Sport

Erfolgreiche Schweizer Freiflieger

von Urs Muntwyler
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Grosses Teilnehmerfeld an der Europameisterschaft 2024 in Simeria/Rumänien.


Die Schweizer Freiflieger sind zu fünft nach Rumänien gereist. Familie Andrist und TM Urs Muntwyler mit zwei Autos, Lauri Malila ist nach Rumänien geflogen. Durch die Verspätungen im Flugbetrieb kam er über Umwege und erst später in Rumänien an. Als Vorbereitung auf die Meisterschaft sind wir den Weltcup-Wettbewerb geflogen. Wir sind aber alle nicht fertig geflogen. Das Gelände ist mit viel Mais und Sonnenblumenfeldern bewachsen, so wird das Rückholen sehr anstrengend. Wir deponierten je ein F1B-Modell im Weltcup in einer sehr hohen grossen Hecke. Wir brauchten Stunden, um die Modelle unbeschadet herauszuarbeiten.

Am frühen Montagsmorgen trainierten wir F1A. Am Mittag war wir die technische Abnahme des CH-Teams der je vier Modelle pro Pilot. Am frühen Abend war eine kurze und ideenlose Eröffnungsfeier im kleinen Fussballstadion von Simeria. Am Team-Manager-Meeting am Abend erhielt ich eine erste Kostprobe der Organisation des Anlasses.


F1A Segler mit Hochstart – 3. Rang im Team – 3. Rang im Einzel von Christian Andrist

Am Dienstag waren 84 Teilnehmende aus 27 Nationen am Start. Pilot Dominik Andrist berichtet: «Lauri Malila (Weltmeister F1A), Christian und Dominik Andrist bildeten das Team. Den ersten Durchgang mit vier Minuten Flugzeit haben alle sicher voll. Im zweiten hat Christian etwas Glück, seine Leine reisst beim Start und der Übergang passt nicht. Das Modell pumpt lange, bis es dann doch ruhig die vier Minuten fliegt. Wir fliegen sehr gut, sehr sicher. Bis im fünften Durchgang Lauri die Thermik nicht ganz trifft und das Modell bei 2.20 Minuten unten liegt. Christian und Dominik sind im Stechen.

Das erste Stechen findet bei ca. 3 m/s Windgeschwindigkeit statt. 8 Minuten sind gefordert. Beide fliegen den Flapper, beide super Starts und sichere 8 Minuten. Nur sind die Modelle weit weg. Circa 2 Kilometer von der Startstelle in einem Dorf. Wir laufen zu Fuss, um die Modelle für das nächste Stechen zurückzubringen. Durch die Sonnenblumenfelder, über etliche Bahngleise und zwischen den abgestellten Güterzügen hindurch ins Dorf. Christian hat Glück und findet sein Modell schnell, Dominik ist mitten im Wohnquartier und findet trotz GPS seinen Flieger nicht und muss ohne sein bestes Modell zurück zum nächsten Stechen. 3. Stechen: Nun sind es 12 Minuten Flugzeit. Christian wieder mit einem Top-Start. Leider ist die Luft nicht so gut am Anfang. Doch das Modell kämpft und fliegt immer besser. Am Ende reicht es zum 3. Platz hinter dem neuen Europameister aus Slowenien Bostian Bagarji und dem Deutschen Dietrich Sauter. Im Team reicht es zum 3. Platz. Wir haben nach dem ersten Tag schon zwei Medaillen.»



