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Nachruf Peter Aeberli

von Georg Staub
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14. Juli 1950 bis 28. Dezember 2021

Am 28. Dezember 2021 ist Peter Aeberli im 71. Lebensjahr nach schwerer Krankheit verstorben. Mit seinen Angehörigen trauern zahllose Freunde und Modellflug-Kollegen um einen liebenswerten Menschen, der sich während Jahrzehnten mit Herzblut für den Modellsegelflug engagiert hat.

Peter wuchs in Erlenbach am Zürichsee auf. Schon als 14-Jähriger trat er der Modellfluggruppe Erlenbach bei (heute Modellfluggruppe Erlenbach-Herrliberg, MGEH). Da es damals noch keine erschwinglichen Fernsteuerungen gab, baute Peter Freiflugmodelle, mit denen er erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. Sein Vater Eugen war passionierter Segelflieger und förderte intensiv die damals noch in der Pionierphase stehende Herstellung von Segelflugzeugen in glasfaserverstärktem Kunststoff. Im März 1964 steuerte Eugen Aeberli die H-301 Libelle bei ihrem Jungfernflug. Sie wurde später von der Firma Glasflügel in Serie produziert. Die ganze Familie Aeberli verbrachte die Wochenenden regelmässig auf dem Flugplatz Spreitenbach. Dort durfte der kleine Peter nachmittags auf dem Hintersitz der De Havilland Chipmunk mitfliegen, während diese Segelflugzeuge hochgeschleppten. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich das Virus aviaticus tief in Peter einnistete und ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen sollte.

In der Sturm-und-Drang-Periode des jugendlichen Erwachsenen geriet der Modellflug vorübergehend in den Hintergrund. Peter schraubte nun in der Karosseriespenglerwerkstatt seines Vaters leidenschaftlich an Töflis und Autos herum. Modellflugzeuge machten nur Spass, wenn sie motorisiert waren. Der Marabu, ein damals bewährtes Akrobatik-Modell, wurde auf einer wenig befah-



renen Strasse bei Wetzwil am Pfannenstil gestartet, denn die MGEH hatte noch keinen eigenen Flugplatz.

Als in den 70er-Jahren die Kategorie F3B aufkam, fand Peter zum Segelflug zurück. Er begann ernsthaft zu trainieren und tüftelte an Eigenkonstruktionen. So entstand unter anderem der «Attacco», den Peter mit einer ferngesteuerten Schwerpunktverschiebung ausstattete. Erfolgreich nahm Peter an regionalen, nationalen und auch internationalen Wettkämpfen teil. Ein dritter Platz am Oktoberfestpokal in München 1978 und der Schweizer-Meister-Titel 1980 waren einige seiner Spitzenresultate. 1981 wurde Peter für die F3B-Nationalmannschaft nominiert – und lehnte ab! Damit fand seine erfolgreiche Wettbewerbskarriere ihr plötzliches und definitives Ende. Der zunehmende Material- und Trainingsaufwand sowie die hohe nervliche Wettkampfbelastung dürften die Gründe dafür gewesen sein. Peter fehlte das Naturell des ehrgeizigen, verbissenen Kämpfers.

Während Peters Wettbewerbsfliegerei hatten einige seiner Vereinskollegen die Fliegerei mit Grossseglern entdeckt. Schon 1975 war der vollständig in Formen laminierte Glasflügel Mosquito 1:4 in GFK-Technik entstanden. Nach dem Rückzug aus der F3B-Szene war auch Peter sofort Feuer und Flamme und machte sich an den Bau von Grossseglern. Stets setzte er dabei eigene Ideen gekonnt um, was die Entwicklung dieser damals noch jungen Modellsegelflugsparthe sehr gefördert hat. Als gelernter FEAM verstand er es, Elektronik gekonnt mit Mechanik zu kombinieren. Sein Bautempo war legendär schnell, wobei die Qualität keinesfalls litt. Peter hatte seine wahre Passion, das genussvolle Fliegen mit grossen, vorbildge-


treuen Segelmodellen, gefunden und blieb ihr bis zuletzt treu.

