Der Wunsch nach einem Semiscale-Helikopter
Viele Modellhelikopter-Piloten wünschen sich, einmal einen Semi-Scale oder Scale-Modellhelikopter zu bauen und zu fliegen. Aber schon der Gedanke an die viele Arbeit, die Auswahl des Modells, Farbgebung oder Details am Helikopter, lassen oft die Projekte wieder im Sand verlaufen. A.L.K. hat sich zusammen mit HeliClassics und S-S-M Technik Gedanken darüber gemacht, wie man den Piloten den Einstieg vereinfachen kann.
Diesen Aufruf habe ich in einer Zeitschrift gelesen. Sofort habe ich bei A.L.K. angerufen. Aber mir wurde mitgeteilt, dass bereits beide Workshops mit je 10 Teilnehmern an beiden Tagen ausgebucht seien. Da aber die Nachfrage sehr gross sei, mache man sich Gedanken, einen weiteren Workshop an einem anderen Datum anzubieten. Einige Tage später hat mich Anton Laube von A.L.K. wieder angerufen und mitgeteilt, dass am besagten Wochenende am Samstagabend um 20 Uhr noch ein dritter Workshop veranstaltet werde. Einmal mehr hat Anton wieder einmal gezeigt, das bei ihm das Motto «Geht nicht, gibt es nicht» auch gelebt wird.
Mit sehr grossen Erwartungen machte ich mich am lange ersehnten Tag auf den Weg zu A.L.K. Modellbau & Technik GmbH in Würenlingen. Mit 11 Teilnehmern konnte der Workshop pünktlich um 20 Uhr starten. Begrüsst wurden wir vom Chef der Firma A.L.K., Anton Laube. Er teilte uns mit, dass Sascha Schröppel von der Firma S-S-M Technik leider wegen einer Grippe nicht anreisen konnte. Anwesend und gesund aber war Matthias Strupf von HeliClassics.
Da der Kurs in den Geschäftsräumlichkeiten von A.L.K. stattfand, war ich vom umfangreichen Sortiment für Helikopter, wie es von dieser Firma geführt wird, überrascht. Weit über 10 000 Artikel aller namhaften Hersteller und Anbieter werden auf rund 200 m2 ausgestellt.
In einem ersten Teil des Workshop ging Anton Laube auf Themen wie «Was ist Scale, was ist Semi-Scale, Einstieg in die Scale-Fliegerei, Antriebe, Vorbild, Wahl des Modells, Auswahl des Antriebes» und vieles mehr ein. Aber auch Themen, wozu ich das Modell einsetzen will: Wettbewerbe, Fluchtage oder einfach für mich. Wie stets mit meinem Budget? Grossen Wert legte Anton auf das Thema «welches Vorbild». Damit man möglichst viele Bilder von seinem Lieblingshelikopter schießen kann, sollte dieser nicht 1000 Kilometern entfernt sein. Aber auch bei den Aufnahmen sollte auf den Winkel zum Helikopter, aber auch auf den Lichteinfall geachtet werden. Ein im falschen Winkel zum Heli aufgenommenes Bild kann zu einer Verfälschung führen. Dass ich auf so viele Punkte beim Auslesen des Vorbilds und des Modells achten muss, hätte ich im Traum nicht gedacht, aber wie schön hat Anton gesagt: «Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, oder der richtige Anfang macht den Modellbauer glücklich».
Nach einer Kaffeepause übernahm Matthias das Zepter. Zuerst gab er uns einen GFK-Rumpf zum Anschauen. Die Frage lautete, was davon zu halten sei. Nach langem Begutachten waren wir uns einig, dass an diesem Rumpf nichts Aussergewöhnliches sei. Matthias erklärte uns, dass dieser Rumpf eigentlich Ausschuss

sei, da er 400 Gramm zu schwer und innen die Gewebelagen nicht ordentlich eingelegt seien. Er habe es wieder einmal probiert, die Fabrikation der Rumpfe extern zu vergeben, aber ein weiteres Mal wurden Rumpfe angeliefert, die nicht zu gebrauchen waren. So bleibe ihm nichts anderes übrig, als weiter selber zu laminieren. Zum ersten Male wurde mir klar, dass hier nicht nach dem Äusseren gegangen werden kann, nein innen liegen die Geheimnisse. Ein weiteres Thema von Matthias war das Einpassen und Einlaminieren der Spanten: dass der Spant nicht satt in den Rumpf passen muss, sondern ein wenig Luft haben soll, damit er sich nicht abzeichnet. Vor dem Einlaminieren muss der Rumpf innen angeschliffen und entfettet werden.
Im Weiteren zeigte er uns, worauf beim Mechanikeinbau, beim Heckantrieb, beim Heckrotor zu achten ist und wie ich einen Mehrblatt-Rotorkopf einstelle. Dass heute mit den modernen Steuerungen nicht mehr so grosser Wert auf eine saubere mechanische Einstellung gelegt wird, machte unsere beiden Kursleiter ein wenig unglücklich. An einem Beispiel zeigte uns Anton, wie er vor zwei Jahren einen Kundenheli zum Einstellen bekam, an dem die Push-Pull-Anlenkgestänge 6 mm untereinander abwichen. Dass dies für einen Helikopter der Tod sein kann, musste nicht weiter diskutiert werden, besonders hier im Scale-Bereich.
In einem weiteren Schritt gingen wir zu praktischen Arbeiten über. Von Matthias erhielten wir ein GFK-Teil, woran wir uns im Schleifen üben durften. Mit dem richtigen Material ist das fast ein Kinderspiel. Nach dem Schleifen und Entfetten durften wir unser Teil im Freien mit einer Spraydose farblich gestalten. Bis die Farbe trocken war und wir an unserem Probestücken weitermachen konnten, übernahm Anton den Teil von S-S-M Technik. Dass diese Firma über ein Zubehörsortiment von der Funkgerät-Attrappe bis zum LCD-Bildschirm verfügt, hatte ich vorher nicht gewusst. Die fertigen Cockpits mit Beleuchtung sind fast ein Muss für ein Scale-Cockpit. Im Weiteren wurden uns die Modelle von S-S-M nähergebracht: von der Bell 47 bis zum Lama mit 1,8 oder 2 Metern Rotordurchmesser.
Zwischenzeitlich war unsere Farbe trocken geworden, und Matthias zeigte uns, wie einfach mit Kohlepulver gewisse Alterungen am Modell vorgenommen werden können. Ein erfahrener Scale-Bauer und Pilot meinte, da habe er selber noch etwas gelernt. Das spricht doch für das Seminar. Anhand von Bildern wurde uns der Unterschied zwischen einem normal lackierten und einem «gealterten» Heli. Übrigens können bei A.L.K. einzelne Bau-Zwischenstufen oder Scale-Lackierungen in Auftrag gegeben werden.
Meine Erwartungen wurden übertroffen. Anton und Matthias, recht herzlichen Dank.

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