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RC-Anlagen global

von Emil Ch. Giezendanner
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60 Jahre Futaba


Nach einigen Jahren des Unterbruchs hatte ich wieder einmal Gelegenheit, Futaba in Japan zu besuchen – just im Jubiläumsjahr. Neueren Entwicklungen in einem global funktionierenden Wirtschaftsumfeld wie zum Beispiel der Auslagerung von Arbeitsplätzen in sogenannte Billiglohnländer konnte sich auch dieser Konzern nicht verschliessen. Die Futaba-RC-Anlagen sind weltweit noch immer im Vormarsch und gleich in mehreren Bereichen führend.


Ein paar Worte zur Geschichte

Da der Konzern sich sehr vielseitig in ganz verschiedenen technischen Bereichen entwickelte, beschränke ich mich in der Folge weitgehend auf den RC-Modellflugbereich. Futaba startete 1948 mit der Entwicklung und Produktion von elektronischen Vakuum-Röhren. Bereits ein Jahr später wurde in Yatsumimura, Chosei-gun im Bezirk Chiba, Land erschlossen, und es wurden neue Produktionsgebäude sowie die Firmenzentrale erbaut. Nach einem Dutzend Wachstumsjahren begann ein Verkaufsbüro mit dem Vertrieb von Fernsteuerungen und Plastikmodellen. Bereits ein Jahr später, 1962, wurden zusätzlich Produktion und Vertrieb von RC-Anlagen und Zubehör aufgenommen. 1962 entwickelte Futaba erstmals Superheterodyne-Empfänger und RC-Anlagen, welche die simultane Betätigung mehrerer Funktionen ermöglichten. Bald folgte der Export nach USA und Europa.

1967 wurde der erste Joystick-Sender entwickelt, und 1969 folgten die ersten Proportional-Anlagen. Mit 1978 begann das «Modul-Zeitalter», und schon 1983 folgten die ersten PCM-Anlagen. Der grosse Durchbruch dieser Anlagen gelang 1987 mit der PCM 1024. Ein weiterer wichtiger Schritt erfolgte 1992 mit den Synthesizer-Steuerungen. 1996 brachte Futaba ein 2,4-GHz-Duplex-Kommunikationssystem auf den Markt, das Wegbereiter für die heutigen modernen RC-Anlagen war. Betrachten wir die 60-jährige Geschichte dieser Firma, fällt auf, dass die einzelnen Entwicklungsschritte jeweils ein paar Jahre benötigten, dafür auf Antrieb erfolgreich waren und ankamen. Diese seriöse Geschäftspolitik mag in vielen Bereichen – z.B. in der Spielzeug- und Schaumstoffwelt – ein Auslaufmodell sein. Im seriösen Modellflug, wo teure und auch grössere Flugzeuge zum Einsatz gelangen, kann durchaus eine Qualität, wie sie im personentragenden Flugzeugbau angestrebt wird, angemessen sein. Allerdings ist diese Qualität auch mit höheren Kosten verbunden. Wir bezahlen bekanntlich nicht nur die Herstellungs-, sondern auch die Entwicklungskosten, und die sind halt bei den Originalprodukten höher als bei irgendwelchen Plagiaten. Nie habe ich gehört, dass bei Futaba im grossen Stile RC-Anlagen zurückgerufen werden mussten.



Die besten Modellflieger der Welt an der Entwicklung beteiligt

Die RC-Anlage ist heute der treueste Begleiter der meisten Modellflieger. Flugzeuge und Flugplätze werden gewechselt, die RC-Anlage bleibt sozusagen «auf Mann». Sie überträgt die Befehle des Piloten von seiner Hand unsichtbar und sicher auf das Flugzeug. So simpel diese Abläufe zu sein scheinen, stecken doch eine Menge Überlegungen, lange Erfahrung und Tausende von Entwicklungststunden von Hard- und Software dahinter. Wer könnte dazu besser die nötigen Impulse und kritische Würdigung liefern, als erfahrene Spitzentalente der einzelnen Modellflugdisziplinen. Mit Giichi Naruke und Yoichori Akiba im F3A-Kunstflug sowie in der F3C-Helikopter Sparte mit Yukihiro Dobashi sind bei Futaba gleich mehrere Weltmeister und international bekannte Spitzentalente engagiert. Eine konsequente Weiterentwicklung über Jahrzehnte in Verbindung mit einem hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit kann Futaba die immer schneller schiessende Konkurrenz auf Distanz halten. Mit dem neuen 2,4-GHz-System gelang sogar eine echte Distanzierung. Sobald sich das Know-how auch in diesem Bereich durchgesetzt haben wird und der Preiserfall im Elektronikbereich anhält, wird der Konkurrenzdruck aus China noch gewaltiger. Ich bin gespannt, mit welcher Strategie das Futaba-Management diesen Entwicklungen begegnen wird. Da es beim ernsthaften und aufwendigen Outdoor-Modellflug letztlich insbesondere um eigentliche Flugsicherheitsfragen geht, müssen wir diese hohen Anforderungen als oberste Priorität sehen. Bezüglich Anschaffungskosten muss hier allerdings ein Umdenken stattfinden. Auch in der personentragenden Fliegerei ist Sicherheit nicht zu Discountpreisen zu haben. Stellen wir unsere Anforderungen künftig vermehrt unter das Motto «Qualität» und «Flugsicherheit» statt unter «welche Servos am billigsten sind», können Hersteller wie Futaba im Highend-Bereich überleben. Millionenfach produzierte Spielzeug-Steuerungen mögen gegebenenfalls noch im Indoor-Bereich Berechtigung finden. Man schaue allerdings darauf, dass keine Kinder dreinbeissen, weil giftig ...


