Je leichter, desto flüügt's!
Vor 25 Jahren gründeten ein paar Männer die Interessengemeinschaft Power Scale Soaring Association Swiss, kurz PSSAS. Das Ziel dieser IG ist es, einigermassen vorbildgetreue, im richtigen Leben mit Motoren oder Düsentriebwerken ausgestatte Flugzeuge als Segler zu bauen und zum Fliegen zu bringen. Was damals von Peter Hofer aus Altdorf initiiert wurde, gibt es noch immer.
Es war noch im letzten Jahrtausend, als einige Modellflieger versuchten, eine Fokker 27, eine Venom, eine DC 3 oder Ähnliches konsequent ohne Motor, Auspuff, Tank, Fahrwerk und so weiter zu bauen und an einem Hang fliegen zu lassen. Peter Hofer aus Altdorf war einer dieser Modellflugpiloten. Er war es dann, der das erste Treffen dieser etwas speziellen Modellflugspezies auf dem Biel Kinzig organisierte. Mit dabei waren an diesem 24. September 1994 Peter Hofer als Initiant, Alfred Genther als Urgestein dieser Modellfluggattung, Walter Wolf, Urs Brechbühl, Alex Arnold, Paul Schilliger und der Autor dieser Zeilen, Martin Zürcher. Das erste Treffen war so Erfolgreich, dass man sich noch am selben Abend auf dem Parkplatz der Biel-Kinzig-Bahn dazu entschloss, die IG PSSAS zu gründen.

Ja, es gibt die IG PSSAS noch immer. Geändert hat sich in den 25 Jahren nicht sehr viel. In Spitzenzeiten hatte die IG gegen 40 Mitglieder. Leider ist es aber wie in andern Interessengemeinschaften oder Vereinen, es fehlt etwas der Nachwuchs. Die Jungen haben heute so viele verschiedene Freizeitangebote, dass es schwer wird, sich für etwas zu entscheiden. Was auch die PSSler nicht verhindern konnten, seit der Gründung der IG sind alle 25 Jahre älter geworden. Für einige wird es immer schwieriger, die Berge hoc zukommen, bei andern ist eine Brille zur Standardausrüstung geworden, bei wieder andern ist es der Beruf, der Einschränkungen erzwingt, und einige haben sich anderen Interessen zugewandt. Den harten Kern gibt es aber noch immer, und der hat in den vergangenen Jahren betreffend Bau und Auslegung der Modelle noch einiges dazugelernt.
«Je liechter, desto flüügt's.» Fredy Genther hat dies schon vor sehr vielen Jahren richtig erkannt. Dabei ist ein leichter Flieger nicht nur einfacher zum Fliegen zu bringen, er bringt auch Vorteile bei der Landung oder bei einer Notsituation, sprich Absturz. Ja, auch das gibt's, PSS-Modelle fallen auch vom Himmel. Fredys Modelle sind aber so leicht und filigran gebaut, dass ihnen schlichtweg die kinetische Energie fehlt, um bei einem Absturz kaputtzugehen. Die transparente Venom zeigt, wie das der Meister des Leichtbaus macht. Und wenn es einmal kritisch wird, wirft Fredy den Fallschirm aus und das Modell schwebt am Schirm baumelnd dem Boden zu. Nun ist diese extreme Leichtbauweise ja nicht jedermanns Sache. Wer richtig Strecke machen oder einige Figuren fliegen will, benötigt neben der richtigen Auslegung auch einige Gramm mehr. Balsa, Styro und EPP sind die bevorzugten Baumaterialien. Heut tummeln sich wirklich alle möglichen Modelle am Himmel. Noch immer gilt, dass sich die PSS-Piloten mindestens viermal pro Jahr irgendwo in den Alpen treffen. Die Furka, die Grimmialp und die Cavall Drossa im Tessin gehören, wie schon früher, zu den favorisierten Treffpunkten. Zugegeben, auch wir mussten feststellen, dass sich etwas tut in der Atmosphäre. In den letzten 10 Jahren hatten wir oft Wetterpech.

