Sport

14. Jet World Masters 2023, Rivanazzano/Italien – Aus der Sicht des Team-Managers Jet Scale

von Reto Senn
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Reglement:

Im Jahr 2022 wurde das Reglement Jet Scale komplett überarbeitet. Die Flugwertung wurde anspruchsvoller gestaltet, weil neu mindestens zwei komplett unterschiedliche Flugprogramme geflogen werden müssen. Zudem werden die Wendefiguren mitbewertet und müssen bei einem kunstflugtauglichen Modell dementsprechend geflogen werden. Die Bauwertung wurde in der Komplexität heruntergeschraubt. Nur noch maximal 12 Fotos sowie die Ansichten von der Seite, oben und vorne. Auf Komplexität wurde verzichtet. Nur noch die Genauigkeit zählt. Craftsmanship (handwerkliches Geschick), Overall Realism (Realismus insgesamt) und Craftsmanship für das Cockpit. All dies gibt Teilnehmern mit einem Bausatzmodell wieder bessere Chancen, weil so die Spitze der Bauwertung abgeflacht wurde.



Vorbereitung

Die Vorbereitungen des Teams begannen mit einer Trainingseinheit über Ostern in Italien. Schwerpunkt: Einstellung der Modelle, Flugachse und Figurenelemente. Hier hatte unser Coach Martin Lüthi, er besitzt grosse Wettbewerbserfahrung und kennt sich aus im Einstellen von Modellen, die Hauptaufgabe, die Piloten zu formen. Adrian mit seiner grossen Erfahrung auf der elektronischen Seite hat mit den einzelnen Piloten die Kreisel-, Flugzustands- und Mischereinstellungen optimiert.

Eine zweite Trainingseinheit von drei Tagen machten wir im Juni in St. Stephan, wo wir den Flugplatz drei Tage gemietet haben. Jeder Pilot kam mit den Wettbewerbsflugprogrammen und der provisorischen Baudokumentation. Heinz Schär konnte vier Punktrichter zur Bewertung der Flüge und der Bauunterlagen aufbieten. Aufgrund des detaillierten Briefings (Punktrichter, Pilot und Coach) feilte Martin mit den Piloten am Flugprogramm. Am Sonntag hatten praktisch alle Piloten ein geändertes Programm, das intensiv nochmals trainiert wurde. Michael Bucher ging zusammen mit den Piloten die Baudokumentation durch und zeigte Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten auf.


Die WM

Ja, wir haben etwas vorausgeplant und gerechnet. Wir haben bewusst Adrian und Andreas in unterschiedlichen Klassen starten lassen, damit sie sich nicht direkt konkurrieren. Wir haben auch kalkuliert, dass es mit zwei Topresultaten in beiden Klassen und den weiteren Piloten, welche in die Top 10 fliegen können, zum ersten Mal möglich sein könnte, die Nationenwertung zu gewinnen. Der Plan ist aufgegangen. Wir hatten auch Glück im Unglück. Einer der Hawk-Piloten hat vor lauter Anspannung die Klappen am Modell ausgefahren statt eingefahren. Dies führte zur Situation, dass bei der halben umgekehrten Kubanacht das Höhenruder nicht angeströmt wurde. Dank seiner Ruhe in der Situation, indem er das Gas herausnahm, liess er das Flugzeug hinter den Bäumen wieder steigend hervorkommen. Die zweite Hawk verlor die Kabinenhaube. Wärmeprobleme und Ausdehnung des Materials waren schuld. Material und Piloten kamen an ihre Grenzen. Ja, es war hart, bei knapp 40 °C den Kopf frei zu haben und eine gute Leistung abzurufen. Dank unserer seriösen Vorbereitung inklusive vieler Gespräche haben wir das geschafft. Danke allen Team-Piloten, unserem Coach und den Helfern, die immer viel vorbereitet haben, Material und Getränke geschleppt haben. Es hat sich gezeigt: Gemeinsam sind wir stark. Danke auch unserem Verband, der unseren Sport finanziell unterstützt.

Reto Senn, Team-Manager
Swiss Jet Scale Team



Heisse Meisterschaft, coole Piloten

Der ganze Wettbewerb war geprägt von einer unglaublichen Hitze. Mit beinahe 40 °C brannte die Sonne auf Menschen und Material.