Resultate:
1.Christian Andrist (SUI)
500 Sekunden im 3. Fly-off
21.Dominik Andrist (SUI)
146 Sekunden im 2. Fly-off
42.Lauri Malila (SUI)
1340 Sekunden

Teamwertung F1A
1.Frankreich
2.Ungarn
3.Schweiz

Kategorie F1B Segler mit Gummimotor: Alle «Max» in den ersten 7 Durchgängen – 4. Platz in der Teamwertung

Das Schweizer F1B-Team ist eine Familienangelegenheit: Alfred Andrist und seine Söhne Christian und Dominik Andrist. Die drei waren auch bei der letzten Schweizer Meisterschaft im Jahr 2022 vorne. Dominik Andrist hat seither mit dem 3. Platz an der WM 2023 seine Weltklasse demonstriert. Die drei Piloten fliegen Modelle von Stepan Stefanchuck. Das sind primär die 6-panel-Flieger, welche sich für die Normaldurchgänge sehr bewährt haben. An der EM 2024 dürften über die Hälfte aller Piloten auf Modelle von Stefanchuck gesetzt haben. Die Modelle steuern die Funktionen über Steuerfäden. Diese werden von einem rotierenden Servo und der SIDUS- oder Simplicity-Steuerung angesteuert. Für den Antrieb sorgt ein maximal 30 Gramm schwerer Gummistrang, der mit einer Winde bis kurz vor der Reissgrenze aufgezo- gen wird. Mittlerweile haben alle drei Schweizer Piloten auch Orcas im Sortiment für die «besonde- ren Momente». Die Orcas sind Voll-Karbon-Modelle von Stepanchuck und erreichen besonders grosse Flughöhen bei minimalem Sinken. Sie werden eingesetzt im Stechen am späten Abend oder frühen Morgen, wo es keine Thermik mehr gibt. Einige Piloten setzen die Orcas auch tagsüber ein. Die Andrist schätzen aber die Thermikeigenschaften der mit Icarex bespannten 6-panel-Flieger. Die Flügel haben zwei Knicke, was zu den 6-panel-Flügeln führt. Alfred Andrist hat seinen Orca erst in Simeria am Sonntag erhalten und die zwei Tage zum Einfliegen genutzt, was ihm gut gelungen ist. Die drei Andrist haben jahrelange Erfahrung im F1B-Fliegen und unterstützen sich in Materialfragen, Trainings und in den Wettbewerben. Kurz: Das Beste, was die Schweiz in Sachen F1B aktuell zu bieten hat, war am Start.

Das Wettbewerbssetting der EM 2024 hat vor allem Christian Andrist herausgefordert. Als einer von vier Teilnehmern im 3. Stechen des F1A hatte er seinen Start um 7.00 Uhr. Um 7.30 startete dann der F1B-Wettbewerb. Es starten 69 Pilotinnen und Piloten aus 25 Ländern.



Dass wir eine Startstelle neben den Ukrainern ausgelost erhalten, scheint uns nicht nachteilig. Dort fliegt auch Stepan Stefanchuck persönlich (guter 6. Schlussrang). Allerdings verlassen sich die CH-Piloten primär auf das eigene Thermikgerät und ihre Interpretation (siehe Modellflugsport Nr. 2/2024, S. 46). Es zeigt die thermischen Ablösungen an. Der Pilot darf sich nicht von seiner Startstelle entfernen. Es gilt also, die Ablösungen abzuwarten und den Flieger in die Ablösung zu werfen.

