vom Segelflug (F3E), über Pylon-Racing bis zum qualifizierten Kunstflug zur offiziellen Kategorie erhoben worden sind. Meines Wissens ist in der Schweiz als erstes Land der Elektroflug als offizielle Kategorie eingeführt worden. Deutsche Meisterschaften werden dieses Jahr erstmals stattfinden.

Dem Elektroflug sind so wenig Grenzen gesetzt, wie bis heute der Fliegerei mit Verbrennungsmotoren. Das mag wohl überheblich tönen – für den ersten Moment – wer sich aber intensiver mit dem Problem auseinandersetzt, wird diese Erfahrung bald einmal machen können. Wenn ich vielleicht vor über zehn Jahren an einem Flugtag in Frauenfeld ein 5-Meter-Segelmobil mit einem 10-cm3-Motor rasant vorbeifliegen sah, war das für mich mit meinen eher kleinen wendigen Maschinen schon sehr spektakulär. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich 1979 ebenfalls mit einem 5-Meter-Grosssegler über den Platz ziehe – allerdings mit einem Elektro-«Motörli» ausgerüstet, dann hätte er vermutlich für Gelächter nicht speziell zu sorgen brauchen!


Problemlos lassen sich mehrmotorige Modelle jeder Grösse nachbauen und mit Elektromotoren ausrüsten. Das leidige Startproblem – bis der letzte Motor läuft, steht der erste wieder infolge Treibstoffmangels ... Das langwierige Einregulieren und Abstimmen aller Motoren kann gut und gern den ganzen Zeitplan eines Schauffliegens über den Haufen werfen. Beim Elektroflug braucht man bloss den Steuerknüppel nach vorne zu schieben und alle Motoren drehen im beruhigenden Gleichlauf. Der Elektro-Gigant, wie er von Wolfgang Schwarze an verschiedenen Schauffliegen vorgeführt wird, dürfte mit seinen sechs Motörchen ein nachahmenswürdiges Beispiel sein. Grosse Modelle sind in den meisten Fällen, wenn sie nicht von Grund auf sehr schwer konstruiert worden sind, ohne Schwierigkeiten auf Elektroantrieb umzurüsten. Besonders im Bereich von Scale und Stand-off-Scale werden dem Elektroflug noch grosse Zeiten bevorstehen. Es braucht eine gewisse Zeit, bis das elektrische Antriebssystem beim Modellflieger richtig Fuss gefasst hat. Vielleicht könnte es einmal so sein, dass man immer beim Bau eines Motormodells zuerst an den Elektromotor denkt und nur noch in ganz speziellen Fällen an etwas anderes. Bei der Bevölkerung würde dann dieses Umdenken etwa doppelt so lange dauern. Die Meinung, dass Modellflug – ausser beim Segelflug – immer mit Surren verbunden sei, ist nur schwer und mit Geduld zu bekämpfen. Immerhin ist in der Schweiz z.B. mit der PR-Aktion des AeCS im Zusammenhang mit dem Internationalen Militky-Cup ein vielversprechender Anfang gemacht worden.


Verschwinden wird der Verbrennungsmotor nie. Motorenliebhaber wird es immer geben. Aber der Verbrennungsmotor wird gerade in der Schweiz eine harte Konkurrenz bekommen. Die Verwendung von Verbrennungsmotoren wird auch durch rein äussere Einschränkungen (z.B. Umweltschutz) auf ein paar wenige Einsatzmöglichkeiten beschränkt werden. Spezialeinsatz wie schwere Scalemodelle, RC-Kunstflug, Hubschrauber und Pylon-Racing können sicher nicht so schnell durch den Elektroantrieb beherrscht werden. Wobei zum Beispiel gerade im Kunstflug die Einführung und Anerkennung des Elektroflugs diesem schönen Sport endlich einmal aus seinem Selbstzerstörungstrend (immer schneller und grösser) heraushelfen könnte. Die Besten würden auch da wieder gut abschneiden.


Elektroflugmodelle und Zubehör – heute ein Markt

Die Herstellung und der Vertrieb von Elektromodellbausätzen, Motoren und Zubehör stellt heute in Europa innerhalb der Modellbauindustrie einen ganz ansehnlichen Marktanteil dar. Entwicklungen, wie sie bereits in andern Modellbausparten vollzogen sind, zeichnen sich nun klar und deutlich im Bereich des Elektroflugs ab: Während grosse Hersteller mit industriellen Produktionsmethoden den Elektroflug als Breitentwicklung «volkstauglich», absolut narrensicher und vor allem zu äusserst günstigen finanziellen Bedingungen erschliessen, stellen Spezialisten im kleineren Rahmen technisch und qualitativ hochperfektioniertes und entsprechend teures Material für den anspruchsvollen Wettbewerbsflieger her. Sämtliche renommierten Häuser Deutschlands stellen dem Elektroflieger ein gepflegtes und vielseitiges Sortiment an Modellen und Zubehör zur Verfügung, wobei Graupner, Kirchheim mit seinem unbestreitbar vielseitigsten Elektroflug-Zubehörprogramm die grosse Elektroflug-Tradition Fred Militkys bewusst weiter pflegt und nach wie vor eine ausgesprochene Leaderstellung innehat. Auch Carrera scheint dem Elektroflug viel Aufmerksamkeit zu schenken, wobei ich persönlich die nach dem «Primus» eingeschlagene Richtung mit Fertigflächen und Ferranrümpfen als zu einseitig empfinde, jedoch, und das sei unbestritten, einem grossen Käuferkreis entsprechen. Einen Mittelweg zwischen den Fast-Fertig-Modellen von Carrera und den sehr preisgünstigen Holzbaukasten von Graupner schlägt die Firma Robbe ein. Hier werden die Rümpfe in GFK geliefert, während die Flächen in normaler anspruchsvoller Rippenbauweise selbst hergestellt werden müssen.

Kleinere Hersteller wie Tscheulin, Gewalt, Geist, Keller usw. versuchen, wie vorgängig erwähnt, eher die Entwicklung im Bereich des Wettbewerbsfliegens zu fördern. Erstaunlich dabei ist, dass diese Kleinen im Preisgefüge mit einem Grosshersteller wie z.B. Carrera mithalten können (unter welchen Bedingungen und Opfern lässt sich nicht ohne weiteres feststellen).


Gewaltig waren in den letzten Jahren die Fortschritte auf dem Zubehörsektor. In der Hauptsache besteht dieses Zubehör aus Batterien, Motoren, Ladevorrichtungen, Luftschrauben und Schaltern. Hier wird auch in Zukunft noch einiges zu erwarten sein. Wer das praktischste, vielseitigste und robusteste Zubehör wird anbieten können –

dabei muss der Preis angemessen bleiben – wird im Elektroflug gewinnen.


Beim Preis muss berücksichtigt werden, dass nicht jeder beispielsweise für eine Luftschraube so viel bezahlen will wie ein Wettbewerbsflieger, und doch will er nicht auf die Anwendung der neuesten Erkenntnisse im Propellerbau verzichten usw. Das bedeutet für den Hersteller eine konsequente Forschung und Entwicklung, aber auch eine dynamische und flexible Gestaltung des Angebots. Diese Dynamik ist bei den «etablierten» Modellkategorien weitgehend verloren gegangen, da ja für hochspezialisierte Wettbewerbsmodelle der Markt zu klein ist.



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