Standortsuche

Geplant war das 14. Jet World Masters 2021 ursprünglich in Österreich, dort musste man die Segel wegen der Covid-Pandemie und der fehlenden Finanzen streichen. Dann erhielten die Franzosen den Zuschlag, die JWM 2023 in Frankreich durchzuführen, dort zog man im OK kurz nach Neujahr die Reissleine, da kein Budget zustande kam. Was nun? Das International Jet Model Committee mit Reto Senn konnte zusammen mit Mauro Pirotti ein abgespecktes Jet World Masters in Italien organisieren. Dank den guten Verbindungen von Mauro Pirotti fand man in Rivanazzano/Vaughera einen geeigneten Flugplatz mit Hangar.



Änderungen/Neuigkeiten

Wie Reto Senn in seinem Bericht zur Jet-WM erläutert hat, hat man das Reglement auf diese Meisterschaft hin etwas angepasst. So sollte die Leistung eines Piloten aufgewertet und der Bau eines Scale-Jets etwas vereinfacht werden. Trotzdem ist es wichtig, für die Baubewertung auf Details zu achten, denn es heisst ja Jet-Scale, was bedeutet, dass das Modell möglichst genau einem Original-Jet nachempfunden werden soll. Als Neuigkeit wurde eine Turboprop-Kategorie ins Leben gerufen. Einerseits erweitert sich so das Teilnehmerfeld und steigert die Vielfalt an dieser Meisterschaft. Bei diesem Versuch konnte man bereits 7 Piloten mobilisieren. Wegen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine fehlt das Team Russland aus politischen Gründen in Italien. Einerseits bedeutet das, dass einige Piloten und sehenswerte Modelle nicht anzutreffen sind, andererseits hat sich das russische Team dazu entschieden, die Wanderpokale nicht mehr zurückzugeben, was das IJMC dazu nötigte, einige Pokale neu zu beschaffen.



Heisse Meisterschaft, coole Piloten

Der ganze Wettbewerb war geprägt von einer unglaublichen Hitze. Mit beinahe 40 °C brannte die Sonne auf Menschen und Material. So hatten die Piloten mit den aussergewöhnlich hohen Temperaturen zu kämpfen, was manchmal auch zu Flüchtigkeitsfehlern während der Vorbereitung oder der Flüge führte. Bei der Turboprop-Kategorie zeichnete sich schnell ab, dass die Schweizer Piloten mit ihren Pilatus PC-21 vorne mitmischen können. Die Basis legten sie mit ausgezeichneten Flugeleistungen und sehr guten Modellen. So erreichten sie die ausgezeichneten Ränge 2 (Reynold Augsburger) und 3 (Hans Wüthrich).

In der 15-kg-Kategorie war Adrian Senn eine Klasse für sich und schnell war klar, dass er den Titel holen würde. Sein Modell und die ausgezeichnete Flugeistung, 3 Mal bester Flug in der 15-kg-Klasse (3. Rang unter allen Piloten), waren eine unschlagbare Kombination und äusserst wichtig für die Nationenwertung.

Die 20-kg-Kategorie war sehr spannend, da kristallisierte sich heraus, dass wohl die Baubewertung den Ausschlag für den Sieg geben würde. Andreas Schär war an dieser Meisterschaft der beste Pilot unter allen 49 Teilnehmern und wurde mit den Baupunkten seiner Vampire schlussendlich hervorragender 2. hinter dem verdienten Sieger Frank Westerholt aus Deutschland. Dank dem 5. Platz von Pascal Thoma reichte es dem Schweizer Team erstmals zum Sieg in der Nationenwertung. Das Schweizer Team mischt weiter munter in der Weltspitze der Scale-Jet-Szene mit. Da dürfen wir uns auf das nächste Jet World Masters freuen, das 2025 voraussichtlich in Finnland stattfinden wird. Erwähnenswert ist auch der Besuch von Faruk Yeginsoy, dem Sportchef vom SMV, er liess es sich nicht nehmen, das erfolgreiche Swiss Jet Scale Team in Rivanazzano für einen Tag zu besuchen. Sämtliche Ranglisten sind auf der SMV-Seite unter «Sportresultate» zu finden.




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