Die sinnlosesten Diskussionen der Welt

Mehr oder weniger hitzige Diskussionen, welche RC-Anlage nun die beste sei, sind ebenso dumme Zeitverschwendung wie die bekannten Biertischgespräche über Autos. Echte Produktvergleiche müssten analytisch vorgenommen werden, wobei bereits die Wahl einheitlicher Kriterien nur bedingt möglich ist, da den verschiedenen Fabrikaten verschiedene «Benutzer-Philosophien» zugrunde liegen. Allerdings muss hier gleich erwähnt werden, dass in den letzten Jahren auch hier eine gewisse Annäherung stattgefunden hat.


... und es geht weiter

Wie bereits erwähnt, bei Futaba wird nicht hektisch entwickelt, sondern seriös. Im Gegensatz zu andern Herstellern wird ein Produkt erst dann weiterentwickelt, wenn genügend Praxiserfahrung vorliegt. Das Sprichwort «Meister, die Arbeit ist getan, soll ich sie gleich reparieren?» findet hier keine Anwendung. So wird in den nächsten Monaten der Sender 12Z mit integriertem 2,4 GHz HF-Teil und etwas verzögert dazu der 14 MZ auf den Markt kommen. Laufend gesellen sich neue Servos und Kreisel zum schon jetzt gigantischen Angebot. Insbesondere werden dabei zwei Richtungen verfolgt: die Miniaturisierung einerseits sowie die Ausrüstung grosser, starker Maschinen anderseits. Dabei kann es sich Futaba leisten, für Kleinstempfänger und Miniservos ein eigenes Stecksystem zu verwenden. Wer führend ist, gibt auch den Ton an. Das war schon immer so. Bei den Servos ist die neue BLS-(=Brushless-)Generation schon heute eine Erfolgsstory. Die Umstellung der Empfängerstromversorgung auf 7,2 V wird ganz klar zur Vereinfachung der Stromversorgung mit Lipos führen. Ein mutiger Schritt, Gratulation!


Die RC-Anlagen

Bei den hier kurz aufgeführten Sendern beschränke ich mich auf das aktuelle Programm sowie auf die für den Modellflug vorgesehenen Anlagen, d. h. die für den RC-Carbetrieb geeigneten sind hier nicht aufgeführt. Nicht alle Empfänger sind zu allen Sendern passend. Nach Möglichkeit Originalservos verwenden. Erfahrungen haben gezeigt, dass gerade im Zusammenhang mit Kursen im Rahmen der Jugendförderung die 2,4-GHz-Anlagen sehr zu empfehlen sind. Unerfahrene und ungeduldige Teilnehmer können so die Leiter weniger nervös machen ... Hier lohnt es sich, ein paar Franken mehr auszugeben und z. B. auf die T6EX zu setzen. Zu den grösseren Sendern 12Z und 14Z sind beim Schweizer Vertreter Pulte erhältlich. Der Mensch ist schliesslich ein Gewohnheitstier – ich auch, deshalb erzähle ich euch in der nächsten Nummer mehr über Japan.

Emil Ch. Giezendanner


Schweizer Modellflugszene weltoffen

Die Schweizer Modellflieger haben – im Gegensatz zu Ländern mit etablierten Herstellerfirmen – keine Hemmungen, jene Produkte zu beziehen, die ihren Vorstellungen am nächsten kommen, unabhängig davon, wo diese produziert werden. Dies befreit uns vom sprichwörtlichen Röhrenblick und führt dazu, dass wir neue Technologien sehr viel schneller akzeptieren und einführen als Modellflieger in Ländern mit wichtigen Herstellern/Importeuren. Dies mag mit ein Grund sein, dass sich in der Schweiz schon sehr früh – ab ca. 1960 – z. B. US-amerikanische RC-Anlagen und Motoren schnell und erfolgreich verbreiten konnten. In den Siebzigern kamen dann die Japaner mit ihren RC-Anlagen von JR und Futaba ebenso breit ins Geschäft. Jahrelang waren später die Schweizer F3A-Spezialisten die fast Einzigen in Europa, welche die japanischen Yamada-Motoren einsetzten.



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