1977 konnte Peter, noch während seiner Wettbewerbsfliegerei, dazu bewegt werden, das Präsidium der MGEH zu übernehmen. Kurz zuvor war es dem Verein gelungen, im Schmideneich oberhalb Herrliberg endlich ein eigenes Flugfeld zu pachten. In den 13 Jahren von Peters engagierter Präsidentschaft erlebte der Verein einen ungeheuren Aufschwung. Jedes Frühjahr tauchten neue selbst gebaute Segler auf dem Platz auf. Sie wurden immer vorbildgetreuer und ihre Flugleistungen stetig besser. Viele Innovationen trugen wiederum Peters Handschrift. So wurden dank seiner Wettbewerbserfahrungen F3B-Profile mit geringer Profilwölbung verwendet, was die Gleitleistungen und die Dynamik deutlich verbesserte. An den Wochenenden wimmelte es auf dem Flugplatz von Piloten, Angehörigen und grossen Seglern. Einzige Startmöglichkeit war die ausgeklügelte Winde mit Seilrückholung, welche die Flugzeuge quasi im Minuten-takt in den Himmel beförderte. Auch der eigene Nachwuchs machte im Schmideneich seine


ersten Gehversuche, erst krabbelnd auf der Wiese und bald auch am Steuerknüppel. Darunter war auch Peters 1982 geborener Sohn Daniel, der schon als Dreikäsehoch die Grosssegler seines Vaters steuern durfte.

Zu dieser Zeit gab es weder Wettbewerbe noch Treffen für Grosssegler-Enthusiasten. Peter und seine Kollegen vermissten die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Deshalb initiierte Peter 1982 die Gründung der Interessengemeinschaft Grosssegler (IGG), deren Ziele jährliche Flugtreffen in der Ebene und am Hang sind, ohne Wettbewerbsstress, aber mit viel Zeit für Fachsimpeln und lange, gemeinsame Genussflüge in der Thermik. Die IGG profitierte von Peters Organisations- und Kommunikationstalent wie auch seinem grossen Beziehungsnetz, das er während seiner beruflichen Tätigkeit im Aussendienst geschaffen hatte. Die IGG, die hauptsächlich Peter während der ersten 20 Jahre führte, existiert noch heute. Sie ist sehr aktiv und wurde zum Vorbild für den Aufbau vieler Schwesterorganisationen im Ausland.


Als Dani ab etwa 1998 Windsurf-Regatten zu bestreiten begann, reduzierte Peter selbstlos seine Fliegerei. Zusammen mit seiner Frau Isa begleitete er seinen Sohn jahrelang an Wettkämpfe im In- und Ausland und betreute ihn professionell.

Auch als Dani sich anschickte, mit seiner Firma Chocofly in der Modellflugbranche Fuss zu fassen, konnte er sich auf Peters Unterstützung verlassen. Die junge Firma landete schon mit ihrem ersten Grossegler, der SB-14 im Massstab 1:3,5, ihren ersten Volltreffer. Diese Konstruktion hatte sich im Vereinsbetrieb bereits bestens bewährt und war zu Peters Lieb-


lingsflugzeug geworden. Um seine SB-14 autonom starten zu können, entwickelte er einen mit wenigen Handgriffen montierbaren Pylon-Elektroantrieb. Nach seiner Frühpensionierung arbeitete Peter noch intensiver in der weiter aufblühenden Firma seines Sohnes mit. Viele technische Verbesserungen, etwa an verdeckten Ruderantrieben und Einziehfahrwerken, sind auf Peters beharrliche Einwicklungsarbeit zurückzuführen.

Leider blieb Peter von gesundheitlichen Rückschlägen nicht verschont. Im besten Alter erlitt er eine Netzhautablösung, die seine Sehfähigkeit deutlich


und dauernd beeinträchtigte. Fortan sass ihm die Angst im Nacken, sein Flugzeug plötzlich aus den Augen zu verlieren. Da Peter ein sehr vorsichtiger Mensch war, flog er nur noch kurz und auch nicht mehr hoch. Solange andere Modelle in der Luft waren, verzichtete auf einen Start. Obwohl ihn diese Sehschwäche behinderte und verunsicherte, beklagte sich Peter nie, was ich sehr bewunderte.

Leider war es Peter nicht vergönnt, in seinem dritten Lebensabschnitt noch viele schöne und unbeschwerte Jahre zu geniessen. Eine heimtückische, unaufhaltbare Krankheit be-


gann sich seiner zu bemächtigen. Mehr und mehr legte sich ein stetig dunkler werdender Schatten über ihn und verschluckte ihn schliesslich völlig. Sein fortschreitender geistiger und körperlicher Zerfall war für seine Angehörigen und Freunde kaum zu ertragen.

Seine Angehörigen und zahllose Hobbykollegen, die während vieler Jahre gemeinsam mit Peter ihrer Leidenschaft gefrönt haben, vermissen einen stets freundlichen, zuvorkommenden, liebenswürdigen, hilfsbereiten und uneigennützigen Menschen. Er hinterlässt eine grosse Lücke.

Georg Staub



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