Dominik Andrist zum Wettbewerbsverlauf: «Nach dem F1A-Fly-off geht es direkt mit F1B weiter. Wieder sieben Durchgänge. Morgens wenig Wind und sichere Flüge der Schweizer. Bis zum fünften Durchgang läuft alles reibungslos, es ziehen Gewitter auf. Es blitzt und donnert um uns herum. Die sechste Runde wird trotzdem gestartet. An Leichtsinnigkeit nicht zu überbieten. Wir fliegen alle sehr schnell hintereinander, um dem Sturm aus dem Weg zu gehen. Während Christians Flug wird unterbrochen. Unsere Modelle sind noch hinten im Feld. Christian und Dominik sind am Rückholen, als der Himmel die Schleusen öffnet. Komplett durchnässt kommen wir mit den Modellen zurück. An Modellflug ist nicht zu denken. Die siebte Runde wird dann später am Abend nachgeholt. Alle drei Schweizer schaffen es ins Stechen. Das erste wird noch am selben Abend über sechs Minuten geflogen. Christian und Dominik schaffen die geforderte Flugzeit. Alfred Andrist's Model liegt bei 4:32 Minuten am Boden (Rang 31). Die Modelle bringen wir beim Eindunkeln zurück zum Startplatz. Am Donnerstagmorgen findet das nächste Stechen über 10 Minuten statt. Es hat Nebel, wir müssen warten. Um 10 Uhr lichtet er sich und wir fliegen das nächste Fly-off. Es hat wieder ein wenig Wind. Christian und Dominik starten am Anfang der Runde. Die Luft ist sehr labil, beide pumpen immer wieder ein bisschen. Christian fliegt 4:20 Minuten, Dominik 8 Minuten. Dies ergibt Rang 9 für Dominik Andrist und 15 für Christian Andrist. Im Team reicht es wohl nicht ganz aufs Podest. Wir vermuten, dass wir Vierte sind. Eine offizielle Rangliste gibt es aber noch nicht.

Die ganze EM ist sehr anstrengend. Morgens um 5.30 Uhr aufstehen und ohne richtiges Frühstück aufs Flugfeld. Auf dem Feld gibt es einen kleinen Imbissstand, auf den wir verzichten. Das Schimmelbrot hat uns abgeschreckt. Den ganzen Tag wird geflogen. Christian hat am F1A-Tag 26 Kilometer zu Fuss zurückgelegt. Da soll noch jemand sagen, dass Freiflug kein Sport ist. Spätabends geht's zurück, es ist schon dunkel und es gibt nur noch etwas vom Food Corner in der Shopping Mall zu essen.

Wir haben mit unserem kleinen Team wieder eine sehr gute Leistung gezeigt. Wie letztes Jahr zwei Medaillen gemacht. Wir haben einen guten Teamspirit und unterstützen uns gegenseitig. Wir sind definitiv in der Weltspitze angekommen und haben uns dort etabliert. Die Schweizer Freiflieger muss man auch in den nächsten Jahren auf dem Zettel haben.»


Rangliste F1B:
9.Dominik Andrist (SUI)
480 Sekunden im 2. Fly-off
15.Christian Andrist (SUI)
260 Sekunden im 2. Fly-off
31.Alfred Andrist (SUI)
272 Sekunden im 1. Fly-off

Teamwertung F1B
4.Schweiz


Organisation hat noch viel Luft nach oben

Die Organisation der Freiflug-Europameisterschaft hatte viele Mängel. Das FAI-Reglement macht hilfreiche und detaillier- te Vorgaben für die Organisatoren. Was in Simeria aber geboten wurde, hatte wenig damit zu tun. Das magere Preis-Leistungs-Verhältnis und das mangelnde Einhalten der Reglemente hat wenig Begeisterung bei den Teilnehmern ausgelöst. Es drängt sich auf, dass die FAI im Vorfeld eines solchen Anlasses eine kritische Abnahme des Geländes und der Organisationsarbeit macht. Bei den Gebühren für den Anlass hat es genügend Mittel für mehr Kontrolle und Support der Organisatoren. Wir sind gespannt, wie die Rumänen die Freiflug-Weltmeisterschaft 2025 in Salonta hinkriegen.


Gute kurzfristige Aussichten für die Schweizer Freiflieger

Das Schweizer Freiflug-Team hat aktuell vier Piloten in F1A, welche ganz vorne mitfliegen können. Auch in F1B haben ungefähr vier Piloten das Potenzial, ganz vorne mitzufliegen. Leider hat es keine Junioren und auch keine Frauen, die ein Streichresultat liefern könnten, wie das Deutschland und einige Länder im Osten Europas haben. In der Kategorie F1C (Segler mit Verbrennungsmotor) gibt es nur noch einen CH-Freiflieger, der gelegentlich an Wettbewerben fliegt.

*Urs Muntwyler, Team-Manager
Beiträge: Dominik Andrist*



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