60 Jahre Modellfluggruppe Breitenbach
Es war am 22. Januar 1959, als im verrauchten Nebenzimmer des Gasthofes «Fuchs» in Breitenbach acht junge Bur-schen mit ihrem künftigen Obmann, Walter Felix, zur Gründung der Modellfluggruppe Breitenbach zusammentrafen. Schon eine Woche später wurde dem AeCS die Gründung eines neuen Modellflugvereins mit 13 Mitgliedern gemeldet. Es war der Anfang einer Erfolgsgeschichte.
Modellflug hiess damals Freiflug. Die acht jungen Breitenbacher Modellflieger hatten diese Sportart vor der Gründung ihres eigenen Vereins als Mitglieder der MG Laufen erlernt.
Der Sonntag war jeweils Trainingstag auf dem Wahlenfeld. Selbstverständlich erschien man dabei auch in sonntäglicher Aufmachung. Per Velo zog man zu kleineren regionalen Wettbewerben und bald auch zu grossen Anlässen nach Pruntrut und ins Birrfeld.
1965 wurde ein erster Baukurs mit Oberstufenschülern durchgeführt. Es war auf Anhieb ein Erfolg. Unzählige weitere Baukurse mit Schülern aller Stufen sollten in den kommenden Jahrzehnten folgen.
Die Energie in der neuen Modellfluggruppe war enorm.

Entsprechend folgten die Fortschritte Schlag auf Schlag: 1966 wurde der 1. schweizerische Mannschaftscup im Freiflug organisiert. 27 Vereinsmannschaften à je drei Teilnehmer
waren ein grandioser Einstand. Dieser Wettbewerb wurde in der Folge 34 Mal durchgeführt, bis er im Jahre 1999 mangels genügender Teilnehmer fallen gelassen wurde.
Fernsteuerungen waren zur Gründerzeit noch weit weg von der Szene. Aber bald tauchten die ersten Verbrennermotoren auf, und auf dem Markt waren Fesselflugbaukästen erhältlich. Das animierte die jungen Modellflieger, Fesselflugmodelle zu bauen und Flugversuche zu starten. Meist blieb es bei einigen Runden auf der Spielwiese des Schulhauses Breitenbach. Nachher wurde wieder repariert. Bei diesen sonntäglichen Flugversuchen inmitten des Wohngebietes waren jeweils interessierte Zuschauer dabei und hatten an den knatternden Motoren ihre helle Freude. Heute absolut undenkbar.
«Angefressen» vom Fesselflug zogen 1967 drei Breitenbacher nach Salzburg, um dort einen internationalen Wettbewerb zu beobachten. Und da hat es richtig gezündet. So etwas wie die grossartige RC- und Fesselfluganlage Kraiwiesen/Salzburg lag allerdings ausserhalb der Möglichkeiten des jungen Vereins. Aber eine einfachere Fesselfluggpiste sollte doch zu realisieren sein. Ein wunderschöner Platz im «Schwalben-nest» in Büsserach wurde gefunden – und mit viel Fingerspitzengefühl konnte die Besitzerin des Grundstückes überzeugt werden, dass eine

Fesselfluggpiste für die Zukunft der lokalen Jugend von grosser Bedeutung sei. Im Frühjahr 1968 wurde das Bauprojekt bei der Gemeinde Büsserach eingereicht, von dieser an den Kanton Solothurn weitergeleitet – das «Schwalbennest» liegt
in der Jura-Schutzzone – und kurze Zeit später kam die Baubewilligung des Kantons. Das waren noch Zeiten...!
Sofort wurde mit dem Bau begonnen. Zwar hatte die Modellfluggruppe Breitenbach kein Geld, dafür aber gute Verbindungen zu potenten Gönnern. Die Schweiz. Isola-Werke in Breitenbach übernahmen einen Grossteil der Kosten, und eine einheimische Baufirma asphaltierte die Piste zum halben Preis. So blieben dem Verein am Ende noch Fr. 5000.– als Restschuld. Im Herbst 1970 war die Anlage fertig, und im Früh-

ling 1971 wurde sie eingeweiht. Ein Freundschaftswettbewerb lockte zahlreiche Teilnehmer aus ganz Europa an, und weit über 1000 Zuschauer säumten die Piste. Eintritt Fr. 5.–. Damit war die Restschuld getilgt!
Getragen durch die Euphorie dieses Erfolges wurde beschlossen, einen internationalen Fesselflugwettbewerb zu organisieren und diesen als FAI-Weltcup auszuschreiben. Am 1./2. September 1973 war es so weit. Bei schönstem Wetter kämpften über 80 Teilnehmer aus 12 Nationen um die Medaillen und Pokale. Der Jura-Cup war lanciert. Da der Aufwand für den Verein aber sehr gross war, wurde beschlossen, diesen Anlass nur im Zweijahresturnus durchzuführen. Und so findet seit 1973 bis heute alle zwei Jahre dieser internationale Wettbewerb statt. Er gehört zu den renommierten Fesselflugwettbewerben in Europa.
Nach und nach wurde die Fesselfluggpiste vergrössert und ein Clubhaus gebaut. Auch konnte nach einigen Jahren
das Grundstück «Schwalbennest» (70 Aren) von der Modellfluggruppe Breitenbach gekauft werden.
Schon Anfang der 70er-Jahre befassten sich die Mitglieder der Modellfluggruppe Breitenbach mit den neu aufgekommenen ferngesteuerten Modellen. Geflogen wurden diese auf einem Feld zwischen Wahlen und Laufen. Langsam kam im Verein aber der Wunsch nach einem eigenen RC-Flugplatz auf. Die Suche begann. Projekte in den Gemeinden Brislach und Breitenbach scheiterten an den Abstimmungen der jeweiligen Gemeindeversammlungen. 1981 wurde der Verein endlich fündig. Der Landwirt des Hofes «Erlen» verpachtete uns ein geeignetes Stück Land auf dem Gemeindegebiet

