Mithilfe des eigenen Antriebs starten
Ein Dutzend Grosssegler-Piloten trafen sich mit ihren Maschinen auf dem Flugplatz der MG Winterthur in Ricketwil bei Räterschen. Für einmal stand kein einziges Schleppflugzeug auf dem Platz. Dies war aber kein organisatorisches Versehen, sondern wesentlicher Teil des Programms. Jedes Segelflugzeug musste nämlich in der Lage sein, mithilfe eines eigenen Antriebs zu starten und Höhe zu machen.
Nach einer längeren Regenperiode hatten die Wetterfrösche auch für diesen Tag alles andere als Hammerwetter prognostiziert. Immerhin war aber wenigstens bis zur Ankunft der nächsten Regenfront im Laufe des Nachmittags mit trockener Witterung zu rechnen. Der Begrüssungskaffee in der heimeligen Gaststube des nahe gelegenen Restaurants Landhaus wurde deshalb eher kurz gehalten. Schon bald folgten die ersten Flüge. Der zu Beginn böige Seitenwind machte die Starts anspruchsvoll, da die Segler in der Anrollphase auszubrechen drohten und die Ge- fahr einer Kollision mit dem Sicherheitsnetz bestand. Dank Routine schafften es aber alle Piloten, ihre Maschine vom Boden wegzubringen und auch wieder heil zu landen. Zu sehen waren alle bekannten Antriebsvarianten. Rund die Hälfte der Segler, vorwiegend im Massstab 1:3 oder 1:3,5, war mit Klapptriebwerken von Schambeck, Ritzmann und JK ausgerüstet. Einige Klapptriebwerkler-Piloten benutzten zusätzlich ein Gummiseil, welches den Start beschleunigend unterstützte und den Seitenwindeinfluss verminderte. Mehrere Flugzeuge wiesen die

klassische Frontmotorisierung auf. Sie wurden vorwiegend per Gummikatapult in die Luft befördert, worauf der Motor eingeschaltet wurde. Eine mit lediglich 10 Lipos bestückte ASK 14 (1:2,5, 17 kg) demonstrierte saubere Bodenstarts von der Graspiste, obwohl der tief liegende Frontpropeller zeitweise die Grasspitzen kitzelte. Leichtere Segler wurden mittels klassischer Handstarts ihrem Element übergeben. Auch das System von Chocofly mit starrem Motorpylon wusste zu überzeugen. Hier liegt der Vorteil darin, dass der Antrieb mit wenigen Handgriffen demontiert und in ein anderes Modell versetzt werden kann. Überzeugend waren auch die Flüge einer Scheibe SF 33, welche als einziger Motorsegler mit Benziner-Antrieb leiser als viele «Stromer» in den Himmel stieg. Ein interessantes Experiment war leider nur in einem Kofferraum zu besichtigen, nämlich ein Segler mit (noch)

nicht einziehbarem Elektro-Im- peller. Hier könnte Entwick- lungspotenzial für eine weitere Klapptriebwerk-Variante vor- handen sein. Der Seitenwind gab zum Glück im Laufe des Tages nach. Trotz zeitweise fast geschlossener Wolkendecke kamen alle Pilo- ten auf ihre Rechnung. Die meistens zerrissene, von Greif- vögeln aber sauber markierte Thermik trug die Segler mehr als einmal in einem Zug Hun- derte von Metern in die Höhe. Rechtzeitig vor der Ankunft der angekündigten Regenzone wurde der Flugbetrieb einge- stellt. Sichtlich zufrieden ver- sammelte man sich danach wieder im Restaurant Land- haus. Einstimmig wurde be- schlossen, dass dies nicht das letzte Motorsegler-Treffen ge- wesen sein sollte. Vielen Dank an die MG Win- terthur, vertreten durch René Koblet und Herbert Niederer, welche spontan ihr schönes Flugfeld für diese Veranstal- tung zur Verfügung gestellt hat, und an Peter Aeberli, der das Treffen organisiert hat.
Georg Staub


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