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Modellfliegen am Badestrand

von Hans Jürg Baum
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Auf den Hinweis im Newsletter 3/08 der Region Nordostschweiz «Wasserflug als Alternative und Ergänzung zu den Badeferien» mit Bildern von wunderschönen mehrmotorigen Flugbooten erinnerte ich mich an viele Dinge, die ich mit meinen Söhnen beim Wasserfliegen erlebt hatte, und möchte hier eine ganz kurze Zusammenfassung unserer «feuchtfröhlichen Lehrblätze» geben.


Wer sich für seine Ferien eine einsam gelegene Villa am Wasser leisten kann oder Badeferien an einem abgelegenen Fjord macht, wird mit weitaus weniger Problemen konfrontiert als solche, die sich an einem belebten Badeort eine Fluggelegenheit suchen müssen. Und genau für die letztgenannte Gruppe ist dieser Bericht gedacht.


Welches Modell?

Der Platz im Transportvehikel bestimmt meist die Grösse des Ferienfliegers. Das kann ein kleiner Funflyer, ein mittelgrosses Flugboot oder sogar ein grösseres Modell sein. Ganz klar, der Verbrenner hat am Strand nichts mehr verloren, und die Elektroantriebe

müssen absolut leise sein. Also keine kreischenden Getriebe und kein Dröhnen von unausgewuchteten Klapp-Starr-Propellern usw.


Stundenplan

Wer seine Badeferien auf einem Campingplatz an einem See verbringt, kann mit folgendem Stundenplan, der je nach Wetter und Saison leicht variieren kann, rechnen:

  • Um 8 Uhr fliegt man praktisch ganz alleine und es ist meist absolut windstill. Nur einzelne Frühaufsteher sehen zu. Da etliche Leute noch schlafen, nur extrem leisen Antrieb verwenden!
  • Um 9 Uhr kommen die ersten dankbaren Zuschauer. Es bilden sich interessierte Grup-


pen jeder Altersstufe und man zeigt dem Nachwuchs, wie ein Modellflieger funktioniert.

  • Um 10.30 Uhr beginnt sich der Strand zu füllen und der Modellflieger muss sich so langsam ein einsames Plätzchen suchen oder die Flugshow abbrechen. Zudem setzt bei schönem Wetter der thermische Wind gegen Mittag ein

und leichte Funflyer bekommen Probleme.

  • Um ca. 18 bis 19 Uhr leert sich der Strand, der Wind lässt nach und es kann wieder geflogen werden. Allerdings muss bei umliegenden steilflankigen Bergen mit mehr oder weniger starken abendlichen Fallböen gerechnet werden.

Dosiertes Risiko?

Am Badestrand angekommen, heisst es einige Dinge zu berücksichtigen. Natürlich sollte auch hier immer der gesunde Menschenverstand zur Geltung kommen. Aber haben wir den immer?

Dabei möchte ich nicht als Wasserflugpolizist auftreten, sondern lediglich aufzeigen, mit welchen Versuchungen wir immer wieder konfrontiert werden.


Aktive Sicherheit

Regel Number One: Am Badestrand darf niemand belästigt und schon gar nicht gefährdet werden!

Auch ein rasanter Funflyer kann, wenn er ausser Kontrolle gerät, jemanden verletzen, ganz zu schweigen von grösseren Modellen.

  • So heisst es ganz klar: Es darf nicht geflogen werden, wenn sich Schwimmende im Wasser befinden!
  • Auch ist es zu riskant, an einem Strand voller sonnen-


badender Leute seine Flugshow abzuziehen.

– Das bedeutet: Geflogen werden kann/darf bei schönem Wetter nur am frühen Morgen oder abends. Dann hat es auch am wenigsten Wind und macht am meisten Spass.

– Gelandet wird bei Windstille nicht draussen vom See zum Piloten hin. Wer zu hoch oder zu schnell reinkommt (Rückenwindböe!), rast in den Strand oder sogar in die Zuschauer. Gelandet wird immer parallel zum Strand. Dann ist die Landepiste fast unendlich lang ...

Zudem achten wir auf die einfachsten Regeln wie:

– Flugfeld ist der See, also nicht hinter oder über den Leuten über den Strand flitzen

– Nicht auf die Leute zufliegen und im letzten Moment abbrechen

– Riskante Manöver nur mit genügend Distanz zu den Zuschauern üben


Passive Sicherheit

Der nächste Schritt in Sachen Sicherheit auf fremdem Territorium heisst ganz klar 2,4 GHz! Eine ideale und erst noch sehr preisgünstige Ferien-Fernsteuerung ist die Futaba 6EX 2,4 GHz. Es ist doch ein unglaublich gutes Gefühl, überall fliegen zu können, ohne die Furcht, gestört zu

werden, und ohne das Risiko, jemanden zu stören. Ich habe, seit ich diese Steuerung vor rund einem halben Jahr bei Willy Siegrist gekauft habe, im In- und Ausland auch nicht die Andeutung einer Störung erlebt.

Dass man auch beim Wasserflug auf ein einwandfrei funktionierendes Modell achten sollte, ist ja klar. Aber immer wieder (!) höre ich von Wasserflug-Piloten, dass sich ihre Lipos bei extremen Manövern unerlaubt vom Modell entfernt hätten ...

Vom Salzwasser-Flug mit mehr oder weniger undichten Fluggeräten rate ich ab. Unlängst haben wir feststellen müssen, was es heisst, wenn Salzwasser-Gischt in feinste Ritzen dringt und Schaltkontakte, Stecker und Buchsen unglaublich rasch korrodieren lässt.


Fazit

Modellfliegen am Badestrand ist eine schöne Sache. Wenn man sie verantwortungsvoll ausübt, ist das beste Werbung für ein sehr sinnvolles Hobby, das gerade der Jugend helfen kann, ihre Freizeit weit sinnvoller als vor einer Playstation zu verbringen. Gestandenen Landratten bringt der Wasserflug eine neue, faszinierende Dimension in Sachen Modellflug. Hans Jürg Baum




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