Zwingen. Dieses Land konnte später von der Modellfluggruppe gekauft werden. Rasch wurde die Piste mit einem Papiersieb belegt, und mit dem RC-Flug auf der eigenen Piste konnte begonnen werden.
In den folgenden Jahren wurde immer wieder versucht, eine Baubewilligung für eine befestigte Piste zu erhalten. Auch die Zufahrt zum Flugplatz brachte Probleme, denn es herrschte in dieser Zone ein generelles Fahrverbot. Nach dreijährigen Verhandlungen konnte mit der Gemeinde Laufen eine Einigung über die Zufahrt ab-

geschlossen werden. Es bedurfte allerdings der Vermittlung des Bundesamtes für Verkehr als letzter Beschwerdeinstanz. Mutig haben wir uns damals an den Bundesrat gewandt – und es hat genutzt. Kosten: 50 Rappen für eine Briefmarke.
1991 versuchten wir es betreffend der befestigten Piste nochmals mit einem «Kleinen Baugesuch» an das Stadthalteramt Laufen. Welche Überraschung: Die Baubewilligung traf in kürzester Zeit ein! Seit Anfang der 90er-Jahre finden nun auf unserem wunderschönen Flugplatz «Erlen» alljährlich diverse RC-Wettbewerbe statt. Hervorzuheben ist da vor allem der seit Jahrzehnten von unserem Mitglied, Felix Andres organisierte Challenge-Cup F3A.
Noch immer nicht endgültig entschieden ist die Umzonung des Flugplatzes aus der Landwirtschaftszone in eine Spezialzone Modellflug. Doch man darf hoffen. Die Sache hat bisher alle Vorinstanzen positiv passiert und liegt nun zum endgültigen Entscheid beim Kanton Baselland.
Die beiden Flugplätze «Schwalbennest» und «Erlen» haben bis heute den Verein viel Geld
gekostet. Der grösste Teil davon konnte aber durch eigene Anlässe erwirtschaftet werden. Seit 1979 wurden vier grosse Modellflugausstellungen in

Breitenbach und vier Modellflugschauen auf dem Flugplatz der Segelfluggruppe Dittingen durchgeführt. Der unermüdliche Einsatz unserer Mitglieder hat sich bezahlt gemacht. Die Modellfluggruppe Breitenbach verfügt heute über eine einwandfreie Infrastruktur und keinen Franken Schulden.
Bei der Gründung des Vereins stellte die Gemeinde Breitenbach dem jungen Verein im Schulhaus ein grosses Kellerlokal gratis zur Verfügung. Für die nächsten 50 Jahre diente dieser Raum als gut ausgerüstetes Baulokal für die Breitenbacher Modellflieger. Als die Schule dann Eigenbedarf für den Raum anmeldete, half die Gemeinde grosszügig bei der Suche nach einem neuen Standort. Im ehemaligen Spital Breitenbach wurde ein idealer Ort gefunden. Mit einigem Aufwand entstand dort das neue Baulokal.

Die Breitenbacher Modellflieger haben nicht nur während Jahrzehnten unzählige Wettbewerbe organisiert, sie haben auch an unzähligen Wettbewerben und Meisterschaften im In- und Ausland teilgenommen. Dabei erreichten sie immer wieder Spitzenergebnisse in verschiedenen Kategorien. So durften über die Jahre diverse Schweizermeister und sogar zwei Weltmeister gefeiert werden.
Ein Höhepunkt in der Geschichte der Modellfluggruppe Breitenbach darf hier nicht unerwähnt

bleiben. 1994 bekam der Verein für seine gesamtheitlichen Verdienste das «Diplome d'Honneur» der FAI – eine grosse Ehre für einen Modellflugverein! Die Urkunde hängt heute im neuen Baulokal und moti-
viert die Betrachter, in ihren Bemühungen zur Förderung des Modellflugs nicht nachzulassen. Nun sind die ersten 60 Jahre der Modellfluggruppe Breitenbach Geschichte. Was mit acht Burschen begonnen
hat, ist mittlerweile zu einem stolzen Verein mit über 100 Teilnehmern herangewachsen. Inzwischen haben neue Generationen das Zepter übernommen und führen den Verein in die Zukunft. Hoffen wir, dass die
Erfolgsgeschichte des Vereins – auch bei veränderten gesellschaftlichen Vorgaben – im Sinne ihrer «Erfinder» weitergeht!
Heiner Borer

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