Grosssegler feiern Jubiläum auf dem Schmerlat
Während drei Tagen führte die Interessengemeinschaft Grosssegler Schweiz (IGG) zum 40-Jahr-Jubiläum einen Flugtag durch. Über 70 Mitglieder liessen ihre Grosssegler fliegen und pflegten am Abend die Kameradschaft.
Am Wochenende kreisten unzählige Segelflugzeuge über dem Flugplatz Schmerlat, und drei Schlepp-Motorflugzeuge brachten ständig weitere nach oben. Allerdings sassen keine Piloten im Cockpit, sondern lebensechte Puppen. Jeder Pilot konnte beliebig viele Flüge machen und stellte sich, sein riesiges Modellflugzeug schiebend oder geschultert, in die Startreihe. Als Grosssegler gelten Modelle ab einer Spannweite von 3,8 Metern – das grösste auf dem Platz mass 10,5 Meter. Der IGG-Vorstand unter Präsident Don Attilio stellte die Infrastruktur, Schleppflugzeuge und die Flugleitung für einen sicheren Flugbetrieb zur Verfügung. Die Piloten durften ihre in unzähligen Arbeitsstunden liebevoll und detailgetreu gebauten Flugmodelle keinen Augenblick aus dem Auge verlieren. Jürg Schär aus Menznau LU passierte aber genau das – und schon war der Zusammenstoss passiert – mit zwei Totalverlusten. «Ich war in 350 Metern am Kreisen, die Sicht gegen die Sonne war schwierig und es ist blöd gelaufen.» Der erfahrene Robert Disler: «Ich darf nicht in die Kamera schauen, aber lachen und fliegen zugleich kann ich.» Geflogen wurde bis in die Dämmerung, zum gemeinsamen Nachtessen mit Austausch von Fliegerlatein. Linienpilot Heinz Keller aus Hüttikon war begeistert von seinem ersten Grossanlass: «Hier kann ich mich fliegerisch richtig austoben.»

Don Attilio: Es gab wenig Möglichkeiten, sich auszutauschen, und nur eine Schleppmaschine für die wachsende Anzahl Grosssegler stand zur Verfügung. Die IGG ermöglichte es, sich über den Bau der Modelle auszutauschen und gemeinsame Lager durchzuführen mit Bereitstellung der Infrastruktur. Das hat sich bewährt, und ich sehe auch nach 40 Jahren eine Zukunft für die IGG. Es gibt bereits sechs weitere Interessengemeinschaften nach unserem Vorbild in Europa. Deutsche und französische Kollegen sind anwesend.

Was ist die grössere Herausforderung, bauen oder fliegen?
Beides ist gleichwertig. Die Flugzeuge werden möglichst detailgetreu dem grossen Vorbild nachgebaut. Die Technik hat enorme Fortschritte gemacht und dadurch sind die Modelle viel sicherer geworden. Wir haben die Höhe angezeigt, im Kopfhörer hört man die Steig- oder Sinkrate, und Elektromotoren machen unabhängig von Schleppmaschinen. Aber wenn es blöd läuft, kann es schon mal einen Zusammenstoss geben in der Luft, wie leider am Freitag geschehen.
Was sind zusätzliche Aufgaben der IGG?
Wir organisieren vier Treffen pro Jahr und stellen die Infrastruktur zur Verfügung inklusive Schleppflugzeuge vom Power-Schlepp-Team. Ein grosses Anliegen ist, junge Modellflugschlepppiloten für Grosssegler zu begeistern.
Wie findet ihr den Jubiläumsort Schmerlat?
Ich wohne in Beringen und kenne es. Der Schmerlat ist der schönste Ort auf der Welt. Die Landschaft ist wunderschön, so viel grün und die Infrastruktur mit Hangar, WC und sogar einem aufgebauten Pool ist hervorragend. Am Pistenrand im Wohnmobil oder Zelt übernachten und die Flieger zu sehen, ist traumhaft. Die Kameradschaft wird grossgeschrieben, wir sind eine kleine Familie.
Wie hoch ist der Aufwand?
Als ich vor sechs Jahren Präsident wurde, waren wir 60 Mitglieder, heute sind es fast 300. Der Aufwand für das Jubiläumslager war gross. Es mussten Absperrungen angebracht werden, da die Modelle immer grösser werden. Zum Jubiläum haben wir alle Mitglieder eingeladen. Alles inklusive zwei Nachtessen ist gratis.


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