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Ärger mit Selbstklebe-Etiketten

von Ruedi Schmid
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Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen – sagt ein altes Sprichwort. Ich liebe Ordnung, und deshalb beschriftete ich die Schubladen meiner Kleinteilemagazine mit Selbstklebe-Etiketten: Ruderhörner, Scharniere, Gabelköpfe, Kugelgelenke, Schrauben M3x10 etc. Das ist aber alles für die Katz, wenn die Etiketten nach einigen Monaten nach und nach abfallen.

Als ich vor etwa drei Jahren im «Heim & Hobby Heimberg» vor dem grossen Herma-Etikettensortiment stand und vergeblich nach dem bisher eingesetzten Format 13×40 mm Ausschau hielt, erklärte mir die Verkäuferin: «Ja, wissen Sie – seit Coop das Unternehmen gekauft hat, werden die Produkte «naa-dis-naa» durch Eigenmarken ersetzt.» Nichts Schlimmes ahnend, kaufte ich dann halt die Selbst-

klebe-Etiketten 13×40 mm der Marke Qualité & Prix mit der Info: «Fabriqué en Suisse».

Im Frühling 2019 fiel mir in der Werkstatt auf, dass sich Etiketten ablösen begannen, und bald kam der Verdacht auf, es könnte sich um die Qualité & Prix-Etiketten handeln. Ein daraufhin durchgeführter parallel verlaufender Versuch mit beiden Fabrikaten bestätigte dies zwölf Monate später: Die Herma-Etikette lässt sich schlecht entfernen, die Coop-Etikette fällt bereits bei Berührung ab. (Die versuchsweise Berührung weiterer Etiketten führt sogleich zum Desaster!)

Hypothese 1: Ein Marketing-Stratege ohne Klebekenntnisse findet die Herma-Etiketten im Coop-Sortiment zu teuer und lanciert eine Eigenmarke, mit 320 statt 112 Etiketten und erst noch viel billiger. Hergestellt in der Schweiz – die Kunden wird's freuen!



(Anmerkung: Das Label «Swiss made» darf verwendet werden, wenn mindestens 60% der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen – siehe Markenschutzgesetz MSchG 2019. Das gelingt vielleicht auch mit einer billigen, klebstoffbeschichteten Papierrolle aus China.)

Als ich dann vor etwa drei Monaten rein interessehalber im erwähnten Geschäft nach Selbstklebe-Etiketten Ausschau hielt, fand ich meine Vermutung bestätigt: Das Sortiment war auf zwei Etikettenformate reduziert!

Hypothese 2: Der Sortimentsverantwortliche hat inzwischen aufgrund seiner Umsatzzahlen festgestellt, dass die Kunden keine Etiketten mehr kaufen und entscheidet sich für eine Sortimentsbereinigung wegen fehlender Nachfrage.



Eigentlich logisch: Wenn man die dreifache Menge Etiketten im Päckli verkauft, kommen die Kunden auch dreimal weniger neue kaufen; es sei denn, man weiss, dass diese abfallen und häufiger ersetzt werden müssen. Vielleicht kommen die Kunden dann aber überhaupt nicht mehr.

Fazit: Coop hat sich mit ihrer Eigenmarke erfolgreich selbst aus dem Etikettenmarkt eliminiert.

«Henusode.» Jedenfalls ist heute mein Kleinteilemagazin wieder beschriftet – mit Etiketten aus dem Hause Herma GmbH aus Filderstadt. Made in Germany – Qualité eingebaut und nicht bloss auf dem Beipackzettel.




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