Der Autor gehört leider zu denen, die jobbedingt beinahe jedes Wochenende am Arbeiten sind. Das Furka-Treffen im Herbst lässt er sich aber nicht nehmen. Im vergangenen Jahr waren Fredy Genther, René Walther, Christoph Rufle, Hans Roser, Peter Graf, als Ehrengast Kilian Henzi und der Autor hoch über dem Urnerland anzutreffen. Wenn es richtig läuft, sieht das dann etwa so aus: «I chume vo rächts... Oh sorry, i ha s andere rächts gmeint». Ja, es geht zeitweise lustig zu und her. Von rechts schiesst die PC 21 des Autors dem Hang entlang, von links nähert sich bedrohlich die Focke Wulf von Peter Graf, plötzlich mischt da auch noch die Shooting Star von Kilian Henzi mit, René Walther weicht mit seinem Kraftei dem ganzen Gewusel aus und Hans Rosers James-Bond-Flieger jagt Christoph Rufles Spezialkonstruktion. Nur Fredy Genther geht das Ganze nichts an. Gemütlich in seinem Stuhl sitzend, hat er seine kleine Piper beinahe in die Stratosphäre hochsteigen lassen. Plötzlich taucht der Chef auf. Ein riesiger Adler macht einen Kontrollflug. Er findet aber die unbekannten Flugobjekte nicht besonders interessant und zieht wieder ab. Anders war es bei den Bergdohlen. Die hatten so richtig den Spass an der Alula von René Walther. Er nutzt sie jeweils als Thermik- und Aufwindschmöcker. Minutenlang drehten die Bergdohlen mit dem vom Menschen gemachten komischen Vogel ihre Runden. Mit Fredy Genthers Venom machten die schwarzen Flugkünstler sogar richtig schöne Staffelflüge.

Im französischen Mâcon findet jedes Jahr übers lange Pfingstwochenende ein international ausgeschriebenes Modellsegelflug-Treffen statt. Neben Zweck- und Scale-Seglern am Donnerstag und am Freitag gibt es am Samstag jeweils die PSS-Klasse. Der Gedanke, einmal an diesem Treffen dabei zu sein, geisterte schon länger in den Köpfen einiger PSS-Piloten herum. Im Jahr 2016 schafften es Urs Brechbühl, Peter Graf und der Autor, als kleine Schweizer Delegation nach Mâcon zu reisen. Gegen 40 Piloten mit vielen verschiedenen Modellen waren am Start. Zuerst wurden die Modelle von einer Jury unter die Lupe genommen und bewertet, danach galt es, sie auch im Flug zu zeigen. Noch während der Baubewertung herrschten relativ gute Verhältnisse, kurz danach stellte der Wind aber ab. So wurde die Rangliste ohne den Punkt Fliegen erstellt. Alle Schweizer platzierten sich im 1. Viertel der Rangliste. Der Autor durfte sich sogar über den erreichten 2. Platz freuen. Auch in diesem Jahr reisten Graf, Brechbühl und diesmal René Walther nach Mâcon. Fazit: Wieder gab es für alle sehr gute Platzierungen. Als grosser Sieger des Treffens Mâcon VDP 2019 konnte sich Urs Brechbühl aus Thun feiern lassen. Bis zum Zeitpunkt, als diese Zeilen geschrieben wurden, gab es noch kein Video der Preisverteilung 2019, daher hier der Link zu einem Video von der Preisverteilung aus dem Jahr 2016:

Die Geschichte der IG PSSAS geht weiter. Auch wenn wir in den vergangenen Jahren das eine oder andere Mal etwas Wetterpech hatten, so wurden wir immer wieder mit speziell guten Flugtagen verwöhnt. Bald steht das nächste Furka-Treffen an. Dieses wird jeweils im September oder Oktober spontan organisiert. Zu hoffen ist, dass die IG ihr 25-Jahr-Jubiläum bei besonders guten Flugbedingungen feiern kann. Garantiert ist auf jeden Fall ein feines Nachtessen im Freundeskreis, der sich über die 25 Jahre entwickelt hat. Vielleicht gibt es ja den einen oder andern, der bei den vorliegenden Bildern etwas PSS-Luft geschnuppert hat. Wer auf der Furka mit Flieger ohne Motor dabei sein möchte, ist herzlich willkommen. Ein E-Mail an den Autor reicht, um sich anzumelden: tinu.z@bluewin.ch
Die Bilder in diesem Beitrag haben René Walther, Peter Graf und der Autor beigesteuert.


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